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don't panic, it's organic!

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Männer, Frauen und Fleisch

Es knarzt mal wieder aus der Genderecke und wir folgen- es geht bauchnabelabwärts.

Ein Zentimeter untenrum gleicht einem Kilometer innerhalb der Hirnrinde. Wir sehen einen Mann, der sich gleich unters Messer legen wird, um seine Männlichkeit durch eine Penisverlängerung aufzustocken. Es ist der vielversprechende Beginn eines französischen Dokumentarfilms namens La domination masculine (2009) von Patric Jean.

Und wie der Titel verrät, geht es um die männliche Herrschaft in unserer Gesellschaft. Doch was wie ein Porträt der westlichen Geschlechterrollensozialisation anfängt, endet in einem Wildwuchs aus Stereotypen, bei denen Frauen entweder als Opfer oder radikale Feministinnen und Männer als karikaturhafte Freaks erscheinen. Der Film ist zwar gutgemeint- Jean bezeichnet sich selbst als Pro-Feminist- hinkt aber etwas an der Umsetzung.

Eines schafft er jedenfalls: Er regt zur Diskussion an. Hier ein Blick in den Trailer, bitte frankophones Ohr hinhalten:

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Mehr gibt’s auf arte.tv.

Als Objekt und meist unter männlicher Regie dienen Frauen der Vermarktung von verführerischen Deos und schmackhaften Dosenravioli. Auch wenn Werbung, Gender und Diversity inzwischen näher zusammengerückt sind- aber seht selbst:

http://video.google.com/videoplay?docid=5695422070182142487
gesehen bei dokumentarfilm24.de

Schmackhaft geht es weiter:

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gesehen bei mädchenmannschaft.de

Und wir bewegen uns eine Etage tiefer:

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Werfen wir nun einen Blick auf den Testosteronpegel der Hochglanzpresse. Auffällige Werte haben drei relativ neue Babies aus der FrauenMännersektion: BEEF! ist neben Gala Men und Business Punk Frischfleisch in der Magazinwelt von Gruner+Jahr.

Neben redaktioneller Ein- und zielgruppenspezifischer Ausgrenzung, soll Humor dem hippen Leser ins dreitagebärtige Gesicht lachen, wie sein Spiegelbild nach dem täglichen Kaviarpeeling. Klappt leider nicht ganz. Beweis hierfür ist das fade BEEF!-Interview mit dem Chefredakteur Jan Spielhagen. Ein Blick ins Magazin, das mit 9,80 Euro entsprechend arrogant fern ab von Lisa und Brigitte aufwuchert, lässt zögernde Neugier schnell und resolut einsinken.

Klar huschen gegen Magazinmitte und nach abgehackten Fischköpfen auch unbekleidete Frauenkörper kontextlos durch fleischlastige Rezeptideen. Den Tiefpunkt der Humorfreiheit bildet die letzte Seite mit der ausladenden Rubrik “So kochen Frauen. So Männer.” Der Freitag hat sich hierüber lecker ausgelassen und in der taz lest ihr, wie bei Gala Men die Untenrumthematik redaktionell bearbeitet wird.

Mein Mitleid gilt also dem “neuen Mann”, der vermutlich mehr aus finanzieller Ratlosigkeit heraufbeschworen wird, als dass ihm endlich der Lesestoff zukommt, auf den er ungeduldig warten musste. Wir sehen, die Krise greift Budget und Birne gleichermaßen an.

Genug davon, jetzt gibt’s was auf die Augen:http://www.veoh.com/videos/v14246195QMw8KKWk

Zum Schluss noch ein etwas abseitiger Satz von Pythagoras:

Es gibt ein gutes Prinzip, das die Ordnung, das Licht und den Mann geschaffen hat, und ein böses Prinzip, das das Chaos, die Finsternis und die Frau geschaffen hat.

Er, Sie, Fetishism

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich druchwühlt und sinngerecht portioniert.

Mund zu, Augen auf für folgende fetischhaltige Erzeugnisse zweier Künstler, die man sich vom 30. Mai bis 16. August 2009  im Münchner Kunstbau/Lenbachhaus genehmigen kann: Tom Burr (*1963) und Monica Bonvicini (*1965) .

Ab jetzt im Kunstbau

Ab jetzt im Kunstbau

Zwei klangvolle Namen der internationalen Gegenwartskunst, die zum gemeinsamen Sujet die funktionale Bestimmung sozialer Räume hinsichtlich psychologischer, gesellschaftlicher und geschlechtsspezifischer Konventionen haben. Beide Vertreter der Minimal Art, setzten sich auf jeweils unterschiedliche Art mit der Thematik auseinander, doch zunächst eine visuelle Orientierung:

Foto: blocbuster

Tom Burr Put Down I, 2003 (Foto: blocbuster)

Monica Bonvicini Leather Hammer 2004/2005 mit Leder überzogener Hammer Verschiedene Größen Foto: Roberto Marossi Courtesy of the artist & Galleria Emi Fontana, Milan, West of Rome, Los Angeles © Monica Bonvicini, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Monica Bonvicini Foto: Roberto Marossi Courtesy of the artist & Galleria Emi Fontana, Milan, West of Rome, Los Angeles © Monica Bonvicini, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Materialien der S/M Szene, wie Leder, Riemen und Stahlketten sind Bestandteil einiger Werke beider Künstler. Hierbei werden scheinbar gewöhnliche Werkzeuge (Zaumzeug, Hammer) durch ihre Verbindung mit anders konnotierten Materialien in einen Kontext von Herrschaft und Macht gerückt, Fetishism.

MONICA BONVICINI / TOM BURR KUNSTBAU DER STÄDTISCHEN GALERIE IM LENBACHHAUS MÜNCHEN 30. MAI BIS 16 AUG 2009 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus München Arbeiten von Tom Burr © Tom Burr

MONICA BONVICINI / TOM BURR Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus München Arbeiten von Tom Burr © Tom Burr

Wir beleuchten zunächst Monica Bonvicini mit ihrer Videoinstallation Destroy She said, 1999:  Es geht um die mediale Darstellung von Geschlechterrollen. Genauer um die Konstruktion von Weiblichkeit im Film, wobei die männliche Komponente mittels Architektur repräsentiert wird. Will heißen: Filmschnipsel von ängstlichen, wohlgeföhnten 60er Jahre- Ikonen, die sich hilfesuchend an Wände, Türen und Mauern lehnen, auf der Flucht vor dem ungenannten Unbekannten. Das “Destroy”- Element befindet sich räumlich vor den Leinwänden, aber seht selbst:

Monica Bonvicini Destroy She said, 2005 (Foto: blocbuster)

Monica Bonvicini Destroy She said, 1999 (Foto: blocbuster)

Wenn das bekannt vorkommt: Die gebürtige Italienerin und Wahlberlinerin konnte man mit eben dieser beeindruckenden Videoinstallation bereits 2008  in der Münchner Pinakothek der Moderne im Rahmen der Ausstellung Female Trouble besichtigen. Angeprangert wird also das medial inszenierte Rollenverständnis, gefordert wird radikales Umdenken. Metaphorisch gesehen: Aufruf zur Dekonstruktion der architektonischen Männlichkeitskonstruktion, anders gesagt: Eine ordentliche Portion Kastrationsdrohung.

Gemütlich geht es weiter, folgendes Werk sieht nach einer Mischung aus Hochseilgarten und S/M- Spielplatz aus und hört auf den wegweisenden Namen Never Again, 2005, reinsetzten und wohlfühlen erlaubt!

 	 MONICA BONVICINI / TOM BURR  30. Mai 2009 – 16. August 2009   Monica Bonvicini (*1965 in Venedig, lebt in Berlin) und Tom Burr (*1963 in New Haven, Connecticut, lebt in New York) gehören zu den bedeutendsten Vertretern der internationalen Gegenwartskunst. Beider Interesse gilt den funktionalen Bestimmungen sozialer Räume, den jeweils spezifischen psychologischen, gesellschaftlichen wie geschlechtsspezifischen Konventionen. Dieses verbindende Interesse manifestiert sich jedoch in ganz unterschiedlichen Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Immer jedoch stellt sich im Werk beider die Frage nach den Herrschaftsverhältnissen, die sich in Architektur, Verhalten und Handeln spiegelt. Auch ist die Begeisterung für geradezu libidinös besetzte Oberflächen und Materialen eine Klammer, welche die künstlerische Produktion von Monica Bonvicini und Tom Burr zusammenbringt. Erstmals widmet sich eine Ausstellung dieser Kombination der beiden Künstler. Im Gegenüber der Arbeiten werden ihre teils ähnliche, teils widerstreitenden ästhetischen Strategien sichtbar.  Im Zentrum der Ausstellung steht der Gebrauch von öffentlichen und privaten Räumen als eine vom menschlichen Körper abgeleitete Vorstellung. Hier begegnen sich die Arbeiten im gemeinsamen Bezugspunkt zur Minimal Art und hier trennen sich die Werke durch ihre je andere formale Umsetzung. Die Verknüpfung der Arbeiten im gemeinsamen Ausstellungsraum wird den institutionskritischen Reflexionshorizont beider Künstler herausarbeiten. Darüber hinaus wird deutlich, dass Orte und Objekte nicht einfach als neutrale Werte verstanden werden können, sondern als gesellschaftliche Konstruktionen, an denen sich Machtverhältnisse manifestieren.  Kurator: Matthias Mühling  Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Gegenwartskunst in Basel und wird dort in verändert Form vom 05.09.2009 bis zum 03.01.2010 zu sehen sein.     Bildunterschriften:  1 Ausstellungsansicht Monica Bonvicini Never Again 2005 Leder, verzinkte Ketten, Gerüst © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Monica Bonvicini Never Again 2005 Leder, verzinkte Ketten, Gerüst © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Hier 2 Tonnen Alte Nationalgalerie, 1998:

2 Tonnen Alte Nationalgalerie, 1998 (Foto: Kerry Ryan McFate/Courtesy PaceWildenstein, New York)

"2 Tonnen Alte Nationalgalerie", 1998 (Foto: Kerry Ryan McFate/Courtesy PaceWildenstein, New York)

Auch der New Yorker Tom Burr beschäftigt sich mit der wechselseitigen Beziehung von räumlichen Konstrukten, ihrer politischen und sexuellen Prägung/ Identifikation. Und auch hier sieht man die Leerstellen, die durch ihre Abwesenheit auf Körperliches schließen lassen:

Tom Burr (Foto: blocbuster)

Tom Burr (Foto: blocbuster)

Worn out, 2005 Sperrholz, Zinkscharniere, Farbe, Teppich 101 x 60 x 259 cm Courtesy of Galerie Kamm, Berlin

Worn out, 2005 Sperrholz, Zinkscharniere, Farbe, Teppich 101 x 60 x 259 cm Courtesy of Galerie Kamm, Berlin

Hier zwar nicht, aber vor Ort zu sehen ist seine Fotoserie von öffentlichen Toiletten in New York: Die Reflexion der räumlichen Prägung unserer genderspezifischen Wahrnehmung. Manchmal kann man seine Ausstellungen sogar in eben solchen Notdurftanstalten, oder in Zoos und Parks besichtigen, denn Burr versteht den konventionellen Kunstraum lediglich als eine Möglichkeit unter vielen. Seine Werkschauen finden oft im öffentlichen Raum, nicht selten in Zwischenräumen statt.  Wer libidinösen Hardcore erwartet, findet ihn hier nur bedingt und wenn, dann jedenfalls in sozial verträglichem Rahmen. Organischer Kunstgenuss stellt sich besonders bei Vorkenntnissen ein, virtuelles Künstlerstalken lohnt sich!

  • Preis: 2€/ermäßigt 1€

Abschied vom Toy-Boy

Der Genderknarz um unglückliche Frauen bebt noch nach, da kommt schon der nächste, grobkörnige Brocken aus der SZ, angenehmes Verdauen:

http://www.stockpicksexpert.com/Data/Sites/1/Stock%20Picks%20Expert/The%20Leader%20In%20You/Hugh%20Hefner/Hugh-Hefner-Playboy-girls.jpg

Junge Partnerinnen verlängern das Leben, heißt es durchaus ermutigend. Dort wird propagiert, dass das Prinzip Runzel und Pfirsich bei Männern die Lebenserwartung positiv beeinflusst: “Männer, die zwischen sieben und neun Jahre älter sind als ihre Partnerinnen, haben demnach ein um elf Prozent geringeres Sterberisiko als Männer mit Partnerinnen in etwa dem gleichen Alter.” Die Konstellation soll aber auf Frauen umgekehrte Wirkung haben, denn diese leben Laut Studie mit Toy-Boy wesentlich kürzer und am längsten mit maskulinen Peer-Group Subjekten, “sind die Männer älter als sie selbst, steigt für die Damen das Sterberisiko.” Die Frage nach der Gleichgeschlechtlichkeit wird hierbei außer Acht gelassen und erwähnenswert ist die Begrenzung auf “Daten von etwa zwei Millionen verheirateten Menschen aus Dänemark, die älter als 50 Jahre waren.”

So, was bedeutet das nun konkret? Wenn ich gütig bin, geh ich folglich in den Seniorenstift auf  Männerschau und schenke Prostata-Paule paar Prozentpunkte Lebenszeit? Oder anders: Müssen Frauen, die in gleichaltriger Liaison leben nun ein schlechtes Gewissen haben? Sollte sich Madonna aus organischen Gründen von Jesus trennen? Müssen wir uns jetzt Sorgen um Barack Obama machen, weil Michelle nur drei Jahre jünger ist? Folgt nun die Brautschau in der Grundschule? Und, viel wichtiger: Was passiert mit der Lebenszeit? Wartet sie im Land der verlorenen Singlesocken?

Alles weiterhin Roger!

Ja, sie kommt. Die langerwartete Antwort auf Roger Willemsens taz- Kommentar zum  jetzt schon halbvergessene Finale von GNTM: “Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge Entscheidung mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man sechs Sorten Scheiße aus ihr herausprügeln – wenn es nur nicht so frauenfeindlich wäre”.

Tja, so schaut hierzu Heidis wohlüberlegte Antwort aus, oh, oder eventuell sind das doch Papas Sätze, die Klum die Woche über auswendig lernen musste und nun endlich wiedergeben kann. Also heißt es auf Bild.de mit der wegweisenden Schalgzeile Nach der Attacke von Roger Willemsen:

Jetzt schlägt Topmodel-Mama Heidi Klum zurück. Jugendliche, begebt euch nicht auf dieses Niveau!

Klum ist geschockt. Sie verstehe nicht, dass „ein angeblich intelligenter Mann“ eine solche Bemerkung von sich gebe: „Nämlich die, eine schwangere Frau zu verprügeln“, sagte sie der Nachrichtenagentur ddp. Sie hoffe, „dass andere Menschen und vor allem unsere Jugendlichen schlau genug sind, sich nicht auf das Niveau von Herrn Willemsen zu begeben“. (Ein wenig anders wird die Chose bei Spiegel Online beleuchtet.)

So, einer musste es ja mal sagen und, dass es von Willemsen kam, tut gut. Die Fragwürdigkeit des vermittelten Aggressionspotenzials sei nun dahingestellt. Klar wird nun empört der seitens Willemsen unglücklich gewählte Ausdruck “frauenfeindlich” polemisiert. Dabei ist es ab und zu mal angebracht, die Untenrum-Frage beiseite zu lassen und stattdessen die Inhalte zu beleuchten, um die es hier wohl auch gehen sollte: Sei es nun das ebenso beliebte, wie sinnfreie Sendeformat, oder dessen dürftige Moderation. Wenn Dieter Bohlen fragwürdige Kritik übt und selbst kritisiert wird, hört man danach selten Männerreigen zähnefletschend  aufschreien. Zu einem Diskurs gehört Kritik. Dass diese eher konstruktiv sein sollte, versteht sich. Aber knallen darf es an den richtigen Stellen schon mal ordentlich- na jedenfalls hypothetisch…


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