Tag Archives: Fotografie

Organisches von Asger Carlsen und Jasmin Schuller

Auf der Jagd nach organischen Häppchen habe ich ein paar visuelle Delkiatessen mit fleischlastigem Nachgeschmack aus dem Netz gezogen. Also Mund zu und Augen auf:

Asger Carlsen hinterfragt in seinen Arbeiten häufig die Möglichkeiten des menschlichen Körpers im Hinblick auf seine fotografische Darstellbarkeit. Er spielt mit Konventionen, Erwartungen, Ansprüchen und Normen. In seiner Serie Hester nimmt er den weiblichen Akt zum Ausgangspunkt und lässt Körper und Gliedmaßen miteinander verschmelzen:

Hester, Asger Carlsen

Hester, Asger Carlsen
Hester, Ansger Carlsen via Vice

Mehr von Asger Carlsen gibt es auf http://www.asgercarlsen.com.

Und fleischhaltig geht es weiter. Jasmin Schullers Leckereien sehen zwar aus wie feinste Pâtisserie, könnten aber eher im gut sortierten Fleisch- und Wurstwarenladen gehandelt werden. Bon appétit:

Sweet Meat, Fotos © Jasmin Schuller

Sweet Meat, Fotos © Jasmin SchullerSweet Meat, Fotos © Jasmin Schuller gesehen bei iGNANT via split personality


Mehr von Jasmin Schuller gibt es unter http://jasminschuller.com oder hier auf ihrem Blog.

Sara Naim- Beethoven und Lactose

Habt ihr euch schonmal gefragt, wie Beethovens Mondscheinsonate mit Milch visualisiert werden könnte? Die syrisch-britische Künstlerin Sara Naim hat das mal für uns erledigt. Und so sieht es aus:

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim gesehen bei Beautiful/ Decay

Mehr Synästhesie mit Milch gibt es hier und wer Infos zur Künstlerin will, findet diese unter sara-naim.com oder wirft einen Blick auf ihr Tumblr-Baby mit dem entzückenden Titel  fifteen fucking fotos for every filthy friday.

Nan Goldin@Berlinische Galerie

Vom 20. November 2010 bis zum 28. März 2011 bespielt Nan Goldin die Berlinische Galerie mit 80 Werken, die teilweise noch nie zuvor zu sehen waren.

Bea with the blue drink, O-Bar, West-Berlin, 1984 © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Bea with the blue drink, O-Bar, West-Berlin, 1984 © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Viele der gezeigten Bilder haben einen ganz speziellen Bezug zu Berlin– der Stadt, die für Goldin mehrere Jahre lang zum Lebensmittelpunkt und kreativen Nährboden wurde. Auf den ersten Blick vielleicht voyeuristisch anmutend, ist Nan Goldins facettenreiches Werk vielmehr ein Zugeständnis an die Flüchtigkeit menschlicher Existenz.

Hinter der Dokumentation ihres Mikrokosmos blitzt eine Umittelbarkeit hervor, die eine eigene Qualität entfaltet. Das Umklammern von Vergänglichkeit scheint auf diesen Bildern visuell erfahrbar zu werden.Vielleicht ist es genau dieser Drang, der ihnen eine auratische Substanz verleiht und sie so sehenswert macht.

Unbedingt anschauen:  I’ll be your mirror, eine 50-minütige Dokumentation, die Nan Goldins persönlichen Zugang zur Fotografie widerspiegelt und im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist.

Eine kleine Heimschau kann man bei den artschoolvets genehmigen. Mehr audiovisuellen Input bekommt man im Video zur Ausstellung (19,8 MB) und bei artnet.

Nan Goldin – Berlin Work
Fotografien 1984-2009
20. November 10 bis 28. März 11

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin-Kreuzberg
http://www.berlinischegalerie.de
Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10 – 18 Uhr

Die Ästhetik des Wahnsinns

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt. Also Mund zu und Augen auf für abseitige Schönheit.

Middletown State Hospital, NY

Middletown State Hospital, NY

Die meisten Menschen haben ihr Bild von Irrenanstalten aus Filmen wie Einer flog übers Kuckucksnest, Girl Interrupted oder auch I’m a Cyborg, But That’s OK . Für viele von uns wird dieses Bild auch in Zukunft seine Mittelbarkeit nicht verlieren. Zum Glück gibt es Fotografen, wie Christopher Payne, die für uns die Grenzen des Wahnsinns überschreiten. In seinem Bildband Asylum: Inside the Closed World of State Mental Hospitals hielt er das fest, was andere von der Außenwelt isoliert. Was dabei herausgekommen ist, seht ihr hier:

Straightjacket, Logansport State Hospital, Indiana

Files, Spring Grove State Hospital, MD

Dabei widmet er sich seinen Motiven mit Respekt und einem Sinn für ihre gesellschaftliche Funktionalität, anstatt gängige Horrorvisionen zu bedienen.  Doch beim Anblick dieser schrägen Schönheit, geprägt von baulicher und geistiger Verwesung, reckt sich das ein oder andere Nackenhaar sicherlich in die Vertikale.

Dormitory Ward, Harlem Valley State Hospital, NY

Payne besuchte 70 von insgesamt über 250 US-Anstalten zwischen 2002 und 2008 und streifte hierbei durch 30 Staaten.

Bowling Shoes, Rockland State Hospital, NY

Patient Suitcases, Bolivar State Hospital, TN

Da viele dieser Institutionen schon nicht mehr existieren, sind Christopher Paynes Fotos die letzten offiziellen Relikte aus einer Zeit, in der sie belebt und gebraucht wurden. Payne will vor allem die Schutz- und Gesellschaftsfunktion der Einrichtungen in den Vordergrund rücken. Oder wie Dr. Oliver Sacks kongenial in seinem Essay The Lost Virtues of the Asylum schreibt : “where one could be both mad and safe”.

Typical ward, Kankakee SH, IL 2008

Schon Beaudelaire wusste: Le beau est toujours bizarre.

Patient Bathtub, Fairfield State Hospital, CT

Patient Toothbrushes, Hudson River State Hospital

Wer Lust auf mehr bekommen hat Asylum: Inside the Closed World of State Mental Hospitals ist im September 2009 im MIT Press Verlag mit einem Vorwort und Essays von Dr. Oliver Sacks erschienen und kostet ca. 29,99 €.

corps étranger

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt.

Folgender Kunsthappen ist Ergebnis eines verregneten Samstagnachmittagsbummels durch französische Hinterhöfe und charmante Buchläden. Auf der Suche nach ästhetischer Stimulation, stolperte ich also:

Ein beanzugter Mann liegt öffentlich in der Horizontalen. Bizarr? Was sagt es über unsere interpersonelle Wahrnehmung, die Perzeption von Mensch und öffentlichem Raum aus? Was irritiert uns? Genau diesen Fragen sind die als corps étranger bekannten Straßburger Künstler Damien Bockenmeyer und François Nowakowski nachgegangen.

Also Mund zu und Augen auf für Sculpture sociale:


 

http://www.corpsetranger.com/sculpturesociale/files/page0-1004-full.html

Zuletzt noch Futter für Frankophile:

Un homme, vétu d’un costume «trois-pièces», occupe l’espace public, dans une position allongée. Cet acte simple, perturbe le quotidien, questionne la coexistence du banal et du singulier, modifie notre perception et notre appréhension des lieux et des liens entre les individus.
Le souvenir de l’intervention et des réactions
des autres usagers des lieux est immortalisé
par l’image. (corps étranger)

 

Mehr organische Irritation gibt’s auf www.corpsetranger.com

Alt und (k)nackig

Mund zu Augen auf für schmackhafte Fotokunst:

Gegenwartskunst lebt vom Remix. Elemente des bereits Dagewesenen werden mithilfe neuer Impulse inszeniert und uminterpretiert. Obiges Beispiel zeigt das Sujet “Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern” der Schule von Fountainebleue, 1595 in aktueller Neuinterpretation durch Fotostudenten der Hochschule Furtwangen. Hier das Original, nicht erschrecken:

Fairerweise gibt’s auch pure Weiblichkeit auf den Sehnerv, hier die Darstellung einer prickelnden Szene aus Ovids Metamorphosen:

Und die Originalvorlage von Sebastiano Ricci, “Venus und Satyr”, 1720. Dass dieses Fotoprojekt ziemlich ansehnlich ist, kann man hier weiterverfolgen und die Hintergründe dazu gibt’s da. Die Bilder gibt es auch als Bildband: »Kunst erneuern« (Prestel Verlag; 48 Seiten, 9,95 Euro) Außerordentlich organisch, wie ich finde!

Nude Visions

Hier wird der  Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:

Will McBride, Barbara in unserem Bett, 1959

via stadtmuseum-online

Seit gestern gibt’s im Münchener Stadtmuseum viel nacktes Fleisch zu begutachten. Genauer gesagt 190 Werke, die im Rahmen der Ausstellung Nude Visions-150 Jahre Körperbilder in der Fotografie bis zum 13. September die Ausstellungsräume ansehnlich bekleiden. Als die Exposition 1985 erstmals gezeigt wurde, konnte sie noch schockieren, heute wird’s nicht erst versucht.

Klar, wir sind abgeklärt, dennoch fasziniert der menschliche Körper, wie kein anderes Sujet. Dass es die Zurschaustellung von Nacktheit schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab und wie unzüchtig es damals herging, kann man sich in Form von originalen Daguerrokopien schmecken lassen.

Von den zaghaften Anfängen um 1855 bis 2005 kann man die Aktstudien im Wandel der Zeit nachverfolgen, einige nette Zitate, wie “Kunst sollte nicht mehr Sex haben, als Mathematik” durchmischen die sinnlichen Stücke.

So jetzt schmeiß ich noch mit ein paar bekannten Namen, wenn’s animiert, umso besser: Guy Bourdin, Jürgen Teller, Frank Stürmer, Willy Zielke, Herbert List, Dennis Oppenheim, Charles Gatewood, Warwick Brookes, Jan Mutsu, Lucien Clergue,Will McBride. Weiter mit weiblicher Perspektive: Ruth Bernhard, Ulrike Frömel, Marta Hoepffner, Marianne Leissl, Elfriede Reichelt, Hanna Seewald und Karin Székessy. Klar, Helmut Newton bleibt auch nicht unerwähnt, hier eine Hommage an den 2004 verstorbenen Meister, leider ist sonst nur ein einziges seiner Fotos zu sehen.

 Hermann Stamm, Hommage à Helmut Newton, 1985
Hermann Stamm, Hommage à Helmut Newton, 1985

via abendblatt.de

 

 

Und neben Humorigem, wie auf diesem Schmankerl, das ebensogut ein Schnappschuss vom Filmset eines “Unter’m Dirndl wird gejodelt” -Schmuddelstreifens sein könnte, sieht man auch Groteskes, Enthüllungsreflexionen gibt’s hier