Kiezgeflüster Kunsthappen Schlaumacher

EMERGEANDSEE • media arts festival

Für alle, die nicht wissen, was sie am Wochenende mit sich anfangen sollen, kommt hier der nicht-ultimative (wir sind schließlich in Berlin) Geheimtipp, der vielleicht gar nicht mal so geheim ist:

EMERGEANDSEE

via emergeandsee.org/blog

Das EMERGEANDSEE media arts festival findet vom 3. bis zum 5. Juni 2011 in der alten Bötzow-Brauerei im Prenzlauer Berg statt. En détail, so lautet der diesjährige Geschmacksträger und Leitgedanke des mit internationalen Filmemachern, Künstlern und Nachwuchswissenschaftlern angereicherten Festivals. Dementsprechend detailorientiert fallen •die Kunstwerke, Kurzfilme, Performances und Lectures aus, die auf dem alten Brauereigelände zu sehen und hören sein werden. Das komplette Programm könnt ihr hier runterladen. Und jetzt werfen wir einen Blick in den Trailer:

vimeo direct emergeandsee

Losgetreten wird das Festival heute ab 19:30 klangvoll von Dorothy of the day mit Tape-Collagen von Preslav Literary School, einer nerdigen Schlagzeugkonstellation von Wellenfell und einer Performance von Mediated Bodysuit. Details gibt’s auf dem EMERGEANDSEE-Blog und unter http://emergeandsee.org.

 

Genderblender Trash

Lethal Weapons

In der neuen Sparte Filmlektion gibt es ab jetzt Nützliches aus der Welt des Zelluloids zu sehen. Natürlich ist alles 1:1 auf das analoge Leben übertragbar und wird von mir auch dringend empfohlen.
Kultregisseur Lindsay Shonteff zeigt uns mit Licensed to Love And Kill (1979) auch bekannt unter dem Titel No. 1 ist nicht zu schlagen oder The Man from S.E.X., dass die Verletzungsgefahr, die von ansonsten harmlosen weiblichen Attributen ausgeht, höher sein kann als man denkt. Bevor es zum Knackpunkt dieser Filmlektion kommt, werfen wir einen schnellen Blick in den Trailer:

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via

Alles was frau braucht sind ein paar Rasierklingen, handelsübliche Nippelaufsätze und natürlich ordentliche Brustmuskeln. Was würde Catharine MacKinnon wohl zu dieser schneidigen Kampfszene sagen?


via blogrebellen

 

Kunsthappen Umami Webgestöber

Organisches zum Muttertag

Muttertag ist bald da und Ihr habt noch kein Geschenk? Dann Mund zu und Augen auf! Lily Vanilli versorgt jeden, der auf kitschige Kirschtorten und rosa Fluffizeug verzichten kann, mit diesem extrem herzlichen Leckerbissen à la organique:

 

Lily Vanilly via WE like THAT

Auch lecker: 20 % der Einnahmen gehen an einen guten Zweck. Mehr davon gibt’s auf dem Blog von Lily Vanilly.

Filmfreak Kiezgeflüster Kunsthappen

Das Meer- Eine Ausstellung des Masterstudiengangs „Europäische Medienwissenschaft”

Alle, die schon länger einen Ausflug nach Potsdam geplant, aber bisher keinen triftigen Grund dafür gefunden haben, bekommen nun einen:

 

Masterstudenten des ersten Semesters EMW zeigen in einer zweitägigen Werkschau ihre Projekte rund um das Meer.

Vernissage: Mittwoch, 27. April, 18 Uhr

Weiter: Donnerstag, 28. April 11 bis 18 Uhr sowie Freitag, 29. April 11 bis 14 Uhr

Ort: Galerie der Fachhochschule Potsdam, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

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Sarah Palin hat so wunderschöne Augen

Steve Buscemis Augen sind etwas ganz Besonderes. Dieses tumblr-Blog beschäftigt sich mit der Aufwertung weiblicher Stars durch Steve Buscemis organische Schmuckstücke:

Chicks with Steve Buscemi’s eyes gesehen bei nerdcore via Dangerous Minds

Mehr davon gibt es hier.

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Loops von Blu

Blu hat getestet. Das knackige Ergebnis seht ihr hier:

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via ilovegraffiti

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Kiezknipser (2)

“Alles Urdenken geschieht in Bildern: darum ist die Phantasie ein so nothwendiges Werkzeug desselben, und werden phantasielose Köpfe nie etwas Großes leisten, – es sei denn in der Mathematik.” – (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)

Wir vernachlässigen die Mathematik und widmen uns dafür ein paar phantasievollen Bildern aus dem Kiez:

 

Und wie beim letzten Kiezknipser werfen wir auch jetzt – und trotz der aktuellen Hetze gegen den Kreuzberger Kieztourismus – einen intensiveren Blick auf lokale Schlaglichter. Der Schöne Laden in der Wiener Straße 15 ist durchaus das Risiko wert, einem alteingesessenen Wutbürger zu begegnen:

Warum es genau dieser Laden sein soll, seht ihr hier:

Natürlich gibt es das für alle schnippellustigen Nicht-Berliner auch online auf Amazon.

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Trimm Dich!

Mit der denkwürdigen Parole “Keep Your Most Precious Posession In Trim!” sagt Amazon unkoordiniertem Wildwuchs südlich des männlichen Bauchnabels den Kampf an. Wir machen Platz für das “Gentelman’s Willy Grooming & Care Kit” aka “Rute Pflegeset” :

 

Rute Pflegeset / Gentlemens WILLY GROOMING & CARE via Dangerous Minds gesehen bei Nerdcore

Und die eindeutig beste Review dazu verfasste “Master Oliver C. Doubleday” aka “Tico”:

I used to be ashamed of my willy. People used to point and yell ‘What an unkept willy!’ I was bullied at school. But then I bought the Gentleman’s Willy Care Kit, and now, instead, people yell ‘What a fantastic willy!’ and all my friends think I’m really cool.

Auch nicht schlecht: Gentelman’s Ball Scratcher

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Sara Naim- Beethoven und Lactose

Habt ihr euch schonmal gefragt, wie Beethovens Mondscheinsonate mit Milch visualisiert werden könnte? Die syrisch-britische Künstlerin Sara Naim hat das mal für uns erledigt. Und so sieht es aus:

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim, Beethoven- Moonlight Sonata

Sara Naim gesehen bei Beautiful/ Decay

Mehr Synästhesie mit Milch gibt es hier und wer Infos zur Künstlerin will, findet diese unter sara-naim.com oder wirft einen Blick auf ihr Tumblr-Baby mit dem entzückenden Titel  fifteen fucking fotos for every filthy friday.

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Aargh– Kurzfilm von Philip Hillers

Es ist mal wieder Zeit für einen knackigen Kurzfilm. Und weil hier in der Region rund um Berlin und Potsdam die filmische Ernte über’s gesamte Jahr hinweg üppig ist, muss man nicht lange suchen.

Ein besonders schmackhaftes Filmhäppchen kredenzt uns HFF-Absolvent Philip Hiller mit Aargh (2010).


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Der Regisseur zeigt uns den ersten Arbeitstag von Aargh, einem ehemals erfolgreichen Schauspieler, der nach einem semi-tragischen Vorfall die gefeierte Schauspielkarriere aufgeben muss und sich nun im Berliner Zoo als Tierpfleger versucht. Was genau passiert ist und warum Aargh mit einigen Anlaufschwierigkeiten konfrontiert wird, erfährt man mit einem Klick in den Trailer!

vimeo direktaargh gesehen bei nerdcore

Wer jetzt Appetit auf den ganzen Film bekommen hat, kann sich Aargh in voller Länge schmecken lassen, nämlich hier.

Filmfreak Kunsthappen

Reynold Reynolds-Secret Life & Secret Machine

Reynold Reynolds Secret Life, 2008 2-Kanal-Video von 16mm und Stills / Sound 5 Min. Loop

via www.reynold-reynolds.com

Den spanischen Videokünstler Reynold Reynolds konnte man sich jüngst auf der transmediale.11 visuell einverleiben. Seine zwei organischen Zweikanalprojektionen Secret Life (2008) und Secret Machine (2009) beschäftigen sich mit den von außen aufgezwungenen oder freiwillig eingegangenen Grenzen menschlicher Existenz. Gleichzeitig spielen sie mit der gegenseitigen Befruchtung von Kunst und Wissenschaft, was in Secret Machine auch durchaus verstörend plastische Züge annehmen kann.

Reynold Reynolds
Secret Life, 2008
2-Kanal-Video von 16mm und Stills / Sound
5 Min. Loop

vimeo direkt life

Reynold Reynolds
Secret Machine, 2008
3-kanal-Video von 16mm und Stills / Sound
7 Min. Loop

vimeo direkt machine 

 

Eine Review zur Reynolds Beitrag auf der transmediale.11 findet Ihr hier. Und wer mehr über Reynold Reynolds erfahren will, kann sich unter www.reynold-reynolds.com austoben.

Kiezgeflüster Kunsthappen

Kiezknipser (1)

“Darum wird auch der von Leidenschaften oder Not und Sorge Gequälte durch einen einzigen freien Blick in die Natur so plötzlich erquickt, erheitert und aufgerichtet: Der Sturm der Leidenschaften, der Drang des Wunsches und der Furcht und alle Qual des Wollens sind dann sogleich auf eine wundervolle Art beschwichtigt.”

Arthur Schopenhauer, Hauptwerke Band I – Die Welt als Wille und Vorstellung

Da hat er Recht. Also Mund zu und Augen auf für Impressionen aus dem Kreuzköllner Kiez:

Und wenn man so durchs leicht gentrifizierte Neukölln schlendert, kann man einen Schwenk in die Boutique JR Sewing von Jana Reich, Nina Leonhard und Martin May machen, da gibt’s den legendären BIG BUSCHKOWSKY. Als namesgebende Muse diente der Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky, der durch inspirierende Worte wie “Wo Neukölln ist, ist vorn- und sollten wir mal hinten sein, ist eben hinten vorn!”, diesen Accesoires sein Gesicht lieh:

JR Sewing

via flickr

Wer sich nicht traut, kann auch bei DaWanda online reinschnuppern.

Filmfreak

Berlinale Wrap-Up#2

Die 61. Berlinale ist vorbei und wir verdauen noch ihre audiovisuellen Leckerbissen. Wie versprochen kommt hier ein kritischer Nachschlag über die diesjährige Ausbeute. Dieses Mal blicken wir in Richtung Panorama Dokumente und machen einen Schwenk ins Forum.

In der Sektion Panorama Dokumente zeigte sich die Berlinale von ihrer politischen Seite. Die amerikanische Filmemacherin Lynn Hershman Leeson behandelt in !Women Art Revolution (2010) das Feminist Art Movement der 70er Jahre. Zusammengestückelt aus über 40 Jahren eigenem Filmmaterial schildert Hershman Leeson in Interviews mit befreundeten Künstlern, Kuratoren und Kunsthistorikern den mühsamen Weg, den feministische Kunst in den 70 er Jahren auf männlichem Terrain zu bestreiten hatte. Auch jüngere Stimmen kommen zu Wort, wodurch ein Bezug zur Gegenwart gewährleistet wird. Dass Lynn Hershman Leeson selbst Teil der feministischen Bewegung war, verleiht dem Film zwar einen gewissen Insidertouch, sorgt aber auch für mangelnde Distanz und nicht zuletzt für eine zunehmend polemische Haltung, die das Gesamtwerk etwas trübt. Angesichts des enormen Umfangs an vorhandenem Material, kann der entstandene Film aber nur als einer von vielen möglichen Filmen gesehen werden. Der Rest ist unter www.womenartrevolution.com online zugänglich.

Wesentlich unbeteiligter – zumindest was die geografische Verortung betrifft– ist der Standpunkt des schwedischen Filmemeachers Göran Hugo Olsson, dessen Black Power Mixtape 1967-1975 (2011) bereits auf dem Sundance Film Festival im Januar 2011 Premiere feierte. Wer hätte gedacht, dass in Schwedens Film- und Fernseharchiven massenhaft Material zur Black-Power-Bewegung versteckt war? Gut, dass es einer gemerkt hat und durch die Archive wilderte, um uns eine historisch angelegte Compilation zur afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zwischen 1967 und 1975 zu liefern. Denn die seitens der US-Medien als Terrorvereinigung beschimpfte Black-Power-Bewegung rund um Bürgerrechtler Stokely Carmichael und Angela Davies lockte in den 70er Jahren auch einige schwedische Dokumentarfilmer an den Ort des Geschehens. Der daraus gebastelte Film wirkt teilweise wie eine Abarbeitung historischer Eckdaten, was man ihm aber hinsichtlich seines Informationsgehaltes und nicht zuletzt der musikalischen Untermalung gerne verzeiht.

Auf die Tränendrüse drückt David Weissman mit We Were Here (2011), ebenfalls in der Sektion Panorama Dokumente. Der Film begibt sich ins San Francisco der frühen 80er Jahre, mitten ins Zentrum der amerikanischen Schwulenbewegung, die zu der Zeit Opfer der epidemischen Ausbreitung von AIDS wird. Anahand ausgewählter Interviews und einer Fülle von Archivmaterial zeigt David Weissman, welche Auswirkungen die vorerst als “Gay Cancer” bezeichnete Immunschwächeerkrankung auf die Bürger von San Francisco hatte. Neben den sehr persönlichen Schicksalen zeigt der Film auch den hetzerischen Umgang der Medien mit dem Thema AIDS. We Were Here berührt durch den Appell an die Menschlichkeit. Wenn ich nur einen der gesehenen Berlinalefilme empfehlen könnte, dann diesen.

Sehr sehenswert ist auch Tomer Heymanns Dokumentarfilm The Queen Has No Crown (2011). Der israelische Filmemacher, der die Berlinale 2006 bereits mit Paper Dolls bespielte, beschert seinem Publikum eine facettenreiche und sehr private Studie, die familiäre, politische und sexuelle Identitäten gleichsam kritisch und einfühlsam offenlegt. Im Vordergund steht das Leiden seiner Mutter, die durch den Wegzug ihrer Kinder mit der eigenen Einsamkeit konfrontiert wird. Daneben handelt der Film auch von der Suche nach Liebe, vom Loslassen und Ankommen. Heymann verirrt sich aber nicht in familiären Zwistigkeiten und Schicksalsschlägen, sondern traut sich auch politische Konfliktherde, wie den israelisch-palästinensischen Konflikt oder den privaten und öffentlichen Umgang mit Homosexualität im Nahen Osten zu betreten.

Nun wird es Zeit für einen Schwenk in Richung Forum, nämlich auf einen 4,5 stündigen Filmbrocken, den ich jedem nörgelnden GEZ-Zahler nur wärmstens empfehlen kann. Als Fernsehfilm von WDR, BR und ARD Degeto produziert, ist die Wirkung von Dreileben (2011) auch auf der großen Leinwand durchaus anregend. Das Projekt ist die Frucht einer theoretischen Auseinandersetzung zwischen Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler mit den Themen Genre, Filmästhetik und Berliner Schule in der Filmzeitschrift Revolver (Heft 16) aus dem Jahr 2006.

Die Regisseure zeigen uns darin drei “Filme in Korrespondenz”, die jeweils um einen Kriminalfall im Thüringischen Städtchen Dreileben (eigentlich Oberhof bei Suhl) kreisen, jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt werden. Es ist Sommer in Dreileben und ein Sexualstraftäter ist aus einer Anstalt ausgebrochen. Christian Petzold nimmt dies zum Anlass, um mit “Etwas Besseres als den Tod”, ein Coming-of-Age-Drama zu inszenieren, das er in der Peripherie des Kriminalfalls ansiedelt. Dominik Graf schickt in “Komm mir nicht nach” eine Münchner Psychologin an den Tatort, die dort nicht nur mit dem bizarren Vorfall, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Christoph Hochäusler schließlich, führt uns in seinem düsteren “Eine Minute Dunkel” in das Innenleben und das Umfeld des gesuchten Straftäters.

Die drei Filme nacheinander zu sehen beschert einem das Vergnügen, die Schnittstellen filmischer Korrespondenzen nachzuverfolgen und die unterschiedlichen Handschriften der drei Autorenfilmer in direktem Bezug zueinander wahrzunehmen. Ausgestrahlt wird Dreileben als TV-Mehrteiler voraussichtlich im September 2011. Das Filmmagazin CARGO hat die Regisseure bei den Dreharbeiten begleitet, Einblicke dazu gibt es hier.

Dieser Text ist auch auf Fragmente erschienen.

Filmfreak Kiezgeflüster

Berlinale Wrap-Up #1

Trotz eisiger Minusgrade, befinden wir uns uns mitten in der heißesten Filmzeit des Jahres in Berlin: der 61. Berlinale. Vom 10. bis zum 20. Februar verwandelt sich die Gegend um den Potsdamer Platz in einen großen roten Teppich. Aber viel wichtiger als Stars sind natürlich die Filme, die hier ihre Premieren mehr oder weniger erfolgreich über die Leinwand bringen. Hier folgt eine kleine Zusammenfassung der Kandidaten, die in irgendeiner Weise besonders inspirierend, mitreißend oder enttäuschend waren.

Der diesjährige Eröffnungsfilm stammt von den Coen Brüdern: True Grit (2010) kann und- so schwer es mir fällt, es zuzugeben– nur mäßig der Coen-Stimmung gerecht werden, die man sich erwartet.
Die 14- jährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) überzeugt den rauhen Kopfgeldjäger Rooster Cogburn (Jeff Bridges) davon, ihr bei der Suche und Exekution des Mörders ihres Vaters zu helfen. Gemeinsam mit dem dubios gekleideten texanischen Sheriff LaBoeuf (Matt Damon) reiten sie in Richtung Rache. Ohne den hinreißenden Jeff Bridges und den charmant-dämlichen Matt Damon wäre dieser Post-Western einfach ein Film geworden, in dem ein starkes Mädchen aufgrund ihres zähen Charakters zwar in einer von Männern dominierten Welt durchkommt, aber dafür mit erheblichen Zugeständnissen rechnen muss. Der Dude mischt dem Westerngebräu die nötige Portion Lässigkeit bei.

Weg von den Enttäuschungen, hin zu den positiven Überraschungen: Almanya (2010). Die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli haben einen Film über türkisch-deutsche Migranten gedreht. Gähn- denkt man. Wieder einer dieser Problemfilme, die einem den Humor aus der Hirnrinde saugen und statt mit Vorurteilen “aufzuräumen”, diese eher indirekt verfestigen. Alle die so denken, haben diesmal nichts zu meckern.
In Almanya wird die Geschichte der Familie Yilmaz erzählt. Der Großvater kommt als Gastarbeiter nach Deutschland, holt später seine Frau und die zwei Söhne nach, bleibt in Deutschland und sie wachsen zu einer türkisch-deutschen oder deutsch-türkischen Großfamilie heran. Nun wird der Enkel Cenk in der Schule auf seine Herkunft aufmerksam gemacht und will nach seinen Wurzeln forschen – schließlich muss er sich ja für eine Mannschaft entscheiden – entweder Türke oder Deutscher. Beides geht nicht. So erzählt ihm seine Tante, wie alles begann… Dabei spielen die Regie-Schwestern einerseits mit vorhandenen Klischees, betten diese jedoch so geschickt und humorvoll in die Familiengeschichte ein, dass man nicht zu nervigen Verallgemeinerungen verleitet wird, sondern eher durch das Zucken im Zwerchfell eigene Denkweisen hinterfragt.

The Future (2011) von Alleskönnerin Miranda July erzählt in typisch skurriler July-Manier aus der Perspektive einer Katze die Geschichte von Jason (Linklater) und Sophie (Miranda July), einem Indie-Pärchen aus Los Angeles.
Das Paar ist Mitte 30, also in fünf Jahren 40, was sich ja beinahe an die dumpfe 50 anschmiegt und damit nur noch mit Kleingeld gleichgesetzt werden kann. Die tickende Uhr des Lebens macht sich bei den beiden aber erst dann richtig bemerkbar, als sie beschließen eine Katze, die sie verletzt auf der Straße aufgesammelt und im Tierheim abgegeben haben, zu adoptieren. Nun haben sie 30 Tage Zeit (so lange dauert es bis das Pfötchen der Katze verheilt und sie somit adoptierbar ist) um ihr derzeitiges Leben um-, auf- und wieder abzukrempeln. Tanzlehrerin Sophie kündigt ihren Job, trennt sich vom Internet und übt an einer vorzeigbaren YouTube- Tanzchoreografie. Jason wird zum Hausierer, scheitert bei dem Versuch Bäume zu verkaufen und lernt dabei einen lebensklugen Senioren kennen, der ihn mit leicht obszönen Limmericks und Beziehungsratschlägen zur Seite steht.
Wie wäre es, wenn man die Zeit anhalten könnte?
Diese Frage stellen sich nicht nur Jason und Sophie. Miranda July versucht mit einer Ladung Humor, einer Prise Schrulligkeit und einer Menge hintergründiger Dialoge dem nachzugehen, was Möglichkeit ist und vielleicht Zukunft wird. Nach Ich und Du und Alle, die wir kennen (2006) ist The Future Miranda Julys zweiter Spielfilm. Ihr Buch 10 Wahrheiten versammelt Kurzgeschichten und Anekdoten und ist 2008 im Diogenes Verlag erschienen.

Zurecht gehyped wird Wim Wenders’ 3D Spektakel PINA (2011). Eine Hommage an eine beeindruckende Frau, die sogar mit geschlossenen Augen alles sah. Pina Bauschs Wuppertaler Ensemble präsentiert uns visuelle Zuckerstücke aus “Café Müller“, „Le Sacre du Printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“. Alles Choreografien die Pina Bausch zu Lebzeiten mit Wim Wenders für das gemeinsame Projekt aus ihrem Repertoire auswählte.

Das krasse Gegenstück dazu will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten, auch wenn er aus der Sektion Panorama kommt. Größtenteils leiden nämlich Filme, die sich mit dem Zusatz 3D schmücken, an uninteressanter Handlung, schlechten Dialogen und miserablen Schauspielern – Filme wie Gareth Maxwell Roberts’ The Mortician (2010). Das als SF-Märchen angepriesene Trauerspiel kann lediglich mit einem netten Setting beeindrucken. Darin darf Method Man einen introvertierten Bestatter spielen, der seinen Ödipuskomplex durch ein Reenactment auslebt, um mit sich und der düsteren Welt um ihn herum wieder ins Reine zu kommen. Er hilft einem kleinen Jungen und dessen Restfamilie beim Kampf gegen üble Straßengangster, die mal wahllos und mal gezielt Menschen umbringen. Gelegentlich schaut er bei seiner warmherzigen Lieblingsprostituierten vorbei, die am Ende des Films zu seiner Partnerin wird. Das einzig Positive: Man weiß wieder, was ein schlechter Film ist– aus dem Kino flüchten ist hier erlaubt.

Margin Call (2011) von Regisseur J.C. Chandor beschreibt den Vorabend der US- Bankenkrise von 2008. Wall Street. Es finden bereits rigorose Entlassungaktionen statt, da entdeckt ein gewiefter Risikomanager, dass die Rechnung, auf der sämtliche Kreditvergaben basieren, doch nicht aufgeht. In einem eiligen Mitternachtsmeeting besprechen die hohen und weniger hohen Tiere des nun marode gewordenen Großunternehmens den Weg des geringsten Verlustes – natürlich nicht für die Mehrheit der noch ahnungslosen Bürger, sondern die Porsche fahrende Minderheit der Manager. Wer die Gelegenheit hatte Cleveland Versus Wall Street (2010) von Jean-Stéphane Bron zu sehen, den wird Margin Call mit 98,4%iger Sicherheit kaum berühren. Dafür kann man die schauspielerische Leistung von Jeremy Irons dankbar über sich ergehen lassen.

Übrigens kann man sich die Filmkatalogartikel der Berlinale online kostenfrei auf den heimischen Bildschirm holen. Einfach im Online Programm den Film suchen und dann dort das PDF herunterladen.

Das war erst mal ein kurzer Überblick über die glänzenden und matten Perlen der 61. Berlinale. Nachschub kommt bald!

Dieser Beitrag ist auch auf Fragmente erschienen.

Filmfreak

127 Hours

Ohne auch nur einen Menschen zu benachrichtigen macht sich der abenteuerlustige Aaron Ralston (James Franco) auf in die Berglandschaft von Utah. In einer kleinen abgelegenen Schlucht gerät der Bergsteiger jedoch in eine lebensbedrohliche Situation, als ihm ein abstürzender Felsbrocken auf den Arm rollt und ihn scheinbar ausweglos gefangen hält. Ausgerüstet mit kargem Proviant und einer dürftigen Ausrüstung versucht Ralston zu überleben. Sein einziger Kompagnon ist ein Camcorder, mit dem er die qualvollen Stunden bis zu seiner aufreibenden Befreiungsaktion für die Nachwelt dokumentiert. Zwar muss er dabei mehr als nur Schweiß und Blut lassen, wird aber um eine wichtige Erkenntnis bereichert…
Hintergrund:
Das Drehbuch basiert auf Aaron Ralstons 2004 publiziertem Buch Between a Rock and a hard Place (deutscher Titel: Im Canyon) und wurde von Danny Boyle und Simon Beaufoy, die 2008 für Slumdog Millionaire den Oscar für den Besten Film erhielten, für die Leinwand adaptiert.
127 Hours ist sechs mal für den Oscar nominiert; unter anderem in den Kategorien Bester Film und Bester Hauptdarsteller.
Kritik:
Basierend auf einer wahren und übermenschlich wirkenden Geschichte, macht Danny Boyle mit seinem gutgewählten Darsteller James Franco eine One-Man-Show. Die meiste Zeit über sehen wir nur ihn: Einen Menschen, der angesichts der totalen Konfrontation mit der eigenen Person eine innere Entwicklung durchmacht – was für einen Film immer eine besondere Herausforderung bedeutet. Danny Boyle versucht diese Problematik mit Rückblenden und Traumsequenzen zu lösen. So erinnert sich Aaron Ralston an die letzte Beziehung, an seine Familie, an verpasste Chancen und an die zwei Amateur-Bergsteigerinnen, denen er vor seiner Begegnung mit der Felsspalte mit einem blasiertem Grinsen die Bergwelt erklärte.

Mit einem „Ooops“ fängt es an. Das ist das Wort, welches Aaron mit halber Ungläubigkeit angesichts seiner abstrusen Situation aus dem Mund purzelt: Sein Arm steckt unter einem enormen Felsbrocken und er selbst hängt an ihm und einige Meter über dem rettenden Boden. „Ooops“ – In diesem Wort steckt die Art von Zugeständnis, die alles gnadenlos offenlegt. Mit diesem Wort James Franco - 127 Hours - Szenebeginnt auch für den Zuschauer die Metamorphose des Helden, der – anfangs noch ein unzugänglicher Draufgänger – im Laufe des Films zwar glücklicherweise nicht zu einem typischen Hollywoodhelden mutiert, aber es immerhin zeitweise schafft, Respekt zu erzeugen. Es handelt sich um Respekt vor einem Menschen, der in der absoluten Zurückgeworfenheit auf sich selbst die eigenen Fehler gnadenlos aufdeckt, sich an ihnen abarbeitet und dadurch neue Kraft schöpft. Einen Menschen, der scheitert, weil er bei aller Unabhängigkeit und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung nicht mit einem wichtigen Hindernis gerechnet hat: Sich selbst.

Aber das „Ooops“ springt dem Zuschauer von 127 Hours schon früher vor die Augen. Als er nämlich zu Beginn des Films von einer offensiven Videoclipästhetik heimgesucht wird, die ihm vermitteln soll, mit welcher Sorte Held er es in den folgenden 90 Minuten zu tun haben wird. Oberflächlich und ungebunden räumt dieser den eigenen Bedürfnissen absoluten Vorrang ein. In Zeiten ständiger Erreichbarkeit und permanenter Vernetztheit verzichtet er darauf, sich mitzuteilen und katapultiert sich damit in den Schlund der eigenen Vorhölle. Boyles unmissverständliche Botschaft, die Rückbesinnung auf die Gemeinschaft und Familie, gerät zuweilen in kitschige Gefilde, die durch eine Portion Fatalismus gegen Ende des Films dem malträtierten Publikum bitter aufstoßen kann.
Andererseits: Es gibt Menschen wie Aaron Ralston, die sich immer wieder ihre Eigenständigkeit unter Beweis stellen müssen. Menschen, die sich nur auf sich selbst verlassen, weil sie Ungebundenheit mit Unabhängigkeit gleichsetzen und Hilfenehmen für sie Schwäche bedeutet. In der Auseinandersetzung mit eben jener Schwäche, keine Hilfe annehmen zu wollen, blüht der Film für einige Momente auf. Nämlich genau dann, wenn Boyle seinen Protagonisten mit der Videokamera zur Selbstreflexion zwingt. Dadurch erhält 127 Hours paradoxerweise einen Moment von Unmittelbarkeit, der dem restlichen Film fehlt. Denn die Selbstbefreiungsaktion eines Mannes, der 127 Stunden in einer Felsspalte klemmt, hätte durchaus auch Stoff eines knackigen Kurzfilms sein können. Auch wenn die Anreicherung der Story durch Rückblenden und Traumsequenzen dazu beiträgt das Publikum auf Trab zu halten, sind diese Sequenzen lediglich in der Peripherie einer Geschichte anzusiedeln, die ohne sie einfach weniger filmtauglich wäre. Und das merkt man auch. Denn so schmerzhaft und quälend Ralstons Situation auch gewesen sein mag, spürt der Zuschauer diese nicht etwa durch Identifikation mit der Figur, sondern durch das Aussitzen eines mal aufwühlenden, größtenteils aber eher drögen Ein-Mann-Kammerspiels. Boyles Fokus liegt dabei nicht wirklich auf seinem Protagonisten, sondern auf der Beweihräucherung seiner eigenen Virtuosität.
127 Hours USA 2010
Genre: Drama
Originaltitel: 127 Hours Regie: Danny Boyle Drehbuch: Danny Boyle, Simon Beaufoy Darsteller: James Franco, Amber Tamblyn, Kate Mara, Clémence Poésy

Diese Review ist auch auf independentfilme.com erschienen.

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ARTE Creative@transmediale.11

Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE startet ab Januar 2011 die neue Web-Plattform ARTE Creative.

Das Organ dieser neuen Plattform ist kein Geringerer als Alain Bieber von rebel:art. Doch was genau ist ARTE Creative? Hier kommt ein prägnanter Auszug aus dem Pressetext, der euch hoffentlich einige Fragezeichen aus der Hirnrinde quetschen wird:

ARTE Creative ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk für junge Künstler, Kulturproduzenten und alle an dem Thema „Kreativität“ Interessierten. Präsentiert werden dort qualitativ herausragende Arbeiten aller kreativen Felder – von Kunst (Fotografie, Malerei, Street Art, New Media, Netzkunst, Videokunst) über Popkultur (Musikvideos, Werbung, Gaming) bis hin zu Design (Grafik-, Produkt- und Webdesign, Typografie) und Architektur.

Der Fokus liegt dabei im Bereich „Bewegtbild“. Neben User-Generated-Content gibt es Inhalte aus Kooperationen von Hochschulen, Festivals, Museen und anderen Institutionen sowie eigene, gemeinsam mit der Community entwickelte, redaktionelle Formate. ARTE fördert damit aktiv den kreativen Nachwuchs und möchte die Zusammenarbeit mit jungen Kulturproduzenten aus ganz Europa verstärken. Ausgesuchte Inhalte der Kreativplattform werden auch auf dem Sender laufen.


Wer sich dem kreativen Webspielplatz beschäftigen will, kann das natürlich online tun oder sich auf der transmediale.11 einfinden. Das Festival für Kunst und digitale Kultur, bespielt vom 01. bis zum 06. Februar 2011 das Berliner HKW und Umgebung. Mit dem diesjährigen Titel RESPONSE:ABILITY spürt das Festival auf unterschiedlichen Feldern unserem Leben im und um das Internetz nach. Das Programm findet ihr hier. Parallel dazu mischt das Festival CTM- Club Transmediale
den Gehörgang mit progressiven Klängen auf.

Mehr zu ARTE Creative gibt es unter creative.arte.tv und einen Beitrag zur transmediale.11 findet ihr im aktuellen Kurzschluss und auf transmediale.tv, dem Channel der transmediale.11 bei ARTE Creative.

Filmfreak Trash Webgestöber

Arrested Development Papierpuppen

Wir haben sie geliebt, viel gelacht, dann wurden sie eingestellt. Die Freaks von Arrested Developement gibt es zwar nicht mehr als zwerchfellkneifende Serienhelden, aber als Papierpuppen zum Ankleiden, Ausziehen und böse Sachen machen. Ausgedacht hat sich das Kyle Hilton, ein Illustrator aus Jackson, Mississippi. Hier sind schonmal George Bluth Sr. und Tobias Fünke M.D. mit den obligatorischen Nacktjeansshorts, Chapeau!

via flannelanimal.tumblr.com

via flannelanimal.tumblr.com

Großartig wäre natürlich auch eine George-Michael Bluth-Puppe mit Muskelanzug! Mehr Infos zu Kyle Hilton gibt es auf seinem Blog http://flannelanimal.tumblr.com/. Viel Spaß beim Basteln!

Filmfreak Kiezgeflüster Kunsthappen

Spike Jonze/Arcade Fire

Achtung, es wird kurz und geht ins Ohr– Spike Jonze, Meister der schrägen Melancholie, wird die diesjährige Berlinale erneut mit einem seiner großartigen Kurzfilme entzücken. Scenes From The Suburbs heißt er, vorkosten könnt ihr ein paar Happen davon im aktuellen Musikvideo von Arcade Fire- The Suburbs:

YouTube Preview Image
Youtube Direkt Suburbs