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don't panic, it's organic!

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Die personifizierte Grenzerfahrung- Marina Abramović im MoMA

Mund zu und Augen auf für Perfomance-Künstlerin Marina Abramović, die jüngst im New Yorker MoMA einige von 1565 kunsthungrigen Augenpaaren zu Tränen rührte.

Marina Abramovic-The Artist is Present

Foto: © 2010 Marco Anelli via MoMA

Im Rahmen ihrer Retrospektive vom 14. März bis zum 31. Mai, konnte man Marina Abramović gegenübersitzen und sich von ihrer Wirkung beeinflussen lassen. Insgesamt 736 Stunden und 30 Minuten lang war die polarisierende Künstlerin präsent.

Bei art-magazin findet ihr einen Überblick über die obskuren, dramatischen und bescheuerten Vorfälle, die sich während der Auststellung mit dem programmatischen Titel The Artist is Present ereigneten. Hier gibt’s ein Interview und da mehr zu Hintergrund und vergangenen Performances.

Neugierig? Dann ab in den Webcam-Zusammenschnitt:

via

Wer Lust hat, kann sich hier durch die Masse der Besuchervisagen wühlen oder auf Marina Abramovic Made Me Cry eine Auswahl verweinter Gesichter begutachten.

Howard Silver hat vor The Artist is Present mit Marina Abramović über ihr Œvre gesprochen. Entstanden ist eine Webdoku, die man hier sehen kann.

Warum Kunst kein Geschlecht hat, was körperliche Grenzerfahrungen bedeuten und noch viel mehr erfahrt ihr außerdem in folgendem aspekte-Interview:

YouTube Preview Image

via

Und zum Schluss :

In vielen feministischen Ausstellungen verstecken sich schlechte Künstlerinnen hinter drei guten Namen. Viele Frauen sind nicht bereit, für die Kunst Opfer zu bringen. Sie opfern mehr dafür, Kinder zu haben. Man verfügt nun mal nicht über genug Energie, um alles zu vereinen. [...] Ganz unter uns: Mir gehen Kinder auf die Nerven.

Interview mit art-magazin

Und weil sie außerdem absolut gegen Drogen ist, hab ich mal den bloginternen Algorythmus angeschmissen, um Marina Abramovićs Erzfeind ausfindig zu machen. Das Ergebnis:


Ardi Rizal

via recentissuetoday.com

STROKE.02- Impressionen

Achtung, es wird wieder urban und artsy in München- Stroke.02 geht in die nächste Runde, also Mund zu und Augen auf!

Live-Painting_herakut@Stroke.02

herakut via flickr

Vom 27. bis zum 30. Mai bespielen mehr als 55 internationale Künstler mit über 1 000 Werken das Gelände der Ex-Landeszentralbank am Tucherpark. Von Filmvorführung, Live- Painting und Graffiti, über analoge Fotografie und Tortenmalerei bis hin zu gestrikten Geschlechtsteilen, aufgespießtem Geflügel und LEGO – die Berliner Veranstalter Marco und Raiko Schwalbe (INTOXICATED DEMONS) haben das alte Bankgebäude zusammen mit dem Münchner Team From Hell zu einer bunten Kunst-und Partyanlage gepimpt.

Ich hab mich durch den 10.000 qm- Dschungel der Urban Art gekämpft und ein paar Impressionen mitgenommen.

Wir fangen sozialkritisch an und werfen einen Blick auf die ATM Gallery:

Emess, ATM Galery

Emess, ATM Gallery 2010 via flickr

Ziel der ATM Gallery ist es, ihre Künstler aus der Peripherie des Außenraums ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. Die Eingliederung ins Ausstellungssystem ist für einige Urban Artists eine Grenze, die sie nicht überschreiten wollen. Andererseits können Botschaften, die im öffentlichen Raum sonst undekodiert blieben, durch räumliche Verortung fruchtbar gemacht werden.

Wie auf der Stroke.01, kommt man beim Stichwort “Gesellschaftskritik” an der Münchner Street-Art-Größe Skore 183 nicht vorbei- will man ja auch nicht:

Skore 183, Wallstreet Suite, 2010

Skore 183, “Wallstreet Suite” 2010 via flickr

Nachschlag kann man sich in ganz München und bis zum 10. Juni in der Galerie artThiess holen. Ebenso beeindruckend sind die Materialarbeiten von Torsten Mühlbach, zusammengetackert aus internationalen Mülltüten:

Torsten Mühlbach, Superdeath, Materialbild, Internationale Mülltüten, 2009

Torsten Mühlbach”Superdeath”2009 via flickr

Was dem Kind sein Spinat ist dem urbanen Künstler seine Stroke. Sie soll den vermeintlich marktfernen Ausfluss der Subkultur fit für den großen Kunstmarkt machen. Und wie Spinat, polarisiert auch die Stroke. Einige genießen die Plattform zur lukrativen Selbstdarstellung, andere ziehen eher widerwillig mit und murren gegen die kommerzielle Polung der Messe. Trotzdem: Wenn zu Feierabend ein paar Werke verkauft sind, freut sich jeder. In einem Bild:

Die Straße ist auch morgen noch meine Galerie, ATM Galery

via flickr

oder auch ganz pragmatisch:

Shirts 20 €

via flickr

Die Hot Cheese Crew gibt allen Fernsehkindern und Zöglingen der Masters of the Universe ein zeitgenössisches Stilleben:


Hot Cheese Crew


via flickr

Faszinierend sind die Arbeiten der Künstler Maximilian Geuter und Rafael Gerlach, vertreten von firstlines. Sie haben der Natur organische Fremdkörper eingesetzt- wie harmonisch das wirkt, seht ihr hier:

GerlachGeuter Waldinszenierungen

GerlachGeuter

GerlachGeuter 01, 2010

GerlachGeuter aus der Serie “Waldinszenierungen”, 2010 via flickr

Sex schreit nach wie vor aus vielen Ecken, vielleicht nicht ganz so schrill wie sonst: Während einige Künstler immer noch Gefallen an orgiastischen Motiven mit viel prallem Fleisch finden, schieben die wenigen Künstlerinnen oft Geschlechterdifferenzen in den Bildmittelpunkt.

Ebenfalls organisch und fleischlustig zerrt Ben Wittner von xhoch4 mit seinem City Chicken an den Grenzen der Tierliebe. “Kunst zur Verbesserung der Menschheit” kann so aussehen:

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken 2010 via flickr

Seit der Stroke.01 im Oktober 2009 hat sich einiges geändert. Alles ist größer, der Mietpreis pro Ausstellungsquadratmeter um ein Vielfaches teurer geworden und Sicherheitsleute stehen an jeder Ecke. Das trieft vor Ironie, wenn man bedenkt, dass viele Urban Artists nur zögerlich aus dem Schatten der Illegalität hervortreten und ihre Pseudonyme fallen lassen.

Passend geht es weiter mit den sympathischen Jungs der Galeria Autonomica aus Wetzlar und einem larmoyanten Zwinkern Richtung Kunstmarkt:

Christian Minke, Safety First, 2009

Christian Minke, Safety First, 2009 via flickr

Galeria Autonomica

Galeria Autonomica, via flickr

Wenn Lebensmittelfarbe und Dekadenz sich vereinen, sieht das ein wenig nach Chemielabor aus. Das neue Café Kubitscheck hat sich mit dem wohlklingenden Motto “Fuck the Backmischung” per Online-Aufruf einen Tortendesigner gesucht- und natürlich gefunden. Das Ergebnis? Bitteschön:

A Torten T by Café Kubitscheck

A Torten T by Café Kubitscheck

via flickr

An Stroke.01 konnte man sich schon wund sehen. Das aktuelle Areal ist um einige Stockwerke und Nebenschauplätze größer, was sich dementsprechend auf  Zeitplanung und Bindehaut auswirkt. Zwar stehen sich Qualität und Quantität hier wenig im Weg, doch gelegentlich zwickt einen das Gefühl, Zeuge redundanter Reproduktionen zu sein. Weichgespülte Gesellschaftskritik, die sich dem Markt anbiedert, ist aber nicht nur ein Problem der Urban Art.


Mongomania

Stroke.02

Stroke.02

Stroke.02

LEGO PLAYGROUND

Wir schweifen kurz ab, weil ich beim Thema LEGO noch dringend Christoph Niemann erwähnen muss, der aus den beliebten Plastikklötzchen inspirierend minimalistische Gedankengerüste baut, nämlich hier.

Und über Brasilien geht’s zurück nach München, wo wir einen Blick auf die Arbeit von Graffitigröße Claudio Ethos werfen, der für die Stroke.02 eingeflogen wurde:

via stroke.02

Zum Schluss noch zwei Bonbons: Wie im letzten Jahr waren auch diesmal die Künstler vom Castle Magazine vor Ort, mehr dazu gibt’s hier.

Während alle anderen ins Internetz abwandern, schalten die Jungs und Mädels vom Fotomagazin Der Greif auf analog und feiern die ästhetische Vereinigung von Fotografie, Literatur und Design. Das Ganze klingt so regressiv und ist dabei so charmant, dass es schon wieder Zukunft haben könnte!

Der Greif

via Der Greif

Und wie geht es für die weltweit erste Messe für Urban Art weiter? Die Stroke.03 verlässt München und findet vom 7. – 10. Oktober 2010 in Berlin statt. In diesem Sinne:

Orgasm Fight Club

gesehen bei luis de dios

Wie anal darf es sein?

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf!




BarRectum


via nerdcore


Wie anal darf Kunst eigentlich sein? Das niederländische Künstlerkollektiv Atelier van Lieshout bewegt sich an der Bruchlinie zwischen Ästhetik und Nützlichkeit. Bis zum 2. Mai kann man die organischen Skulpuren der Künstler auf dem Außengelände des MUMOK in Wien begehen. Nebst der obigen BarRectum (2005), kann man sich dort auch in einen großzügig dimensionierten Damentorso namens
Bikinibar (2006) und Darwin (2008), ein dunkelblaues Spermium, hineinfühlen. Hier eine kleine Einführung:

BarRectum, Arsch Bar, Asshole Bar, Bar Anus. While the translations sound different, the form is universally recognizable. The bar takes its shape from the human digestive system: starting with the tongue, continuing to the stomach, moving through the small and the large intestines and exiting through the anus. While BarRectum is anatomically correct, the last part of the large intestine has been inflated to a humongous size to hold as many drinking customers at the bar as possible. The anus itself is part of a large door that doubles as an emergency exit.

via ateliervanlieshout.com


Also, wer die Kombination aus Alkohol und Anus anregend findet, weiß wohin er gehen muss! Zum Rahmenprogramm gehört außerdem
die Installation

„Anal Reactions 2.0.: Man vs. Woman“ von Jana Herwig a.k.a. digiom, BIKUM/quartier21:

YouTube Preview Image

Die Installation bewegt sich im Windschatten eines Internetphänomens: Ein
unaussprechlicher Trailer gerät in die Social Web-Zirkulation und taucht invisibilisiert
in Formvon Reaktionsvideos und somatischen Experimentalsituationen
wieder auf, in die Freundinnen ihre Freundinnen, Freunde ihre Freunde
versetzen und immer live mitfilmen.

via MUMOk


Zum Abschluss entzückt uns Devendra Banhart mit dem melodischen Baby aus den Tiefen von Analistan:

via jetzt.de

Maison Martin Margiela

Raus aus der Kammer und ab in die Galerie. Von Verni- über Midi- bis hin zur Finissage wird hier der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf:

Bis zum ersten Juni kann man im Haus der Kunst noch das Werk eines echten Exzentrikers visuell verspeisen. Existiert der mutmaßliche Belgier Martin Margiela überhaupt (noch), oder ist sein gesamtes Dasein ein congenialer Marketingstreich?

Diese Anonymität drängt die Mode und deren Herstellungsprozess in den Vordergrund. Auch seine Laufstegmodels werden mit balkenartigen Sonnenbrillen, oder Nylonmasken unkenntlich gemacht.


So kommt es auch, dass man nicht etwa den Designer persönlich hervorhebt, sondern das gesamte Modehaus mit seinen weißbekittelten Angestellten als ein Ganzes, Maison Martin Margiela, wahrzunehmen hat.


Fakt ist, dass in der Münchener Maximilianstraße 34 sein erster deutscher Laden zeitgleich zu Ausstellungsbeginn seine Pforten für die ergebene Anhängerschaft öffnet.

Auch hier zeigt Anonymität Präsens, denn die Boutiquen verstecken sich in den Kellergewölben oder Hinterhöfen von Paris, L.A., Tokyo und natürlich München. Die Kosten der erwerblichen Kleidungsstücke werden übrigens nach investierter Arbeitszeit berechnet.


Neben seinem ausgelassenen Faible für die Farbe Weiß, sind die Umkehrung vom Inneren eines Objekts nach Außen, sowie das Offenlegen von Nähten, Schnittstellen und Verarbeitungsmechanismen ebenfalls Markenzeichen der Maison Martin Margiela.


Auch die immanente Vergänglichkeit wird thematisiert und zieht sich durch seine Werke, passend hierzu folgender philosophischer Happen:

“Ich bin die Mode, deine Schwester” erklärt die Mode dem Tod. Der erwidert überrascht: “Meine Schwester?” Darauf die Mode: “Erinnerst du dich nicht? Wir sind beide Kinder der Vergänglichkeit.” (Giacomo Leopardi)

Seit 1988  entwirft der Designer Mode innerhalb ihres schnellebigen Charakters. Klingt Surreal? Soll es auch, schließlich gilt Man Ray als Vorbild für den exzentrischen Belgier.


Nicht gänzlich humorlos muss außerdem seine berüchtigte Ausstellung in Rotterdam 1997 gewesen sein, bei der Margiela in Kolaboration mit einem Mikrobiologen Bakterien in seine Kollektion injizieren ließ, die durch stetiges Wachstum leider nicht nur ihr eigenes Erscheinungsbild beeinflussten, sondern auch andere Exponate zu besiedeln drohten.

Das Projekt musste daher vorzeitig beendet werden.

In München geht’s zwar weniger organisch zu, ein Besuch lohnt sich aber dennoch unbedingt!


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