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58. Filmkunstwochen

Ihr habt alle guten Filme der letzten Jahre verpasst, könnt nirgendwo mitreden und euer Filmorgan ist quasi verkrüppelt? Dann atmet auf – ihr bekommt eine zweite Chance:  Die 58. Filmkunstwochen füttern vom 4. bis zum 25. August Filmhungrige mit brandheißen Premieren und den Glanzlichtern der vergangenen Kinojahre.

Everything you always wanted to know about sex

Meine dringende Empfehlung ist Hunger (2008) von Steve McQueen (Nein, nicht DER Steve McQueen). Mehr zum Inhalt gibt’s bei ARTE , hier kommt der Trailer:

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Eröffnet wird das Filmkunststück mit Männer im Wasser (2010). Premierenfanatiker kommen auch beim Berlinalegewinner Bal (2010) von Semi Kaplanoglu und London Nights (2009) von Alexis Dos Santos auf ihre Kosten. Reviews zu weiteren knusprigen Filmhappen findet ihr hier:

Außerdem tourt Paul Kalkbrenner in Hannes Stöhrs Berlin Calling (2008) durch’s Programm, Wes Andersons Royal Tenenbaums (2007) dürfen geschicktes product placement für Adidas machen, und wer will, kann sich von Michael Hanekes Caché (2005) ordentlich verstören lassen, um sich danach von Michel Gondrys Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004) massiv verzaubern zu lassen.

In der Reihe Sex & the Arthouse läuft übrigens ein Klassiker von Woody Allen: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten (1972). Bevor man über die Titellänge nachdenken kann, schnell in eine der besten Szenen – unterlegt mit einem herrlichen Blubbern:

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Das Programm und weitere Infos gibt es hier.

Der fantastische Mr. Fox

Der fantastische Mr. Fox

via filmofilia.com

Endlich wieder Filmfutter vom Meister der Macke, also Mund zu und Augen auf für Wes Andersons Der fantastische Mr. Fox (2009).

Nach der ewigen Rechtebettelei bei Roald Dahls Witwe, konnte Wes Anderson nun endlich mit Co-Autor Noah Baumbach die Stop-Motion Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs in die Kinosäle schleusen. Seit dem 13. Mai nun auch hier zu sehen, Zeit für uns in den Trailer zu schnuppern:

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Zum Plot: Obwohl Mr. Fox (George Clooney) seiner Frau (Meryl Streep) versprochen hatte, die Pfoten vom Hühnerstehlen zu lassen, ist er nach 12 Jahren und einem Sohn wieder dabei, die familiäre Speisekammer mit stibitztem Federvieh zu füllen. Irgendwie muss das bürgerliche Fuchsleben ja finanziert werden, und seine Zeitungskolummne liest eh kein Schwein.

Der große Coup steht aber noch bevor: Die Fuchsfamilie zieht aus dem unterirdischen Bau in einen villenartigen Baum- mit direktem Blick auf drei Geflügelfabriken. Ein leichtes Spiel für den gerissenen Mr. Fox, wären die drei Fabrikbesitzer nicht ebenso gemein, wie sie dick, klein und mager sind. Hier kommt noch ein Filmfetzen:

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Mr. Fox bringt also nicht nur die stacheldrahtige Welt der Menschen durcheinander, sondern auch die gesamte Tierwelt in Gefahr. Denn die drei Bauern vom Geflügelfach gieren nach Rache und scheuen weder Geld noch Skrupel.

Aber Wes Anderson wäre nicht er selbst, würde er der Fuchsfamilie nicht seinen gewohnten Touch Exzentrik verleihen. So kämpft der andersgeratene Fuchssohn Ash (Jason Schwartzman), nicht nur um die Anerkennung seines Alphavaters, sondern konkurriert auch mit Cousin Kristofferson (gesprochen von Andersons Bruder Eric), der die Fuchsfamilie durch allgemeine Exzellenz bereichert. Mrs. Fox ist es währenddessen leid, ihren Mann mit dessen Hang zur Gesetzlosigkeit zu teilen.

Zugegeben, trotz des Stop-Motion Charmes wirken die Charaktere manchmal ein wenig flach, auch wenn sich Anderson neben dem gewohnten Ensemble (Owen Wilson als Sportcoach), prominete Sprecher wie Cloney und Streep ins Boot geholt hat.

Dennoch sind die 87 Minuten ein Vergnügen, und nach dem ganzen 3D- Hype, ist dieses Stück Retrofilmkunst allemal sehenswert. Wer anderer Meinung ist, kann sich bei den fünf Filmfreunden Verstärkung holen.

Fazit: Detailverliebtheit und philosophische Knusperchen würzen die formal kindgerechte Story so auf, dass sie auf jeden Fall auch faltigeren Existenzen audiovisuelle Bespaßung bietet. Und allein Willem Dafoes Stimme aus dem Maul einer versoffenen Ratte zu hören, macht den fantastischen Mr. Fox noch um eine Spur fantastischer! [rating=4]

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Ab geht’s mit brandheißem Kinofutter und einer visuellen Delikatesse von Haim Tabakman: Einaym Pkuhot- Du sollst nicht lieben (2009).

Eyes wide open

via imdb

Die Titelgebung schmeckt zwar eher nach einem lauen Fernsehfilm mit Bettina Zimmermann, der Inhalt überzeugt aber und ich freue mich gerade wie ein zwiebelnaschender Pavian, dass dieser Film endlich auch deutsche Kinogefilde bespielt, nämlich ab dem 20. Mai!

Man erinnere sich Ang Lees Brokeback Mountain (2005), schiebe die Handlung nun nach Mea Shearim, also ins ultraorthodoxe Viertel von Jerusalem. Die Cowboys sind in dem Fall ein Fleischer und sein Lehrling. Neugierig? Dann ab in den Trailer:

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Zum Plot:

Aaron Fleishman (Zohar Shtrauss) führt ein geregeltes Leben. Gerade hat er die Fleischerei seines verstorbenen Vaters wiedereröffnet, engagiert sich in der Gemeinde und sorgt für Frau und vier Kinder. Doch macht ihn sein Leben glücklich? Er funktioniert lediglich.

Erst durch den Studenten Ezri (Ran Danker), der während eines Unwetters in Aarons Laden nach Unterschlupf und Arbeit sucht, entkommt er der Lethargie seines Alltags.

Eyes wide open

via filmstarts.de


Ezris Andersartigkeit sickert schnell durch die Gemeinde, schneller als Aaron merkt, was in ihm vorgeht. Eine gewisse Spannung an der Fleischtheke ist nicht zu leugnen. Zunächst sieht er in der Versuchung eine Prüfung seines Glaubens.

Wird er widerstehen? Will er? Minimale Mimikdifferenzen in Aarons bärtigem Gesicht lassen erahnen, was in ihm vorgeht. Dass diese Liebelei in der Gemeinde und für Aarons Frau Rivka (Tinkerbell) eine Unmöglichkeit darstellt, ist klar. Wie sich Aaron entscheiden wird, nicht.

Du sollst nicht lieben

via stockholmfilmfestival.se


Im Gegensatz zu Filmen von Eytan Fox wie Yossi & Jagger (2002) oder The Bubble (2006), die sich Tel-Aviv als Kulisse nehmen, lassen die engen Gassen von Mea Shearim kaum Platz für queere Gedanken.

Tabakmans ästhetisierte Bildkompositionen erlauben eine Distanzierung, die den filmischen Realismus entschärft, und das Werk beispielsweise von Trembling before G-d (2001), einem ähnlich verorteten Dokumentarfilm abhebt. Zwar bietet sich der Einsatz von Melodramatik an, aber Tabakman entzieht sich- ohne dabei Nüchternheit zu vermitteln.

Er nimmt sich Zeit. Zeigt, ohne zu polemisieren. Die Bilder, die uns Kameramann Axel Schneppat auf die Augen wirft, wirken reduziert, kraftvoll und einnehmend. Um innere und äußere Konflikte authentisch zu gestalten, hat Tabakman sich von Homosexuellen und Ultraorthodoxen beraten lassen, dazu gibt’s hier ein interessantes Interview.

Fazit: Schöne Bilder, die auch lange nach Filmgenuss im Kopf bleiben und wohlplatzierter Konfliktstoff, der abseits der unmittelbaren Thematik universelle Werte behandelt, ergeben ein sehr sehenswertes Regiedebut, Chapeau! [rating=5]

64. Festival de Cannes

Vom 12. bis zum 23 Mai ist die Croisette mal wieder filmisch vollgepackt, das Festival de Cannes schmeißt zum 63. Mal Filmfutter auf den Präsentierteller, wir riechen mal rein!

Zwar haben Unwetter ein floppiger Robin Hood und gebrochene Filmversprechen (Somewhere von Sofia Coppola ist leider nicht dabei) schon für schlechte Laune gesorgt, weil aber Tim Burton dieses Jahr Jurypräsident ist, besteht noch Hoffnung. Auch sonst sind ein paar große Namen und Filme vertreten.

Außerhalb des Festivals läuft der neue Woody Allen. Wie immer geht’s um Paare, bisschen Sex und viel Gerede.  You will meet a tall dark stranger (2010) zieht erst am 2. Dezember in die deutschen Kinos ein, hier kommt dennoch ein Vorgeschmack:

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Youtube Direktstranger


Möge er besser sein, als Whatever Works!

Seit Damien Odouls L’histoire de Richard O. (2007), bin ich großer Fan von Matthieu Almaric. In seinem Wettbewerbsfilm Tournée (2010) spielt er einen Pariser Produzenten, der seine Zelte in der Heimat abbricht, in den USA eine New Bourlesque Show heranzüchtet, um in Frankreich den erhofften Erfolg zu ernten. Seine Tänzerinnen wollen natürlich nicht nur fleischlich in die Show miteingebunden sein und ansonsten läuft auch nicht alles nach Plan. Ab in den Trailer:

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Youtube Direkttournée


Auch der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul, der für seine eigenwillige Verbindung von Fiktion und Dokumentarfilm bekannt ist, mischt sich mit Uncle Boonmee, Who Can Recall His Past Lives (2010) in den Wettbewerb. Der Film ist Teil des Primitive-Projekts, das 2009 im Münchner Haus der Kunst zu sehen war. Hier kommt der Trailer:

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Youtube Direktreincarnation


Abbas Kiarostami buhlt mit Copie Conforme (Certified Copie, 2010) ebenfalls um die Goldene Palme. Der Film spielt erstmals außerhalb seiner iranischen Heimat und zeigt uns ein Paar in der Toskana. Aber ist das Paar wirklich zusammen? Handelt es sich um eine Affäre, die auf eingebildeter Substanz aufbaut oder um eine Langzeitbeziehung, die sich frischen Wind vorspielt? Hier ein Teaser:

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Youtube Direktaffaire


HFF-Absolvent Christoph Hochhäusler ist mit Unter dir die Stadt (2010) in der Sektion Un Certain Regard nominiert. Darin geht es um die heimliche Beziehung zwischen einem Bankmanager und der Frau eines seiner Angestellten. Machtspiele? Aber sicher! Den Trailer gibt’s hier.

In der Sektion Cannes Classics darf man sich auf Tristana (1970) von Louis Buñuel freuen. Dort spielt Catherine Deneuve ein unschuldiges Waisenkind, das von ihrem Adoptivvater kompromittiert wird und nicht mehr von ihm loskommt. Eine Amour fou vom Enfant Terrible des surrealistschen Films, hier der Trailer:

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Youtube Direkttristana


Diverse Hintergrundinfos gibt’s auf arte.tv

Les herbes folles

Ab geht’s mit saftigem Filmfutter aus der Presse des Altmeisters Alain Resnais: Les herbes folles -Vorsicht Sehnsucht (2009). Drückt also bitte den frankophilen Schalter sachte runter und folgt mir in einen Film, der sich mit einer Portion Charme und einer Gallone Absurdität gegen jede Erwartungshaltung wehrt!

Les  herbes folles

via orangedoe.wordpress.com

Zum Plot: Zahnärztin Marguerite Muir (Sabine Azéma) kann aufgrund ihrer leicht deformierten Füße nur in einem bestimmten Geschäft in Paris Schuhe kaufen. Doch nach erfolgreicher Fußversorgung wird ihre Handtasche gestohlen. Georges Palet (André Dussolier) findet Marguerites Portemonnaie in einer Tiefgarage.

Er beginnt, sich eine Welt rund um ihre Existenz zu spinnen, betrachtet ihre Fotos, begutachtet ihren Pilotenschein und ruft sie vergeblich an. Schließlich gibt er das kostbare Fundstück wehmütig auf dem Polizeirevier ab.

Als sich Marguerite unverbindlich bei Georges meldet, um ihm zu danken, beginnt ein bizarrer Stalk-Wettbewerb zwischen den beiden. Dabei werden sie von Georges Frau, der Polizei und Marguerites Kollegin  mal ausgebremst, dann wieder angetrieben. Neugierig? Ab in den Trailer:

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Dieser Film fängt irgendwo vor dem Anfang an und hört definitiv nach dem Ende auf. Voller Verve inszeniert Resnais seine Charaktere. Mit ihrer Präsens schaffen sie es, uns zu vereinnahmen. Wir bleiben bei ihnen, selbst wenn die Erzählstruktur uns Fragezeichen in die Hirnrinde wirft.

Uns eröffnet sich ein ästhetischer Wildwuchs an hochgezüchteten Erwartungen, unhaltbaren Projektionen und großen Enttäuschungen. Es geht um verlebte Möglichkeiten und mögliche Illusionen, die sich all in ein großes “Was wäre, wenn…?” verknoten.

Les herbes folles

via lesherbesfolles-lefilm.com

Fazit: Les herbes folles ist ein cinéastischer Zaubergarten und mit Sicherheit kein filmisches Unkraut. Hier wuchert die Fantasie eines Meisters. Anschauen und überraschen lassen!

Ab 22.04. im Kino.

[rating=5]

A Single Man +++ The Blind Side +++ Legion

Filmisch ist heut so ziemlich alles dabei. Wir beginnen mit Tom Fords Designerstück A Single Man, im zweiten Gang folgt das Bullock-haltige Rührstück The Blinde Side und verfeinert wird das Menü von Legion, einem abgetrashten SF-Miststück. Filmhunger? Na dann Mund zu und Augen auf!


A Single Man

Wer glaubt, dass A Single Man (2009) Tom Fords Adaptation einer Novelle von Christopher Isherwood, lediglich aus 101 Minuten Dauerwerbung für seine neuste Kollektion besteht, der hat zwar nicht ganz unrecht (Firth trägt natürlich Ford), wird aber sehen, dass der gute Tom sich mit seinem ersten Filmversuch durchaus sehen lassen kann, sehr sogar. Zurück in die 60er und ab in den Trailer:

Zum Plot:

Wir sehen einen Tag im Leben eines Mannes, dessen Herz bitter am Tod seines Lebensgefährten zerbrochen ist. Zutiefst tragisch, oft tiefgründig aber immer exzellent gekleidet wandelt George (Colin Firth) durch diesen Tag, der vielleicht sein letzter sein wird. Er steht auf, geht an die Universität um zu unterrichten, leert später sein Bankschließfach und holt sich Munition für die Waffe, mit der er sich aus seinem Elend schießen will.

Kann seine beste Freundin und ehemalige Geliebte Charley (Juliane Moore) ihn von einer gemeinsamen Zukunft überzeugen? Oder wird Kenny (Nicholas Hoult), ein penetranter und lebenshungriger Student mit häßlichem rosa Mohairpullover ihn zurück in die Gegenwart holen? Ab 8. April wissen wir mehr. Bis dahin kann man sich hier Appetit holen.

Fazit: Ein ästhetisches und gehaltvolles Zuckerschlecken.[rating=4]

Wie versprochen, kommt hier Nachschlag aus einer anderen Ecke, The Blind Side (2009) ist ab 25. März im Kino und John Lee Hancocks Verfilmung einer realen Geschichte.

The Blind Side

via filmstarts.de

Sie handelt von Michael Oher (Quinton Aaron), einem afroamerikanischen Jungen, der aus elenden Verhältnissen in den Schoß einer großzügigen weißen Vielverdienerfamilie aufgenommen wird, um sich vom tumben Sorgenkind zum Profi-Footballspieler zu entwickeln. Insgesamt läuft die Erfolgsstory linear vor sich hin, stolpert an einem kleinen Twist und bleibt sowohl inhaltlich als auch filmisch auf der konservativen Seite. Rein in den Trailer:

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Fazit: Der Geruch von Kitsch liegt in der Luft. Besonders hübsch ist eine Szene, in der Übermutti-Bullock dem bulligen Pflegeobjekt aus einem Kinderbuch vorliest, dass einem der Magen rumort. Selbst wenn sich das Ganze an eine wahre Geschichte anlehnt, fragt man sich, wieso sämtliche Klischees bis zum Zerbersten bedient werden müssen. Wer nach einem ordentlichen Verriss giert, kann sich bei den fünf Filmfreunden bedienen.[rating=2]

Was jetzt kommt ist absolut nicht arthausig, sondern eine ordentliche Ladung trashiger SF-Endzeitstimmung. Manchmal kann ein übler Film unglaublich amüsant sein, so auch Legion (2010) von Scott Stewart, seit 18. März im Kino.

Legion

via moviepilot

Zum Plot: Gott glaubt nicht mehr an die Menschheit und schickt seine Engel aus, um die Welt zu bereinigen. Erzengel Michael (Paul Bettany) ist der einzige, der noch Hoffnung sieht. Großzügig bewaffnet macht er sich auf, um eine kleine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Opfer an einer Tankstelle inmitten der Mohave Wüste vor der Apokalypse zu bewahren.

Unter ihnen ist auch die hochschwangere Charlie (Adrianne Palicki), deren Kind die Rettung der Menschheit darstellt. Ziel ist es nun, dass dem Ungeborenen nichts geschieht. Doch das erweist sich als reichlich schwierig, denn die zum Bösen mutierten Engel haben Hunger und gieren nach Menschenfleisch.

Schnell in den Trailer:

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Fazit: Spätestens nachdem die fleischlustige Oma die Szenierie betritt, kann man das Zucken im Zwerchfell nicht zurückhalten, will man ja auch nicht. Erwartet also dämliche Dialoge, ungeplante Homoerotik, Löcher in der Logik und ein gelungenes Miststück von einem schlechten Film![rating=2]

Synecdoche, New York

Ab geht’s mit neuem und wiederentdecktem Filmfutter, heute mit einem besonders delikaten Prachthappen von Charlie Kaufman.

http://thecia.com.au/reviews/s/images/synecdoche-new-york-0.jpg

Synecdoche, New York (2008) ist irgendwo jenseits von Massengeschmack und Multiplex anzusiedeln, musste daher leider die deutschen Leinwände auslassen und ist seit dem 26. November 2009 auf DVD erhältlich.

Was passiert, wenn sich der Drehbuchautor von Being John Malkowich (1999) und Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004) nun in den Regiestuhl wagt?

Flirrende, tieftraurige und hochtrabend amüsante Bilder; und das 24 Mal pro Sekunde. Ab in den Trailer:

http://www.dailymotion.com/videox6soiq

Zum Plot: An dieser Stelle bitte ich, das Wort Cotard durch die Suchmaschiene eurer Wahl zu jagen. Fertig?

Was kommt dabei raus, wenn Caden Cotard (Philip Seymour Hoffmann), ein krankhaft kranker Theaterregisseur, Vater einer 4 -Jährigen, Ehemann einer Künstlerin (Catherine Keener) und wohnhaft in New Yorks Suburbia seinen Beruf zur Berufung macht? Entweder grandioses Scheitern oder groteskte Genialität. Vielleicht auch beides.

http://thumbs.filmstarts.de/image/SynecdocheNewYork_scene_25.jpg

Wir begleiten Caden Cotard ab seinem 40. Lebensjahr. Seine Frau Adele ist Künstlerin, folgt einem vielversprechenden Ruf nach Berlin, wird berühmt und unerreichbar. Caden wird seine Tochter Olive (Sadie Goldstein) erst  wiedersehen, wenn sie erwachsen geworden, am ganzen Körper tätowiert auf dem Sterbebett liegt. Er wird sich in seine Mitarbeiterin Hazel (Samantha Morton) verlieben, und es erst merken, wenn sie bereits fremdverheiratet ist. Er wird verpustelt und verwarzt sein, mal blau und mal braun urinieren, postkoitale Heulattacken und permanente Todesangst haben. Trotz organischer Exzentrik wird er viele Frauen anziehen.

Er wird erneut eine 4-jährige Tochter haben, diesmal mit Claire (Michelle Williams), einer der Schauspielerinnen seines Ensembles. Er wird auch diese neue Familie verlassen, um irgendwann zurückzukehren und selbst verlassen zu werden. Irgendwo dazwischen wird er ein Theaterstipendium bekommen, um etwas Großes zu erschaffen.

Caden Cotard wird in einer New Yorker Lagerhalle New York nachbauen, um sein Leben von tausenden Schauspielern nachstellen, variieren und reflektieren zu lassen. Die Grenzen von Realität und Theater werden überschritten und überschrieben werden. Es wird das größte Stück seines Lebens werden. Ob es jemals aufgeführt wird?

Wahrscheinlich nicht. Aber wenn wir Synecdoche, New York sehen und uns fragen, wo dieses große Ganze uns hineinzieht, können wir ein kleines Stück von Charlie Kaufmans Welt sehen. Und die ist verdammt faszinierend. Mehr zum Film und zur Bedeutung des Titels gibt’s hier.

http://www.student-direct.co.uk/wp-content/uploads/2009/05/synecdoche_new_york21-small.jpg

Fazit: Synecdoche, New York ist ein Film, bei dem loderndes Feuer zur Einrichtung gehört und Zeit sich jeglicher Messbarkeit entzieht. Ein Film, den man beim ersten Mal nicht vollends begreift, um beim zweiten Mal noch immer einige Fragezeichen in der Hirnrinde zu beherbergen. Er bringt einen zum Lachen, wenn man eigentlich weinen will und kratzt an der Patina unserer Sehgewohnheiten, um eine schillernde Schicht wahren Filmgenusses zu enthüllen. Sättigung nicht in Sicht.

[rating=6]

Triptych

Hier wird der überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt und sinngerecht portioniert. Also Mund zu und Augen auf !

Magdalena Hutter, Triptych

Magdalena Hutter, Triptych Magdalena Hutter 2010

Mit Grenzen und Migration beschäftigt sich Magdalena Hutter in ihrer dokumentarischen 3-Kanal-Videoinstallation Triptych, hier ein kleiner Einblick:

Ursprünglich, so erzählt die HFF-Studentin, sei die Wüste als Metapher gedacht gewesen. Bis die Realität passierte. Denn nicht nur in der Odysee  der fünf Protagonisten wirkt die Wüste als Transitraum, desparater Lebensraum oder auch als das Ende einer unerfüllten Hoffnung. Viele der Migranten müssen wirklich irgenwann zu Fuß durch die Wüste.

“…Nigeria – Niger, Niger – désert d’Algérie, Algérie – Maroc, Maroc á l’Europe.”

Wir bewegen uns vorwärts, immer in dieselbe Richtung. Gleichmäßige Schritte. Stimmen. Menschen auf der Flucht.

Triptych. Eine dokumentarische Videoinstallation, Magdalena Hutter 2010

Trocken, karg und hoffnungslos. Triptych will bewegen. Und es kann.

Wann und wo?

Vernissage am Freitag, 29. 01. 2010 ab 18.00 Uhr
Öffnungszeiten Mo-Fr 14-20 Uhr
Samsatg und Sonntag 12-19 Uhr
Finissage am Sonntag, 07.02.2010 ab 17.00 Uhr

Atelier für Medienkunst, Bavariastr.6a, 80336 München

In ihrem nächsten Filmprojekt beschäftigt sich Magdalena Hutter erneut mit Migration und Grenzen. Dann geht es nach Los Angeles, wieder in die Wüste. Wir sind gespannt.

Mittelmeer-Filmtage 2010

Tief einatmen und hinriechen: Ja, man kann das Meer quasi schmecken! Zumindest vom 14. bis zum 31. Januar, denn da bespielen die 7. Mittelmeer-Filmtage den Münchner Gasteig.

Los geht’s heute abend mit Pandora’s Box/Pandoranin kutusu von Yeșim Ustaoğlu, also schnell in den Trailer:

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Wann, wo, wieviel?

  • 19:30 Uhr, Carl- Orff Saal, 9€/erm. 7€.

Programmnachschlag gib’t hier.

 

Thirst

Ab geht’s mit scharfem Filmstoff aus Süd Korea: Bakjwi (Thirst) von Regisseur Park Chan-Wook (Oldboy, I’m a Cyborg, but That’s OK) zieht rein wie frisch geriebener Wasabi und heitzt ab 15. Oktober durch die deutschen Kinos.

Gut, das Sujet des Blutsaugers hat sich derzeit ordentlich in den Köpfen einiger Regisseure und Autoren festgebissen, dennoch- diese 133 Minuten lohnen sich. Und jetzt schnell in den Trailer:

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Zum Plot: Der katholische Priester Sang-hyeon (Kang-ho Song) lässt sich bei einem Aufenhalt in Afrika für die Wissenschaft freiwillig mit einem tödlichen Virus infizieren, nur eine Blutinfusion kann ihn davor retten, als pockenübersähter Leichnam unter der Erde zu landen. Somit ist der einzige scheinbar Überlebende von 500 Infizierten, wird von da an als Heiliger verehrt und darf in Krankenhäusern potenziellen Sterbekandidaten Leben zubeten.

Ideale Umgebung also, um kostenlos und unbemerkt an frisches Blut heranzukommen, denn die Bluttransfusion machte ihn natürlich zum Vampir. Zurück in Korea findet er bei seinem ehemaligen und mittlerweile dauerkranken Kindheitsfreund Kang-woo (Ha-kyun Shin) Unterkunft. Der siecht schnoddernd mit dominanter Mama Lady Ra (Kim Hae-sook) und seiner jungen Ehefrau Tae-joo (Kim Ok-vin) vor sich hin.

Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre zwischen der unglücklichen und lebenshungrigen Tae-joo und dem fleischlustigen Vampirpriester. Das geht solange gut, bis die beiden beschließen, den verrotzten Ehemann zu beseitigen. Denn dieser schafft es, die Liebenden auch aus dem Jenseits in den Wahnsinn zu treiben, bis die Stimmung kippt und der Blutpegel steigt…

Bakjwi beeindruckt. Neben der großartigen Kim Ok-vin entzückt besonders die Raffinesse der Bilder kunsthungrige Augen. Der großzügige Umgang mit Filmblut erinnert an Kill Bill, die Kamera von Chung-hoon Chung an den Stil von William Eggleston:

Gutgesähte Humorsamen durchwachsen Film und Figuren, sodass die Brutalität, für die Park Chan-Wook bekannt ist, einigermaßen verdaulich wird. Interessant ist auch der Verzicht auf die Klischeefangzähne: Pragmatisch werden Krankenhausutensilien und rostige Zangen für die Nahrungsbeschaffung eingesetzt. Ansonsten wird an Symbolik nicht gespart.

Wie in seiner Vengeance-Trillogie, nutzt der Regisseur Themen wie Rache, Untreue,  Schuld und Machtgier um Figuren und Motive scharf abzuschmecken. So schafft es der Film, einem Moment flüchtiger Langatmigkeit, der sich zur Halbzeit bemerkbar machen will, gekonnt zu strotzen. Er nimmt wieder Fahrt auf und bleibt bis zur letzten Minute amüsant. Nur die kitschige Filmmusik wirkt eher verzichtenswert. Die Story ist übrigens von Émil Zolas 1867 erschienenen Roman Thérèse Raquin inspiriert, wie auch sonst viele seiner Filme sich an literarischen Vorlagen orientieren.

Fazit: Ein deftiger Genuss, nicht nur für blutwillige Ästheten. Also Mund zu und Augen auf!

Green Porno

Ab geht’s mit animalisch heißem Filmstoff, noch mehr Pappmaché und den akut-organischen Aufklärungsfilmchen von und mit Isabella Rossellini!

Warum nicht auf Pornofeldforschung im eigenen Vorgarten gehen, um mehr oder weniger Fleischliches unterhaltsam und gleichzeitig wissenschaftlich- korrekt darzustellen? Mit ihrem Regiedebüt zeigt Tochter von Ingrid Bergmann, Ex-Frau von Martin Scorsese und Muse von David Lynch, dass es funktioniert. Und zwar mit einer ordentlichen Portion Humor, einer Menge Papier und natürlich haufenweise organischer Kreativität. Achtung, es folgt Schneckensex:

Angeregt? Hier kommt Nachschub von der Spinnenfront:

Nicht zu vergessen, die Hermaphroditen, sehr anschaulich:

Auf der Berlinale von 2008 erstmals öffentlich zu sehen, gibt es jetzt schon die dritte Staffel von Green Porno, mittlerweile wird die grüne Seite stärker fokussiert. Vorher ergründet Isabella aber noch das Sexualverhalten von Meeresbewohnern. Hier ein Einblick in die asexuelle Fortpflanzung von Seesternen, man beachte das schelmische Grinsen:

Wer Lust auf Hintergrundiges und die dritte Staffel der einminütigen Dokuquickies bekommen hat, klicke sachte auf den Sundance Channel.

Augen ohne Gesicht+++Little Shop of Horrors

Ab geht’s mit neuer und aufgefrischter Filmkost. Unfreiwilliger Trash in schwarz-weiß steht heute auf em Menü, also Mund zu Augen auf!

Herrlich, charmant – die 60er. Völlig analog, herrscht noch Pappmachéflair über digitale Technisierungswut. Grenzenloser Slapstick sorgt in Roger Cormans oftkopiertem Original von 1960 The Little Shop of Horrors für narrige Theateratmosphäre, Subtilität sucht man vergebens und jetzt ab in den Trailer:

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Es geht um die Grenzen des  Kapitalismus um die Liebe und natürlich eine böse Pflanze, hier gibt’s den Film, der Jack Nicholson in Hollywood einquartierte in voller Länge:

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Roger Corman ist außerdem für seine Edgar Allan Poe Adaptionen u.a. Das Pendel des Todes (1961), Lebendig begraben (1962) und natürlich Der Rabe (1962) bekannt. Ich nutze die Gelegenheit schamlos aus, um euch eines meiner Lieblingswerke von Poe zu kredenzen. Ausnahmsweise gefällt der deutsche Titel besser – Der Massenmensch (The man of the Crowd), lecker und immer aktuell. [rating=5]

Romantisch geht es weiter.

Wer einen Hang zum Abseitigen hat, wird sich hier ein halbseitiges Grinsen schwer verkneifen können: Les Yeux sans Visage (1960) von Georges Franju. Jüngst in Cannes wiederaufgeführt, besticht dieses Horrordrama nicht nur durch großartig komponierte Filmmusik und chirurgische Raffinesse, sondern auch mit einem äußerst realitätsnahen Plot:

Christiane, die Tochter des respektablen Stadtarztes Dr. Génessier (Pierre Brasseur) ist verschwunden und gleichzeitig wird eine Mächenleiche gefunden. Ist es Christiane? Bei der Obduktion identifiziert der Vater seine geliebte Tochter, doch auf der Beerdigung scheint er ziemlich unbeteiligt. Pure Strategie, denn er ist durchaus vom Tod des Mädchens betroffen und genau hier heißt es zurücklehnen und genießen:

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Schließlich hat Dr. Genéssier Schuld am Autounfall, der Christiane (Edith Scob) zwar nicht das Leben, aber das hübsche Gesicht kostete. Einzig ihre Augen sind heil geblieben und die spähen trist durch eine wachsartige Maske. Und weil Schönheit und Glück auch in den 60ern äquivalent gesetzt werden, braucht die Tochter eben nur eine neue Visage, um der potenziellen Geisterbahnkarriere zu entgehen und die Glücksleiter hochzuklettern.

Während sie also auf dem abgelegenen Anwesen ihrer verlorenen Gesichtsästhetik bäuchlings nachtrauert, kümmert sich der Doktor um seine organische Schuldigkeit. Erfüllungsgehilfin Louise (Alida Valli) sorgt halbwegs kaltblütig für Opfernachschub und somit auch für einige großartige Operationszenen.

Dafür müssen konsequent andere Frauenköpfe herhalten. Natürlich wird die Hauttransplantation vorher an den hauseigenen Hunden erprobt, sodass die Bezeichnung Mischling einen grotesken Beigeschmack bekommt. Wie war das doch gleich mit dem Bellen und dem Beißen?

Fazit: Hitchcock trifft auf Nip-Tuck, großartig und enorm organisch! [rating=5]

Inglourious Basterds

Nach der ewigen Peep-Show, werden sie nun endlich losgelassen und das mit voller Wucht und erbarmungslos: Die Inglourious Basterds,  sorgen seit dem 20. August für explosiven Tarantinogenuss, hier wurde vorab berichtet.

Bevor wir starten, solltet ihr euch von folgendem, grotesken Werk namens Fucking Hell (2008) der Künstler Jake & Dinos Chapman einnehmen lassen. Sorgt für einen ordentlichen Kloß im Halsbereich, passt aber wunderbar hier hinein, wie ich finde:

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Keine Sorge, in Tarantinos 153-minütigem Film geht es um Einiges humoriger zu, wir blicken (vielleicht etwas verstört) in den Trailer:

Es war ein mal im von Nazis besetzten Frankreich- ein Anfang, der die Dimensionen realer Geschichte zugunsten Tarantinos Kopfkino sprengt. Gutgeölte PR-Kanonen sorgten bereits dafür, dass wir Film, Handlung und Schauspieler mitlerweile so gut zu kennen glauben, wie die Gassizeiten von Nachbars Hasso. Und weil auch schon massenhaft Rezensionen umherschwirren, steht hier eine ziemlich vernichtende aus der Freitag und dort eine eher lobende von Schnitt für euch bereit.

Zum Plot: Im von Nazis besetzten französischen Kuhland werden Juden gejagdt. Prominenter Judenjäger Col. Hans Landa (Christoph Waltz) ist Experte und findet nach 20-minütiger Inquisition eines französischen Milchbauern die von diesem versteckte, jüdische Familie. Nach einem Gemetzel kann nur die junge Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) fliehen. Sie wird im späteren Verlauf des Films noch eine wichtige Rolle spielen. Indessen vergehen Jahre. Irgendwo in England treffen wir auf die Basterds, die jüdisch-amerikanischen Nazijäger, die u.a. von Til Schweiger aka Hugo Stieglitz unterstützt werden. Allen voran Aldo Raine (Brad Pitt), Hillbilly mit Schnauzer und mächtiger Tennesseemundart, dessen Ziel es ist, von jedem seiner Männer 100 Naziskalps serviert zu bekommen. Später sehen wir sie sammeln. In Paris verguckt sich derweil Kriegsheld und Nachwuchsfilmstar der Nazi-Propagandamaschinerie, Frederick Zoller (Daniel Brühl), in die unnahbare Kinobesitzerin Emmanuelle Mimieux (eigentlich Shosanna).

Zoller beschließt, die Premiere seines Erfolgsfilms Stolz der Nation in ihrem Kino zu feiern. Das passt der nach Rache gierenden Shosanna gerade Recht: Auf der Premiere will sie ihre hochexplosiven Filmrollen anzünden, um somit das Kino samt Nazi-Insassen abzufackeln. Hier der Trailer zum Kurzfilm:

Regie führten Gabriel und Eli Roth, Regisseur von Hostel und der Bear Jew unter den Basterds.

Gleichzeitig beschließen die Basterds mit Unterstützung der deutschen UFA-Diva und Widerständlerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger, fad wie ausgekauter Hubba Bubba), ebenfalls während der Kinopremiere zuzuschlagen.

Gerade aufgrund der linearen Strukturen, die uns unweigerlich zum ultimativen und großangelegten Showdown führen, gibt es keine bahnbrechenden Überraschungen oder raffinierte Wendungen. Die Raffinesse steckt vielmehr in den genüsslich durchdachten Szenen und Dialogen, die sich durch fünf Kapitel, 16 Szenen und vier Sprachen winden und dringend in Originalfassung erlebt werden sollten. Während man dem anfangs eher flach wirkenden Brad Pitt noch eine Chance für ein paar köstliche Momente einräumen sollte, kann man bei der äußerst unglamourösen und akustisch anstrengenden Diane Kruger davon absehen. Neben Christoph Waltz, hat Tarantino auch aus August Diehl, der als gnadenlos hellhöriger Gestapo- Major beeindruckt, viel verborgene Leistung herausgeschliffen.  Dass man sich aber früher oder später von favorisierten Charakteren verabschieden muss, sollte klar sein. Die Lust, seine Figuren einfach so -PLOPP, WUMMMS und RATTATTAT sterben zu sehen, merkt man Tarantino unweigerlich an. Genauso auffällig ist auch seine Liebe zum Kino, die er penetrant mit zahlreichen Zitaten und Querverweisen exhibitioniert. Sollte man das Leinwandgemetztel dennoch aussitzen?

Hier kommen einige Gründe, die dafür sprechen:

  • Brad Pitt  mit breitem Tennessee-Hillbilly Dialekt
  • Brad Pitt  (mit breitem Tennessee-Hillbilly Dialekt), beim fremdschämenswerten Versuch, unter versammeltem Nazireigen als italienischer Filmstar durchzugehen
  • Christoph Waltz beim Verzehr einer ordentlichen Portion Apfelstrudel
  • Mike Myers Frisur
  • Brad Pitts Finger in Diane Krugers Bein

Fazit: Ein Augenschmaus für wiedererkennungswütige Cineasten. Für alle anderen ist Inglourious Basterds sicher nicht Tarantinos bestes Werk, aber dennoch sehenswert und episodenhaft extrem amüsant. Ohne den großartigen Christoph Waltz aber, wäre der Film sicherlich weniger sardonisch und somit auch weniger fabulös: Er ist das Sahnehäubchen, das dem Filmstrudel die nötige Portion wuchtiger Energie aufsetzt.

Filmkunstwochen

Unglaublich, wie die Atmosphäre flimmert! Wohin der Augapfel späht, sprießt und gedeiht die Frucht des Kinobaums. Hier gibts Naschanweisung für die Erntezeit!

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Wir steigen groß ein: Wer sich ärgert, dass er bei einigen Filmköstlichkeiten nicht mitreden kann, darf sich auf die Filmkunstwochen freuen, die vom 29. Juli bis zum 26. August mit 84 Filmen und 200 Vorstellungen in 7 Münchner Kinos Wurzeln schlagen. Genuss für alle Cinephilen: The Pervert’s Guide to Cinema (2006).

Cinema is the ultimate pervert art: It doesn’t give you what you desire, it tells you how to desire.

Der Psychologe und Philosoph Slavoj Zizek scheint als Kind in den Kinotopf gefallen zu sein und demonstriert uns unter der Regie von Sophie Fiennes das Kino als Sehnsuchtsmaschinerie:

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Auf dem Programm stehen Arthausperlen, thematische Reihen und einige abseitige Neustarts, wie Almodovars neuster Wurf Zerissene Umarmungen/Los abrazos rotos (2008) am 3. 8. im Atelier, Vorgeschmack kommt hier, Penélope Cruz, wie immer hinreißend:

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Ebenfalls im Atelier: Eine Wohltat für alle, die gut und gern ihrer Originalpedanterie fröhnen, Die besten Originale, z. B. jeweils ab 21 Uhr:

  • 1.8. Into the Wild (Sean Penn)
  • 14.8.There will be Blood (P.T. Anderson)
  • 16.8. Le Mepris (Jean-Luc Godard)
  • 18.8.Amores Perros (A.G. Iñárritu)
  • 26.8.Milk (Gus Van Sant)

Unter die Wunschfilme, die in allen sieben Kinos zu sehen sein werden, hat’s auch Brügge sehen…und sterben? geschafft, den ihr hier vorkosten könnt.

Ihr wisst, seit einiger Zeit geht der Langzahnwahn um: Mit Twilight scheint Stephenie Meyer bei Teens und dem rührseeligen Rest voll ins Schmachtnäpfchen getroffen zu haben, aber das sollte ein -und ausgefleischte Vampirfilmlinge nicht von folgendem Schmecktakel abhalten:

Am 2.08.  startet die Vamprifilmreihe im Monopol mit der Horrorsatire Shadow of the Vampire (2000), einer Hommage des Regisseurs Elias E. Merhige an Friedrich Wilhelm Murnaus Kultuntoten Nosferatu, um 20 Uhr. Mit dabei ist Prof. Dr. Begemann von der LMU-München, der zum Vampirismus in Literatur und Film forscht. Außerdem in dieser Reihe und einer meiner Favoriten: Der Tanz der Vampire von Roman Polanski (1967). Das schwedische Twilight-Pendant stellt Tomas Alfredson mit seinem Coming of Age-Film So finster die Nacht (2008). Um den Gruselfaktor zu erhöhen, hier der Trailer im Original:

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Sehens- und vor allem hörenswert: Berlin Calling (Hannes Stöhr 2008). Wenn der Gute nach München kommt, folgen wir seinem Ruf und drängen uns ins Clubgetümmel. Paul ist klasse und am 14. 08. im Monopol (2D, versteht sich).

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Wer schon immer Shazaam! auf Leinwandformat bewundern wollte, bekommt im Rahmen der Schnüfflerfilmreihe die ultimative Gelegenheit dazu:

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Shaft (Gordon Parks, 1971) am 11. 08 und gleich darauf die filmische Anthithese mit The Big Lebowski (Joeal u. Ethan Coen, 1998) am 12.08, beide im Neuen Arena.YouTube Preview Image

Das waren nur einige besonders reife Filmfrüchte, es geht weiter mit Frischgepflücktem, wir spähen Richtung HFF. Die präsentiert nämlich vom 27. bis zum 31. Juli mehr als 50 ihrer neuesten Werke im Rahmen der 5. Filmschau. Eintritt ist frei, Filmemacher vor Ort und hier geht’s zum Programm.Veranstaltungsort ist die HFF:

Hochschule für Fernsehen und Film München,
Frankenthalerstr. 23, U/S-Bahn Haltestelle „S-Bahnhof Giesing“

Für Pragmatiker: Am Freitag, 31. 07., kann man ab 20 Uhr Der rote Punkt von HFF- Absolventin Marie Miyayama anschauen, gleich da bleiben, um ab 22.30 Uhr  die Preisverleihung mit anschließender Party mitzunehmen. Ab in den Trailer:

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Mund zu, Augen auf und bon amusement!

Das weiße Band

Ab geht’s mit neuem Filmstoff frisch aus der Filmfestpresse!

Wenn die Kinder des Priesters Unfug und Unzucht trieben, bekamen sie früher von ihrer Frau Mama ein weißes Band umgebunden, es sollte sie an Demut, Unschuld und Integrität erinnern und ihnen gewisse moralische Werte vermitteln. Dass solch autoritäre Erziehungsmethoden gerne fehlschlagen, sieht man nicht nur hervorblitzen, als eines jener Kinder den niedlichen Kanarienvogel des Herrn Papa mit einer Bastelschere einen tödlichen Hieb verpasst und zur Ansicht sorgsam auf den Schreibtisch des Vaters platziert. 

Michael Haneke führt uns in seinem in Cannes mit der goldenen Palme beehrten Gesellschaftskonstrukt Das weiße Band- Eine deutsche Kindergeschichte in die Abgründe einer protestantischen Dorfgemeinschaft im idyllischen Vorkriegsdeutschland. Dort erwarten den Zuschauer 144 Minuten düstere Filmkunst vom Feinsten. Linear und doch vielschichtig erzählt der Dorflehrer (Christian Friedel) wie alles anfing, doch vorher werfen wir einen verstohlenen Blick in den Trailer:

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Der Dorfarzt (Rainer Bock) hat einen Reitunfall, kein Zufall, sondern bitterböse Intention. Sein Pferd stolpert mit ihm über ein gutverstecktes Drahtseil auf hauseigenem Grundstück. Wer begeht solche Taten? Zwei Kinder des Dorfpriesters (Burghart Klaußner) laufen jedenfalls nach dem Vorfall weißbändig umher. Eine Frau stirbt bei einem Arbeitsunfall, der Baron (Ulrich Tukur) wird dafür verantwortlich gemacht. Sein engelsgleicher Sohn wird eines Tages bäuchlings, striemenbedeckt und völlig verstört aufgefunden. Auch Karli, den behinderten Sohn der Hebamme, findet man mit zerkratzten Augen im Wald wieder.

Rohe Gewalt wird angedeutet, ihr Ergebnis flüchtig präsentiert, die Ursachen scheinen mehrfach ungesättigt, die Atmosphäre ist vergiftet. Hinter der Kamera sorgt Christian Berger für präzise, einprägsame Mise en Scène, das Monochrome entfaltet bergmaneske Wirkung und besprießt die idyllische Dorflandschaft mit einer bemerkenswerten Beklommenheit. Ein ästhetischer Genuss! Hier ein eher harmloser Ausschnitt:

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Die Ausgeburt dieser feudalgeprägten Gesellschaft ist nur Spiegel ihrer selbst. Deutlich wird die strukturelle Perversion besonders in der Person des Dorfarztes, für den man eben noch voreiliges Mitleid zusammenkratzen wollte, als er vom Pferde fiel. Eben jenen erlebt man später im wohl erbarmungslosesten Dialog des Films, einem Gespräch mit der Hebamme (Susanne Lothar), seiner ausgedienten Langzeitgeliebten, hier eine unvollständige Rekonstruktion:

Arzt: Du bist nicht nur alt, hässlich und ausgeleiert, sondern stinkst auch noch aus dem Mund. Hast du denn gar kein Ehrgefühl?

Hebamme: Neben dir kann man sich sowas gar nicht leisten. Ich habe zwei behinderte Kinder, du bist das Schwierigere von beiden.

Arzt: Warum stirbst du nicht einfach?

Wesentlich fruchtbarer gedeiht indes die Beziehung des Droflehrers zu seiner scheuen Verlobten Eva (Leonie Benesch, großartig), hier ein Ausschnitt aus zeitgenössischem Datingverhalten:

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Überhaupt, scheint der Lehrer als Einziger auf der karg bevölkerten, moralisch gefestigten Seite zu leben. Das als Drama eingestufte Werk, lässt sich meiner Meinung nach eher einem subtilen Horrorgenre zuordnen. Trotz der Darstellung faschistoider Handlungen, versucht Haneke keinen zwangsläufigen Bezug zu Deutschland und dessen Weg in den ersten und zweiten Weltkrieg herzustellen. Vielmehr soll das Konstrukt ortsungebundene, gesellschaftliche Abgründe aufzeigen.

Zwar wirken die Dialoge durch die zeitliche Verortung teilweise streng und unnatürlich, zudem mangelt es einigen Laiendarstellern an schauspielerischer Überzeugungskraft, jedoch entrückt das nicht die abgründige Faszination des einnehmend-unangenehmen Lichtspiels. Wer den Verstörungsfaktor möglichst gering halten will, sollte diesen Film bei schönem Wetter und tagsüber anschauen. Ab 15. Oktober im Kino. [rating=5]

Coffee and Cigarettes

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Heute im Visier: Ein Regisseur, der unser Verlangen nach Koffeein/Nikotin mit seinem Kultfilm Coffee and Cigarettes (2003) subtil und nonchalant verbildlichte.

Jim Jarmuschs kontemporäres Stilleben aus schachbrettbemustertem Tisch, Zigarettenschachteln und gefüllten Kaffeetassen aus der Vogelperspektive, lässt mit Sicherheit einige Areale eurer Hirnrinde farbig aufleuchten. Der Film setzt sich aus mehreren Kurzfilmen zusammen, Drehbeginn war Mitte der 80er (kein Hauch von Rauchverbot) und zog sich bis in die nuller Jahre.

Die Variablen:  Sich mit koffeinhaltiger Brühe zuschüttende und nach Nikotin schnappende Kommunikanten. Dialog steht im Vordergrund und wird mit mürbem Humor, knarzigen Pointen und exzentrischen Typen angereichert: Von Roberto Begnigi über Iggy Pop und Tom Waits, bis hin zu Cate Blanchett, Renée French, Meg und Jack White.

Zwei der mysteriösen Charaktere seines neuen Auswurfs The Limits Of Control, Isaach de Bankolé und Bill Murray gehören ebenfalls zum Inventar. Erschlagen von den vielen Namen?

Hier ein kleiner Stimulant: Weiter mit Nachschlag, diese Episode ist absolut selbsterklärend:

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Inhaltlich geht’s neben den belebenden Lastern um das Leben, Popularität und Beziehungen. Viel wichtiger ist hier die Frage: Gibt es einen bösen Zwilling? Wenn ja, welcher?

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Klar, ist sich Jarmusch seiner Vorbildfunktion bewusst, na jedenfalls formal.  Dass der Titel programmatisch verteufelt wird versteht sich, zugeprostet wird immerhin analkoholisch.

Folgende Episode kann als skurriler Aufklärungsbeitrag gesehen werden und wem von euch brennt beim Anblick von Bill Murray nicht eine ganz bestimmte Refernz im Gaumenraum? Richtig:YouTube Preview Image

Um die Synthese aus Musik und Medizin geht es auch bei Iggy Pop und Tom Waits:YouTube Preview Image

Lust bekommen, Lunge und Blutkreislauf mit Schadstoffen zu belasten? Wenn die filmische Inszenierung genügt, Restegucken auf youtube![rating=4]

No guns, no mobiles, no sex

Ein Mann, zwei Tassen Espresso und eine tauschträchtige Streichholzschachtel: The Limits of Control (Jim Jarmusch, 2009) beflimmert seit heute die Leinwände.

Soviel vorab:  In diesem Film werden ca 5 Papierzettelchen verspeist, viele Tassen Espresso von einem Kerl halb ausgetrunken, einer unwiderstehlich nackten Paz de la Huerta wird widerstanden, einer mysteriös weißperrückten Tilda Swington nachsinniert, einem schmucke bebarteten Gael Garcia Bernal hinterhergeschmachtet und am Ende stirbt Bill Murray.

Zwischendurch wechseln einige Diamanten den Besitzer, Städte und Provinzen Andalusiens dienen als stimmige Kulisse, ohne pittoreske Sightseeing Atmosphäre zu vermitteln. Es geht um Details, um die Ästhetik des Minimalismus. Hier geht’s zum Trailer:

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Im ansonsten eher dialogarmen, aber charmanten Streifen, häufen sich stereotype Abläufe, deren Ziel darin besteht, den mystischen Auftragsmörder (Isaach de Bankole) zu seinem Opfer zu bringen. Weise Kontakter mit chiffrierten Notitzen ebnen seinen Weg. Und der wortkarge Einzelgänger lässt sich von den verschiedenen Charakteren jeweils kleine Fetzen philosophischer Reflexion mitgegeben. Beeindruckend ist die außerordentliche Passivität, die den Protagonisten umgibt: Es scheint, als füge er sich ausnahmslos in seine Kette von Aufträgen. Letztendlich erfährt man weder Grund, noch Motivation seiner Tat. Unbefriedigend insofern, als dass man das Gefühl hat, es müsste noch etwas mehr dahinter stecken, als der letzendliche, allesumgebende Tod.

Zwar wird von jeder zweiten Kontaktperson betont, dass das Leben nichts wert sei und letztlich nur ein Haufen Erde davon übrigbliebe, doch Staubflocken sucht man vergebens. Es bleibt ein Rätsel ohne Lösung, ein Gedankenspiel, bei dem die Spieler nach eigenen Regeln zu spielen scheinen, miteinander, gegeneinander oder nebeneinander. Ein festes Drehbuch gab es jedenfalls nicht und vielleicht liegt hier ja der Schlüssel zum Filmtitel. Genussvoll für Ästheten: Christopher Doyle hinter der Kamera, Paz de la Huerta davor und in einem Hauch von Plastik. Aber nichts für Ungeduldige, denn streckenweise merkt man dem Film seine knappen zwei Stunden durchaus an. Zwei Tassen Espresso kämen da nicht ungelegen…