58. Filmkunstwochen
Ihr habt alle guten Filme der letzten Jahre verpasst, könnt nirgendwo mitreden und euer Filmorgan ist quasi verkrüppelt? Dann atmet auf – ihr bekommt eine zweite Chance: Die 58. Filmkunstwochen füttern vom 4. bis zum 25. August Filmhungrige mit brandheißen Premieren und den Glanzlichtern der vergangenen Kinojahre.

Meine dringende Empfehlung ist Hunger (2008) von Steve McQueen (Nein, nicht DER Steve McQueen). Mehr zum Inhalt gibt’s bei ARTE , hier kommt der Trailer:
Eröffnet wird das Filmkunststück mit Männer im Wasser (2010). Premierenfanatiker kommen auch beim Berlinalegewinner Bal (2010) von Semi Kaplanoglu und London Nights (2009) von Alexis Dos Santos auf ihre Kosten. Reviews zu weiteren knusprigen Filmhappen findet ihr hier:
- Antichrist (2009)
- Das weiße Band (2009)
- Ein Prophet (2009)
- Inglourious Basterds (2009)
- Soul Kitchen (2009)
- Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives (2010)
Außerdem tourt Paul Kalkbrenner in Hannes Stöhrs Berlin Calling (2008) durch’s Programm, Wes Andersons Royal Tenenbaums (2007) dürfen geschicktes product placement für Adidas machen, und wer will, kann sich von Michael Hanekes Caché (2005) ordentlich verstören lassen, um sich danach von Michel Gondrys Eternal Sunshine of the Spotless Mind (2004) massiv verzaubern zu lassen.
In der Reihe Sex & the Arthouse läuft übrigens ein Klassiker von Woody Allen: Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten (1972). Bevor man über die Titellänge nachdenken kann, schnell in eine der besten Szenen – unterlegt mit einem herrlichen Blubbern:
Das Programm und weitere Infos gibt es hier.
“Woanders ist auch schlecht!?”
Mund zu und Augen auf für Urban Contemporary Art abseits von Banksy.
Die Galeria Autonomica aus Wetzlar bespielt am 24. Juli das Foyer der alten Kongresshalle mit einer temporären Gruppenausstellung.

Die bewusste Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit von Street-Art im Kontext von Urbanität soll wieder in den Mittelpunkt der am Mainstream kratzenden urbanen Kunst gerückt werden.
Wie wirkt sich die potenzielle Kurzlebigkeit auf den Entstehungsprozess der Werke aus? Wie und worin manifestiert sich das latente Risiko des Bald- nicht- mehr- Seins?
Zu sehen gibt es Illustrationen, Malerei, Installation und Mixed-Media- Erzeugnisse, deren philosphischen Kern man bei Bedarf mit einer gediegenen Flasche Gustl oder Biobrause magenfreundlich machen kann.
Mit dabei beim 12-stündigen Kunstquickie sind diesmal Pisa73 [Superplan/CTink] // Berlin, Base23 [Superplan] // Berlin, Beastiestylez // München, The Conestruction Inc. [Cone] // Saarbrücken, Veronika C. Dräxler // München, Czarnobyl // Berlin, Emess [ATM] // Berlin, Pabo [Superplan] // Berlin, Eliot [BK/AFM] // Berlin, mK [Südlibanesengang] // Fulda, Hate one [DAT] // Gießen, Preston Spurlock // New York, Mr. Jones // München, Johannes König // München
Für einen Eindruck, bitte den Flickr-Knopf oben rechts betätigen.
Hier kommen die Koordinaten:
Wann: Vernissage am Samstag den 24.07.2010 ab 12 Uhr
Ort: Foyer Alte Kongresshalle
Straße: Teresienhöhe 15
U4/U5 – Schwanthalerhöhe
Aftershowparty: ab 22:00 Uhr
STROKE.02- Impressionen
Achtung, es wird wieder urban und artsy in München- Stroke.02 geht in die nächste Runde, also Mund zu und Augen auf!

herakut via flickr
Vom 27. bis zum 30. Mai bespielen mehr als 55 internationale Künstler mit über 1 000 Werken das Gelände der Ex-Landeszentralbank am Tucherpark. Von Filmvorführung, Live- Painting und Graffiti, über analoge Fotografie und Tortenmalerei bis hin zu gestrikten Geschlechtsteilen, aufgespießtem Geflügel und LEGO – die Berliner Veranstalter Marco und Raiko Schwalbe (INTOXICATED DEMONS) haben das alte Bankgebäude zusammen mit dem Münchner Team From Hell zu einer bunten Kunst-und Partyanlage gepimpt.
Ich hab mich durch den 10.000 qm- Dschungel der Urban Art gekämpft und ein paar Impressionen mitgenommen.
Wir fangen sozialkritisch an und werfen einen Blick auf die ATM Gallery:

Emess, ATM Gallery 2010 via flickr
Ziel der ATM Gallery ist es, ihre Künstler aus der Peripherie des Außenraums ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. Die Eingliederung ins Ausstellungssystem ist für einige Urban Artists eine Grenze, die sie nicht überschreiten wollen. Andererseits können Botschaften, die im öffentlichen Raum sonst undekodiert blieben, durch räumliche Verortung fruchtbar gemacht werden.
Wie auf der Stroke.01, kommt man beim Stichwort “Gesellschaftskritik” an der Münchner Street-Art-Größe Skore 183 nicht vorbei- will man ja auch nicht:
Skore 183, “Wallstreet Suite” 2010 via flickr
Nachschlag kann man sich in ganz München und bis zum 10. Juni in der Galerie artThiess holen. Ebenso beeindruckend sind die Materialarbeiten von Torsten Mühlbach, zusammengetackert aus internationalen Mülltüten:
Torsten Mühlbach”Superdeath”2009 via flickr
Was dem Kind sein Spinat ist dem urbanen Künstler seine Stroke. Sie soll den vermeintlich marktfernen Ausfluss der Subkultur fit für den großen Kunstmarkt machen. Und wie Spinat, polarisiert auch die Stroke. Einige genießen die Plattform zur lukrativen Selbstdarstellung, andere ziehen eher widerwillig mit und murren gegen die kommerzielle Polung der Messe. Trotzdem: Wenn zu Feierabend ein paar Werke verkauft sind, freut sich jeder. In einem Bild:
via flickr
oder auch ganz pragmatisch:
via flickr
Die Hot Cheese Crew gibt allen Fernsehkindern und Zöglingen der Masters of the Universe ein zeitgenössisches Stilleben:
via flickr
Faszinierend sind die Arbeiten der Künstler Maximilian Geuter und Rafael Gerlach, vertreten von firstlines. Sie haben der Natur organische Fremdkörper eingesetzt- wie harmonisch das wirkt, seht ihr hier:
GerlachGeuter aus der Serie “Waldinszenierungen”, 2010 via flickr
Sex schreit nach wie vor aus vielen Ecken, vielleicht nicht ganz so schrill wie sonst: Während einige Künstler immer noch Gefallen an orgiastischen Motiven mit viel prallem Fleisch finden, schieben die wenigen Künstlerinnen oft Geschlechterdifferenzen in den Bildmittelpunkt.
Ebenfalls organisch und fleischlustig zerrt Ben Wittner von xhoch4 mit seinem City Chicken an den Grenzen der Tierliebe. “Kunst zur Verbesserung der Menschheit” kann so aussehen:
Ben Wittner, City Chicken 2010 via flickr
Seit der Stroke.01 im Oktober 2009 hat sich einiges geändert. Alles ist größer, der Mietpreis pro Ausstellungsquadratmeter um ein Vielfaches teurer geworden und Sicherheitsleute stehen an jeder Ecke. Das trieft vor Ironie, wenn man bedenkt, dass viele Urban Artists nur zögerlich aus dem Schatten der Illegalität hervortreten und ihre Pseudonyme fallen lassen.
Passend geht es weiter mit den sympathischen Jungs der Galeria Autonomica aus Wetzlar und einem larmoyanten Zwinkern Richtung Kunstmarkt:

Christian Minke, Safety First, 2009 via flickr
Galeria Autonomica, via flickr
Wenn Lebensmittelfarbe und Dekadenz sich vereinen, sieht das ein wenig nach Chemielabor aus. Das neue Café Kubitscheck hat sich mit dem wohlklingenden Motto “Fuck the Backmischung” per Online-Aufruf einen Tortendesigner gesucht- und natürlich gefunden. Das Ergebnis? Bitteschön:
via flickr
An Stroke.01 konnte man sich schon wund sehen. Das aktuelle Areal ist um einige Stockwerke und Nebenschauplätze größer, was sich dementsprechend auf Zeitplanung und Bindehaut auswirkt. Zwar stehen sich Qualität und Quantität hier wenig im Weg, doch gelegentlich zwickt einen das Gefühl, Zeuge redundanter Reproduktionen zu sein. Weichgespülte Gesellschaftskritik, die sich dem Markt anbiedert, ist aber nicht nur ein Problem der Urban Art.
Wir schweifen kurz ab, weil ich beim Thema LEGO noch dringend Christoph Niemann erwähnen muss, der aus den beliebten Plastikklötzchen inspirierend minimalistische Gedankengerüste baut, nämlich hier.
Und über Brasilien geht’s zurück nach München, wo wir einen Blick auf die Arbeit von Graffitigröße Claudio Ethos werfen, der für die Stroke.02 eingeflogen wurde:
via stroke.02
Zum Schluss noch zwei Bonbons: Wie im letzten Jahr waren auch diesmal die Künstler vom Castle Magazine vor Ort, mehr dazu gibt’s hier.
Während alle anderen ins Internetz abwandern, schalten die Jungs und Mädels vom Fotomagazin Der Greif auf analog und feiern die ästhetische Vereinigung von Fotografie, Literatur und Design. Das Ganze klingt so regressiv und ist dabei so charmant, dass es schon wieder Zukunft haben könnte!

via Der Greif
Und wie geht es für die weltweit erste Messe für Urban Art weiter? Die Stroke.03 verlässt München und findet vom 7. – 10. Oktober 2010 in Berlin statt. In diesem Sinne:
gesehen bei luis de dios
Dok.fest München 2010
Der Filmtran der letzten Wochen hat ein Ende. Vom 5. – 12. Mai durchleuchtet das 25. Internationale Dokumentarfilmfestival ausgewählte Münchner Lichtspielhäuser und hat außerdem noch das passende Kinowetter mitgebracht!
Alle Filmhungrigen dürfen sich dann 72 Filme aus 32 Ländern und ein stattliches Rahmenprogramm einverleiben. Bei Verdauungsbeschwerden können die Regisseure vielleicht persönlich helfen, die meisten werden jedenfalls anwesend sein. Es darf also sinniert werden, wie im Trailer:
Was es alles zu sehen gibt, erfahrt ihr hier und wer sich das Komplettpaket an Faktenfutter reinziehen will, der schmökert durch den Katalog zum Festival. Den Auftakt macht der Bergfürst von Philip Vogt am 5. Mai im City 1 um 20 Uhr.
Ein prominentes Vorführobjekt ist sicherlich David wants to fly von David Sieveking. Der Film hatte auf der Berlinale 2010 Premiere- soweit zwar prima, aber nicht spektakulär. Interessant ist vielmehr, dass David Lynch, um den es im Film geht, den Festivalauftritt verhindern wollte. Warum? Vielleicht hilft ein Blick in den Trailer:
http://www.dailymotion.com/videoxcybnfJakob Stählin von Schnitt hat schonmal reingespäht und verrät uns, ob die Rechnung von David² + TM= Erkenntnis aufgeht. Übrigens geht David mit seinem Werk auf Deutschlandtour, die Koordinaten findet ihr hier.
Zum WM-Jahr steuert Afrika als Festivalgast eine eigene Filmreihe bei: Dok.guest Africa
Während Christoph Schlingensief noch an seiner Interpretation von Fitzcarraldo in Ouagadougou bastelt, reflektiert dort Regisseur Jean-Marie Teno in Lieux Saints (Sacred Places) über die identitätsstiftende Bedeutung von Kunst und Kultur in Afrika unter dem Einfluss der Globalisierung, da geht’s zum Trailer.
Eine zweite Chance für alle, die Triptych von Magdalena Hutter verpasst haben, bietet außerdem der Gasteig vom 5. bis 16. Mai.
Abseits von Kitsch und Elendstourismus eines Slumdog Millinonaire bewegt sich At my Doorstep von Nishtha Jain durch den Moloch Mumbay. Wer reinschnuppern will, kann das hier tun. Der Film hat kürzlich auf dem 8. Indian Film Festival in Los Angeles als Best Documentary überzeugt, wir können also gespannt sein!

via thehindu.com
Zum Abschluss werf’ ich euch eine -sagen wir mal fordernde -Mixtur aus Japan auf die Nerven. We Don’t Care About Music Anyway von Cédric Dupire und Gaspard Kuentz, aber seht selbst:
Karten gibt’s an den Kinokassen und unter www.muenchenticket.de
Filmtage in München
Wer beim Anblick der weißen Pest draußen winterschläfrig wird, darf nun zumindest cinéastischem Eskapismus fröhnen: Der Filmfrühling ist ausgeborchen.

In den nächsten Tagen jedenfalls lohnt es sich, wach zu bleiben! Denn neben den Jüdischen Filmtagen, die vom 14.-17. März im Neuen Gabriel und unter Anwesenheit einiger Regisseure stattfinden, bespukt das Fantasy Filmfest im Rahmen einer deutschlandweiten Tour vom 13.-14. März das Münchner Cinema.
Auf den gegenwärtigen 3D-Zug ist man natürlich auch in Japan aufgesprungen. Wie sich der Effekt im Horrorfilm macht, kann man in Takashi Shimizus neustem Nervenmassaker The Shock Labyrinth (2009) erleben. Wer also pubertierenden Teenies beim Verirren und Verbluten zusehen will, hier ein Vorgeschmack:
http://www.veoh.com/videos/v18919788pWwYKDzKAuf die Lateinamerikanischen Filmtage, die momentan noch im Gasteig laufen, folgen vom 20.-28. März die 21. Türkischen Filmtage. Den Auftakt macht Üc Maymun-Drei Affen (2008) von Nuri Bilge Ceylan. Das Programm bietet jedenfalls mehr als den hierzulande gerngeförderten Problemfilm mit Opferweibchen und Identitätspatchworkthematik!
Wer da noch filmhungrig ist, dem empfehle ich, ins Filmmuseum zu gehen, wo gerade Gus Van Sant retrospektiert wird. Lust auf einen charmanten Kurzfilm? Voilà:
http://www.dailymotion.com/videox3mihpLe Marais, Gus Van Sant, 2003
STROKE.01 – Impressionen

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt. Diesmal gehen wir der Frage nach, was Subkultur mit einem bayerischen Autohersteller gemeinsam hat oder auch: Impressionen von STROKE.01, der ersten Urban Art Fair Europas in München, die vom 29.-31.10.2009 in einer alten BMW- Niederlassung stattgefunden hat. Wem Kunst im Tresor im Mai 2009 feuchte Augen verschaffte, der konnte hier ebenfalls mit optischer Ekstase rechnen.Weil mehr als 15 internationale Galerien teilgenommen haben, gibt’s hier nur eine subjektive Auswahl an organischen Leckereien.
Bei artnet und auf kunstmarkt.com findet ihr weitere Eindrücke.
Kunst und Kommerz, geht das zusammen, gerade jetzt? Urban Art gehört doch eigentlich auf die Straße und zeichnet sich dadurch aus, dass sie das System anprangert, statt kopfnickend mitzumachen.
Aber vielleicht ist manchmal Mitmachen auch eine Art, zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht kann man als Künstler hier Menschen ansprechen, die man sonst nicht erreicht hätte und umgekehrt hat man als Kunstkonsument Gelegenheit, sich ein Bild vom Produzenten zu machen. Denn auf den großen Kunstmessen können sich diese meist im semi-profitablen Bereich arbeitenden Galerien und Projekte oft (noch) keine Präsens leisten.
Also Mund zu und Augen auf!
Einen politischen Anfang macht hier skore183 der mit dem Projekt street-alphabet anwesend war. Die Botschaft steht im Zentrum des Münchner Graffiti-Künstlers.

Dass er es ernst meint merkt man, wenn man ihn reden hört. Hier geht’s zu seinem blog.
Wer an kritische Urban Art denkt, kommt an einem nicht vorbei. Banksy’s Echo schallt nach. Sein Einfluss triefte auch bei STROKE.01 aus vielen Ecken.
Ähnliches konnte man bei Galeria Autonomica beobachten:
Der angegebene Preis, ein vierstelliger Betrag, war nicht ernst gemeint und sorgte bei manchem Messebesucher sicherlich Kopfschütteln gepaart mit der klammen Angst, als Banause aufzufliegen. Dabei hatte Kettensegen Tatjana Trölfzehn etwa genausoviel Tiefgang, wie die mit 2600 € beschilderte Schwarze Banane.

Als organsicher Gag neben der ernstgemeinten Kunst, bestehend aus Alltagsfotografien und Malerei machte sie sich dennoch gut. Die Jungs von Galeria Autonomica mit Sitz im hessischen Wetzlar stehen natürlich für Kunst, für die man keine Kreditwürdigkeit vorweisen muss.
Wer bei Scherenschnitt an Bastelbeilagen von Hausfrauenmagazinen und bei Linoleum an drittklassige Mietwohnungsböden denkt, hat noch nichts von Swoon gehört. Ihre Werke sind absolut einnehmend und strahlen eine unglaubliche Aura aus. Und das trotz Einzwängung in urbane Räumlichkeiten:
Als die Wahl- New Yorkerin 2003 ihre erste Einzelausstellung hatte, konnte man ein beklebtes Fenster noch für einen dreistelligen Betrag erwerben, mittlerweile muss man mitunter um zwei Stellen großzügiger werden. Kellnern muss sie auch nicht mehr, denn jetzt stellt sie im MoMA aus, war auf der Biennale von Venedig vertreten und hatte kürzlich wieder eine Ausstellung in der Berliner Galerie urban art info.
Wer Zeit hat und Swoon umfassender kennenlernen will, klicke bitte sachte auf Play:
Einige Projekte setzen komplett auf Sex sells, andere tun es so organisch und provokativ, dass sie hier ewähnt werden. Boris Hoppek von Since gehört dazu. Hier zunächst das grob-zensierte Daumenkino
…und nun die Erwachsenenversion:

Wem die drolligen Köpfe bekannt vorkommen, der kann beim Gedanken an den Opel Corsa Spot von 2006 mit den C’mons (Bimbo-Dolls) laut Ahh schreien- soweit zum angespannten Verhältnis von Kunst und Kommerz. Aber dabei scheut der gebürtige Siegener nicht, auch politische Konfliktlinien zu betreten:

Wer demnächst einen Trip nach Barcelona plant, kann sich dort in der Iguapop Galery von mehr Hoppek überzeugen lassen.
Zeit für ein wenig Surrealismus und Malerei. Das Online-Magazin Castle hatte einige interessante Künstler zu bieten. Hier Daniel Schüßler, der sich in seinen Bildern mit Discordianismus beschäftigt. Seine Werke scheinen wie Visionen postapokalyptischer Zukunftsszenarien. Sie wirken wie präzise Räume, die jedoch nirgendwo verortbar sind und gehen eine beeindruckend-surreale Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein.


Die Beschreibung postdestruktive Kreativität, trifft es gut. Wer mehr erfahren will, Daniel hat einen blog. Außerdem kann man seine Arbeiten vom 3.bis zum 5. Dezember 2009 im Gartenhaus der Kunst sehen. Konstanze Schöffl, ebenfalls via Castlemagazin zu sehen, setzte sich äußerst organisch mit gesellschaftlichem Konsumfetischismus auseinander. Heraus kamen folgende Chimären, die aus Digitalcollagen bestehen:
Auf über 2.000 m² konnte man seinen Kunsthunger stillen und dass zu äußerst humanen Öffnungszeiten und Anschlussbummbumm. Wem der schwammige Begriff Urban Art nur Aerosolhaltiges sagte, konnte sich von der werklichen Vielfalt überrascht geben: Neben den überlebensgroßen Linolschnitten, altmeisterlicher Malerei und sonstigem Materialmix, wurde auch die gute, alte Sticknadel wieder hervorgeholt. Die Berliner ATM Galery hatte Graffitigröße Eliot dabei. Von seiner 2003er Ausstellung “Seemannsgarn” waren folgende Arbeiten zu sehen, deren Modelle vielleicht irgendwann in der Burda landen werden:


Zu den weiteren Highlights zählte sicherlich dieser Hubschrauber, den die Galerie Richter & Masset in den Innenhof des ehemaligen Autohauses schleuste:

Warum die Berliner Hauptveranstalter rund um Marco Schwalbe das Großprojekt in München aufgezogen haben? Während die Hauptstadt arm aber sexy bleibt, wird im Süden neben Interesse auch Kaufkraft vermutet. Bei insgesamt über 7000 Besuchern, konnten einige Galerien jedenfalls Umsätze verbuchen. Diese tänzelten jedoch meist unter dem vierstelligen Bereich.
Der nächste Streich ist für Mai 2010 geplant. Bis dahin Augen offenhalten, denn manches wirkt draußen einfach besser:
Enstanden ist dieses großartige Projekt von BLU und David Ellis auf dem FAME Festival im italienischen Grottaglie im September 2009.
Stadtgeflüster
Einige Objekte sollte jede Stadt haben. Hier kommt eine absolut subjektive Auswahl an sinngerechten Happen. Also Mund zu und Augen auf!
Kürzlich in Mainz gesehen und für nachahmenswert befunden: Die offene Bibliothek. Eine feine Sache, wenn im Laufe der Zeit nicht nur Super- Illus von 1996 ausleihbar sind…

Hier geht’s zum Faktenfutter.
Wir bleiben intellektuell. Glücklicherweise findet man in vielen Städten eine Goethestraße. Die in München ist bekanntlich besonders deutsch, in etwa so wie diese wundervolle Eiskreation, auf die man in den gutdurchmischten Tiefkühltruhen der dortigen Feinkostbasare stoßen kann. Gleich neben den gefrorenen Sardienen, extrem organisch:
Sowas schlägt auch bei Ben&Jerry’s an:
Um den Speichelfluss umzulenken und meiner Frage nachzugehen, was folgende Objekte bezwecken sollen, blicken wir verstohlen westwärts.
Neulich auf einem Straßburger Trödelmarkt gefunden und für dubios erklärt:
Ist das vielleicht Kunst? Um akuter Ratlosigkeit und aufsteigendem Banausengefühl zu entgehen, kann man sich von einem Mundspray goßzügig helfen lassen:
Mehr von Dana Wyse gibt’s hier und da, sowie francophon bei paris-art.com
Ist das euch zu abstrakt oder einfach nur zu weit weg? Also zurück nach München und an die Bruchlinien von Werbung, Streetart und dem Wunsch sich sofort ein ABC-Pflaster zuzulegen. Tief Luft holen und in Deckung gehen:

Mehr dazu gibt’s hier.
future Shorts im August
Die Registratur geht in die letzte Runde, da müssen natürlich alle Ecken und Ritzen gut genutzt werden- mit Bierbankkino im Innenhof natürlich!

Am Mittwoch, 26. August, kann man sich in der heißgeliebten Blumenstraße 28 im Rahmen der future Shorts eine Auswahl der besten Kurzfilme aus dem Jahr 2008 schmecken lassen, Hintergrundiges gibt’s auf myspace und hier bei mir.
Jetzt schnell rein in den ohrwurmträchtigen Trailer:
Ach ja, beim BBQ darf man sein Grillgut übrigens vorher in Rohform begutachten, extrem organisch!
Jetzt noch ein Appetithäppchen auf die Augen:
Oft klappt’s auch ohne Anleitung ganz gut, aber manche brauchen immernoch ein wenig Nachhilfe. Hier erfahrt ihr, wie man eine Beziehung am besten kaputt macht:
Mehr Infos und Faktenfutter gibt’s hier und da.
Im Anschluss lässt Dana Niemann jazziges auf eure Ohrmuscheln los, warmhören auf myspace!
Einlass ist um 21 Uhr, Beginn 22 Uhr und Kostenfaktor beträgt 8 Euro.
Favorit Bar
Wir erweitern unsere Kietzstammstrecke und bezwinkern Münchens Sehnsucht nach Subkultur.

via muenchenblogger
Graffiti an den Wänden, trashige Sanitäranlagen, Abwrack-Flair mit scheinbar provisorischen Sitzmöbeln, umgeben von unebener Bodenbeschaffenheit. So gewollt es auch klingt: Ein Stück Berlin in München, das ist die Favorit Bar. Fernab von Schicksen und Schlipsen, bietet die kantige Schummerbude (von der SZ durchweg positiv als Negation von Style bezeichnet) im Münchner Hackenviertel unangestrengten Nachtvertreib umhüllt von feinsten Elektroklängen und ohne Kindergartenatmosphäre.
Mit der eigenen Homepage verhält es sich ähnlich wie mit einem ausgeschilderten Eingang, beides existiert nicht. Allenfalls an der Rauchertraube kann man die Barhaftigkeit erahnen. Dennoch wird die Bar massenhaft favorisiert, 200 Ausgehwütige quetschen sich an guten Tagen hinein, was bei der offiziellen Anzahl von 30 Sitzplätzen im Winter für geringe Energie- und im Sommer für hohe Deokosten sorgen dürfte.
Wer mitquetschen will, hier kommen die Fakten:
Damenstiftstr. 12,
80331 München,
Öffnungszeiten: So-Do 20.30-2, Fr/Sa 20.30-3
futureShorts
Die Registratur macht ernst, die Blumenstraße 28 wird in naher Zukunft nicht mehr Hort für den extasehungrigen Nachtschwärmer spielen.

Ein Grund mehr, sich am kommenden Mittwoch, den 22. Juli ab 21.30 Uhr nochmal in das nostalgiebeladene Stück zu begeben.
Was geboten wird? Ca. 7 Filme und im Anschluss Feines auf die Ohren. Genauer: Das futureShorts-Festival befeiert die Regi und bringt neben The Loneliness of the short-order cook (Marcel Sawicki,USA/2008) auf 35mm auch Live-Musik mit. Wir werfen einen Blick auf den Trailer:
Das 2003 in London gegründete Label, futureShorts, versteht sich als weltweit innovativste Alternative zu üblichen Filmfestivitäten, da neben Film auch Kunst und Literatur in ein abwechslungsreiches Sinnvergnügen verwachsen. Gerade sind also die true pioneers of petit cinema (Guardian) auf Tour, da und dort gibt’s Faktenfutter zu den monatlichen Screenings und zum youtube channel gehts hier entlang.
Multikulti ist gescheitert, sprach sich einst la Merkel in grenzüberschreitendem Optimismus in Sachen Integration aus. Inspirierend für Pepe Danquart, Regisseur des folgenden, u.a. oscarprämierten, deutschen Kurzfilms mit dem programmatischen Titel “Schwarzfahrer”, den man ebenfalls am Donnerstag in Leinwandformat genießen kann:
Die Delicious Groove Gourmets sorgen im Anschluss mit Funk und Soul für organische Töne. Bei schönem Wetter im Innenhof, bei Regen geht’s ins Clubgewölbe, Eintritt 8 €.
Reservierung unter urs@futureshorts.de oder henrik@futureshorts.de
Bergwolf
Für ein paar Tage werde ich die heißgeliebte Tastatur nicht drücken können. Zuvor muss die Kietzstammstrecke noch um ein weiteres Imbisserlebnis erweitert werden.
Es folgt die äußerst einladende und nicht minder organische Speisekarte aus dem Münchner Szenewurstladen Bergwolf :

Appetitliche Speisekartensemantik, wenn der Gedanke an Drüsenflüssigkeit für feuchte Mundwinkel sorgt:

Jetzt etwas versöhnlicher und vegan:

Fotos: dontpanicitsorganic
Wie kommt man hin?
Fraunhoferstr. 17
80469 München
Tel.: 089 23259858
Zurück zum Thema, natürlich verschwinde ich nicht, ohne für ebenbürtige Vertretung gesorgt zu haben. Eventuell kennt ihr sie bereits, umso besser. Ich wünsche bon amusement mit folgenden Gesellen:
via hamsteronapiano.net
Im Grunde sind wir ja alle kleine Wesen, rücklings auf der Suche nach ein wenig Harmonie und Popcorn. Es geht intellektuell und höchst philosophisch weiter:
via
Zuletzt verfolgen wir die sardonischen Machtspiele dieser drei Wichte- und Einwurf!
via
Anspruch unten? Bis bald!
Fleischlutschen in der Pommesboutique
Erweitere deine Kietzstammstrecke: Pommesboutique und Blue Nile

Foto: http://www.pommesboutique.de/minigolf/bilder.html

Foto: http://www.pommesboutique.de/minigolf/bilder.html
Wer kennt das nicht: Man kommt ermattet aus Vorlesung oder sonstwoher, hat immenses Magengrummeln nach deftiger Currywurst und verspürt gleichzeitig den Drang, sein Handicap zu verbessern? Nun hat man die Gelegenheit, beide Triebe, quasi synchron und in grün auszuleben. In der Pommesboutique, Amalienstraße 46, findet man die lang herbeigesehnte Synthese aus Minigolf- und Bio- Currywurstgenuss, belgische Pommes gibt’s obendrauf, das wurde auch Zeit! Ebenfalls auf der wohlbestückten Speisekarte: Bio-Cevapcici-Lollies mit Ajvar. Fleisch zum Lutschen, hmm!

Pommesboutique, Foto: blocbuster

Foto: blocbuster
Haptisch geht’s weiter mit dem potenziellen Gegenpol: Euch ist nach einem Hauch Exotik zumute und euer favorisiertes Besteck besteht aus wohlgekrümmten Fingerkuppen? Unbedingt ausprobieren: Das äthiopische Restaurant Blue Nile, wahlweise in der Schwabinger Viktor Scheffler-Str. 22 oder Siegesstr. 22a. Die Speisung sieht gewöhnugsbedürftig und ansatzweise vorverdaut aus, schmeckt aber großartig und bedient den Drang nach infantilem Handgemenge, absolut organisch. Wer will, kann seiner Lust nach bodenhafter Sitzfleischpflanzung nachgehen, pure, unbestuhlte Anarchie!

Mund auf, Augen zu
m.c. mueller
Hier geht’s zur Erweiterung der Kietzstammstrecke.
Heute im Fokus: Das m.c. mueller in der Müller-, Ecke Frauenhoferstraße. Egal ob man nach Bier, BioBurger oder einem Ingwer Sling verlangt, keine Lust auf minderjähriges Klientel hat, oder gerade von einem hartnäckigen Rosenverkäufer gestalkt wird: Im m.c. mueller findet man den geeigneten Unterschlupf, letzteren zwei Kategorien wird der Eintritt explizit per Piktogramm verwehrt.
Ein bisschen derb, nicht immer ganz pc und mit der nötigen Prise Nonchalance, kann man hier vorpistlich Proteine und Promille auftanken und bis 22h im kultigen Biergarten freiluftschnuppern. 
Die fleischfreundliche Jause lässt sich zur happi-hour von 18-20h günstiger verdauen, später reichern DJs die Atmosphäre mit Clubgedöns an.
Wer also mal wieder die temporal arbiträre Eintrittgrenze beim famosen Café King verpasst hat, weniger Szenennarzissmus, dafür mehr deftige Bodenständigkeit sucht, braucht nur einige Tanzschritte auf der barhaftigen Müllerstrasse investieren- und ein bisschen Zaster:
- Softes 2,50€
- Bier 3€
- Mischbrause 8€
- Burger mit Sättigungsbeilage ab 8,50€
Fremdfeiern
München leuchtet. Und, dass Geflimmer in dieser feinen Stadt viel kostet, weiß jeder gutinformierte Mietspiegelverfolger. Daher schreit es hier förmlich nach Rebellion, wenn subkulturelle Winde durch die Stadt wehen, die in der Hauptstadt und anderswo längst als Mainstream abgeheftet werden. Das inszenable Glockenbachviertel riecht derzeit nach einem Hauch von Revolte. Denn, wo sonst nächtliche Bum-Bum Anstalten walten, kann der findige Münchner neuerdings tagsüber seine Garderobe erweitern und sich dabei ein bisschen avantgard fühlen. Guerillashops öffnen für kurze Zeit im Horses Cars and Stars/Machima in der Schellingstraße und im Cafe am Hochhaus/Vaaon in der Blumenstraße ihre Pforten für das Szene-Klientel.
Leider verwehren hohe Zwischenmieten, Gewerberegelungen und sonstige Bürokratie meist den verwegenen Popup-Spaß.
Ja, auch in Grün gibt’s eine ähnlich frivole Aktion, nennt sich dann Guerilla Gardening , wo pflanzwütige Umweltfreunde -bewaffnet mit Schaufel und Ablegern- graue Areale besamen, vorbildlich organisch! Solch Marketingstrategie scheint auch in der Esotherik gut anzukommen, denn hier gibt’s heimliche und heftige Guerilla-Yoga Happenings, Wohlfühlfaktor und Weichspülergesicht inklusive. Ganz andere Sorgen haben die bohemen Studenten bei der Wohnungssuche in Paris. Für 18 qm muss man dort schon mal 850 € abgeben. Aber die Franzosen, bekannt für ihre ausgeprägte Revolutionskultur, haben sich ein feines, wenn auch noch nicht sonderlich ertragreiches Konzept gegen die horrenden Abgaben ausgedacht: Die Studenteninitiative Le Jeudi Noir (in Anlehung an das wöchentlich erscheinenden Wohnungsanzeigenblatt PAP) sucht sich donnerstags jeweils eine der würzigsten Wohnungsgebote raus und vereinbart einen Besichtigungstermin. Ist einer der mutmaßlichen Interessenten in der überteuerten Kammer, wird der Rest, bestückt mit Sekt und Luftschlangen, in die Wohnung gelotst: Guerillafeierei par excellence! Plakatives Anprangern soll den Eigentümern die Augen öffnen. 
Polizei und verdutzte Inhaber zu beschwichigen, wird nach dem Partyüberfall alles feinsäuberlich geputzt. Doch solange die Mieten nicht sinken, muss die Meute wohl weiter fremdfeiern. Wann sowas mal in diesen Breiten passiert? Mein Wochenanzeiger liegt jedenfalls parat…
X-Cess
München leuchtete. Wir reden natürlich Neon und Leuchtstoff. Wo und wie es wann für wieviel mit wem unbedingt (nicht) auszuprobieren gilt, erfahrt ihr hier.

via muenchenblogger
Heute unbedingt ausprobieren: X-Cess
Lohnt sich für alle, die mal wieder das Bedürfnis in sich hegen, sich wenigstens lokalpolitisch vom hochkragigen Poloshirtträger und dessen weiblichem, mit Longchamp/George Gina & Lucy -Taschen beseelten Pendant abzusetzen.
Erwartungen herunterschrauben, denn hier batteln sich gelegentlich enorm talentierte Hobby- DJs in gefühlten 32 qm. Ein großes Plus ist auf alle Fälle die geschmackvolle Tapete, die von erotischer Eklektik zeugt und bei steigendem Alkoholpegel beinahe psychedelische Züge annimmt, der rote Samtvorhang hilft direkt proportional.
via muenchenblogger.de
Zu später Stunde werden hier kostenfreie amuse-geuls in Form von Cola-Lutschern und Leckmuscheln verteilt (geschlechtsspezifische Präferenzen werden bedient), zu denen man sich sich herrlich die Stammgäste mental einverleiben und sich an absturzträchtigen Promilleopfern bei der kläglichen Suche nach ihren Schöffel Anoraks halbmitleidig erschadenfreuen kann.
via muenchenblogger
Unbedingt mitnehmen: Fetenfreudige und nicht gänzlich humorfreie Couchsurfer, die zum Thema München bisher nur mit einer Käfer- Einser-Dallmayr- Denkblase reagieren. Lieber zu Hause lassen: Ebensolche, die die Denkblase wohlgefällig mit geschmatzem Bussibussi beträten…
via muenchenblogger.de
Die Koordinaten:
Kolosseumstr.1 , 80469 München
Tel. 089-23 000 083



























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