Category Archives: Filmfreak

WRONG von Quentin Dupieux

WRONG (sundance teaser) on Vimeo by Mr OIZO / Q.DUPIEUXvia flickr

Über Quentin Dupieux letzten Ausflug in die Welt des Films, Rubber (2010), hatte ich hier ausführlich berichtet. Nun lässt Dupieux aka Mr. Oizo seinen neusten Wurf auf uns los: WRONG (2011) wird im Rahmen des diesjährigen Sundance Film Festivals seine Premiere feiern.  Darin geht es um einen Mann namens Dolph (Jack Plotnick), der seinen Hund Paul verloren hat und auf der Suche nach ihm beinahe den Verstand verliert. Wer Rubber kennt wird ahnen, dass diese flach anmutende Plot-Line ein deftiges Hintertürchen ins Skurrile haben wird. Das versprechen jedenfalls die Teaser:

vimeo direkt wrong via independentfilme.com

Während Mr. Oizo uns Rubber mit der musikalischen Unterstützung von Gaspard Augé servierte, hat er sich für die Filmmusik von WRONG mit Tahiti Boy gepaart. Mehr zum Film gibt es auf der offiziellen Seite des Sundance Film Festivals und unter www.wrongthemovie.com.

Taxi Driver Remake à la Michel Gondry

Der französische Filmemacher Michel Gondry wurde gebeten, für die Frankreich-Premiere des neuen Martin Scorsese Films Hugo einen Kurzfilm zu kreieren. Herausgekommen ist eine herrlich-verspielte Hommage an Scorsese und seine Ikone Taxi Driver (1976). Selten waren Körperausflüsse so schön wie in diesem knackigen Remake à la Gondry:


gesehen bei Flavorwire via JoBlo.com

UNLIKE U-Trainwriting in Berlin

Ohne viele Worte zu verschleudern: Wer einen tiefen Einblick in die Berliner Graffiti-Szene haben will, sollte nun klicken und gucken:

HISKICK vimeo direktunlikeu

(Danke Johannes)

Mehr dazu gibt es bei www.unlike-u.com

Kurzfilm End of a Scarer

Mund zu und Augen auf für dieses animierte Zuckerl von Chris O’Hara:

vimeo direktscarer gesehen bei filmkunst

Leinwand vs. Leben

Wer viel Lebenszeit im Kino lässt, übersieht manchmal die feine Linie zwischen Leinwand und Leben. Damit das nicht vorkommt haben die schlauen Köpfe von For My Hour ein paar schmuck bebilderte Filmsituationen aufgeführt, die sicherlich nur die wenigsten von uns auch wahrhaftig erlebt haben:

For My Hour via jetzt.de

Und wieder einmal holt uns das Internetz in die Realität zurück. Mehr davon findet ihr hier.

Right Place by Kosai Sekine

In der Sparte Filmlektion gibt es diesmal Lehrreiches aus Fernost zu sehen.

Bei den Ordnungsfetischisten von Things Organized Neatly tauchte kürzlich ein japanisches Schmanckerl von Regisseur Kosai Sekine auf, das uns mindestens zwei Lektionen lehrt:

1. Zu viel Ordnung kann dich den Job kosten

2. Knochenknacken ist eben doch eine Schlüsselqualifikation

Right Place von Kosai Sekine via thingsorganizedneatly

Berlin Ostkreuz Dokumentarfilm

Laura Geiger und Tom Kretschmer haben einen Kurzfilm über den S-Bahnhof Berlin Ostkreuz vor seiner Generalsanierung gezaubert. Zwischen 2005 und 2007 haben sie den über 130 Jahre alten Verkehrsknotenpunkt gefilmt und 9 Minuten urbane Poesie eingefangen, die mittlerweile dem städtischen Modernisierungsdrang weichen musste. Entstanden ist eine beeindruckende Liaison aus Bild, Sound und Stadtgeschichte. Voilà:

gesehen bei BERLIN GRAFFITI via ARTE Creative

Mehr zum Film gibt es unter www.ostkreuzfilm.de

Bedways auf ARTE+7

Für kurze Zeit kann man den Berlinale Untenrum-Geheimtipp aus dem Jahr 2010 Bedways (Regie: RP Kahl) nun auf ARTE+7 sehen, allerdings aus Jugendschutzgründen immer nur zwischen 23 und 5 Uhr. Ein paar hölzerne Dialoge und die ein oder andere schauspielerische Unzulänglichkeit möchte man diesem softpornösen Low-Budget Film (bei ARTE liebevoll in die Kategorie Trash eingebettet) aufgrund seiner dramaturgischen Experimentierlust verzeihen, aber seht selbst:

Bedways via ARTE+7

Zum gesamten Film bitte hier entlang.

Durch die Nacht mit…Gael und JR

Mund zu und Augen auf für ein ganz besonders schmackhaftes Schmankerl aus der köstlichen ARTE-Reihe Durch die Nacht mit…

Noch ein paar Tage schwirren Streetartist JR und Charismat Gael García Bernal plakatierend und philosophierend durch Buenos Aires und potenziell über eure Bildschirme. Neugierig geworden? Bitteschön:

Druch die Nacht mit…via arte+7

Midnight in Paris

Oft trifft man Menschen, die in einer anderen Zeit vermeintlich glücklicher geworden wären, als in der Gegenwart. Wenn der Weltschmerz fahrt auf nimmt, verklären sie eine bestimmte Epoche und deklarieren sie gerne zur aufregendsten und vielversprechendsten Zeit, die es je gegeben hat.

Für den Trailer bitte hier klicken.

Auch Gil (Owen Wilson) der Protagonist von Woody Allens jüngstem Wurf Midnight in Paris ist ein hingebungsvoller Nostalgiker: Paris ist für ihn die Stadt seiner Jugend. Damals hätte er alles werden können, jetzt dümpelt er als erfolgreicher aber unglücklicher Hollywood-Schreiberling mit unerfüllten schriftstellerischen Ambitionen vor sich hin. Dank eines Business-Meetings seines zukünftigen Schwiegervaters ist er also wieder in Paris und die Stadt hat für ihn noch immer nichts von ihrer Magie eingebüßt – ganz besonders, wenn es regnet. Dann streift er durch die Pariser Flohmärkte und spaziert durch die engen Gassen, die gespickt sind mit charmanten Cafés und urigen Bistros. Man denke nur an die inspirierenden Persönlichkeiten, die sich hier in den Roaring Twenties die Klinke in die Hand gaben!

Leider teilt seine Verlobte Inez (Rachel McAdams) Gils Ansichten herzlich wenig. Die Tochter aus wohlhabendem, republikanischem Hause legt eher Wert darauf, dass ihr Ehemann in spe sie finanziell befriedigen kann. Intellektuellen Ansporn holt sie sich lieber von Paul (Michael Sheen), einem ihrer ehemaligen Dozenten, den das Paar zufällig in Paris trifft. Während Inez die Nähe des blasierten Pedanten sucht, begibt sich Gil auf einen seiner nächtlichen Spaziergänge durch die Stadt seiner unheilbaren Nostalgie. Als er um Mitternacht auf einer Treppe in der Rue Montagne St. Genevieve Rast macht, hält eine elegante Limousine mit ein paar exzentrisch gekleideten Nachtschwärmern, die Gil prompt auf eine Party mitnehmen. Mit einem Mal befindet er sich in Gesellschaft von F. Scott und Zelda Fitzgerald, ist per Du mit Ernest Hemingway (Corey Stoll) und am Klavier sitzt kein Geringerer als Cole Porter. Er wird empfangen als einer von ihnen und es kommt besser: Mr. Hemingway schlägt seinem Bewunderer vor, dessen unfertiges Manuskript von einer befreundeten Schriftstellerin lektorieren zu lassen: Gertrude Stein (Kathy Bates). Bereits am nächsten Abend zur gleichen Zeit reist Gil erneut in die 20er und trifft weitere Koryphäen der bohèmen Kunstelite. Im Hause Stein holt er sich nicht nur Feedback, sondern macht auch die Bekanntschaft von Picassos Lebensabschnitts-Muse Adriana (Marion Cotillard), deren Charme Gil augenblicklich verzaubert. Nacht für Nacht holt er sich Inspiration aus seiner Lieblingsepoche und merkt irgendwann, dass sein Fernweh nach der Vergangenheit ihn nicht wirklich weiterbringen kann…

Bereits in The Purple Rose of Cairo (1985) ließ Woody Allen den Wunschtraum seiner Protagonistin Cecilia (Mia Farrow) wahr werden, indem er es der armen Kellnerin ermöglichte, ihren verehrten Kinohelden von der Leinwand runter ins richtige Leben zu beschwören. Der Sprung aus dem Film wird von Allen kompromisslos durchdekliniert: Was hat es für Konsequenzen für die Filmwirtschaft, für die Produzenten und den Rest der Crew, wenn ein Schauspieler aus einem Film entwischt? Wie kommt der fiktive Held ohne Geld in der Realität klar? Und: Warum wird bei Liebesszenen nicht abgeblendet? Diese Fragen beantwortet Allen und wir nehmen es ihm ab, weil er seine Sache mit einer ungemeinen Glaubwürdigkeit präsentiert. So ähnlich funktioniert auch Midnight in Paris. Anders als in The Purple Rose entlässt uns der aktuelle Film aber mit Optimismus aus dem Kino. Das überrascht, wenn man an Allens letzte Filme denkt: In Ich sehe den Mann deiner Träume oder Whatever Works präsentierte sich der Meister von einer eher pessimistischen, zynischen und konservativen Grundhaltung. Seine aktuelle Liebeserklärung an Paris ist hingegen kurzweilig, vorwärts gewandt und unterhaltsam, wie die jazzige Leitmelodie, die sich durch den gesamten Film zieht und danach schwer aus den Ohren zu bekommen ist.

Wie immer hält der Regisseur für uns ein großartiges Schauspieler-Ensemble bereit: Owen Wilson, der als Gil sowohl den intellektuellen und zynischen Alter Ego Allens früherer Filme verkörpert, aber dem ganzen durch sein sonniges Gemüt eine angenehme Prise Leichtigkeit verleiht. Auch Amy McAdams brilliert mit gewohnter Natürlichkeit in ihrer Rolle als Gils arrogante Verlobte. Katy Bates performt eine unaufgeregte, kritische Gertrude Stein und ein überaus humoriges Erlebnis bietet uns Adrien Brody in seinem kurzen Auftritt als Salvador Dalí. Da verzeiht man auch das Auftauchen von First Lady Carla Bruni, die als Museumskuratorin ihre wenigen Sätze (durchaus passabel) über die Leinwand bringt. Midnight in Paris ist eine Wohltat für alle, die nach den letzen Filmen des Meisters eine Art Nostalgie nach dem alten Allen bekommen haben. Wir brauchen nicht mehr sehnsüchtig zurück blicken. Er ist da.

Festival der verlorenen Kinder (2)

Weiter geht es mit dem zweiten Teil der Nachlese vom 29. Filmfest München.

Den Namen John Cameron Mitchell verbinden viele –wenn überhaupt– mit einem bestimmten Film: Short Bus (2006), einer gewitzten Komödie mit soft-pornografischen Anleihen und hörenswertem Soundtrack. Bereits dort bewies der Regisseur, dass ein Film, der gern in die Horizontale kippt, angereichert mit Humor, Dreistigkeit und ein wenig Melancholie für amüsante und pikante Momente sorgen kann.

Rabbit Hole (2010)

Mit Rabbit Hole traut er sich nun in die weniger freudigen Zwischenräume von Beziehungen. In dem Festivalfilm geht es um das Ehepaar Becca (Nicole Kidman) und Howie (Aaron Eckhart, bekannt aus The Dark Knight), das versucht, über den Tod des eigenen Kindes hinwegzukommen. Ihr Sohn Danny, so erfährt man, ist acht Monate zuvor hinter dem ausgebüchsten Familienhund her und auf die Straße gelaufen, wo er von einem benachbarten High-School Schüler überfahren wurde. Das Haus bleibt voller Erinnerungen. Wie werden Becca und Howie mit der Trauer fertig? Ziehen sie sich zurück oder teilen sie sich einander mit? Nehmen sie Hilfe von außen an? Und, viel wichtiger: Kann nach einer solchen Zäsur ein gemeinsames Leben noch funktionieren?

Eine Gruppentherapie scheint als Möglichkeit für die beiden bereits zum scheitern verurteilt. Zuflucht im Glauben kommt für Becca nicht in Frage und selbst ihre Mutter (großartig: Dianne Wiest) kann mit den ewigen Vergleichen (auch sie hat einen Sohn verloren, allerdings an eine Überdosis Drogen) eher Ärger anstelle von Trost spenden. Nun ist Beccas jüngere Schwester zudem schwanger, was für zusätzliches Gefühlschaos sorgt. Während Howie sich an das eingefangene Lachen seines Sohnes auf dem iPhone klammert, sucht Becca den Kontakt zu Jason (Miles Teller), dem Jugendlichen, der ihren Sohn umgefahren hat. Dieser zeigt ihr eines Tages ein Comic: Rabbit Hole. Es handelt von schwarzen Löchern und Paralleluniversen. Vielleicht also gibt es, so Becca, irgendwo eine glückliche Version ihrer selbst, zu einer anderen Zeit in einem anderen Universum. Nun klingt diese Story ziemlich traurig und das ist sie auch. Doch Cameron Mitchell schafft es, kitschfrei und einfühlsam zugleich, Schmerz und Trauer unverhofft mit Momenten lauten Auflachens zu mischen. Und das ist sicherlich ein Zeichen von Reife und Können. Wenn Nicole Kidman von Botox-Eingriffen abgelassen hätte, könnte man in ihrer Mimik mehr als einen Funken von dem erkennen, was sie eigentlich leisten könnte.

Rabbit Hole (2010) basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von David Lindsay-Abaire, das man als pdf-Datei runterladen kann. Den Trailer findet ihr hier.

Corman's World (2011)

Kommen wir nun zu einem gar nicht mal so verlorenen Kind: Roger Corman. Mag sein, dass man ihn als verlorenes Kind Hollywoods bezeichnen kann – Alex Stepletons Dokumentarfilm Corman’s World-Exploits of a Hollywood Rebel (2011) beweist eigentlich das genaue Gegenteil. So manch einer seiner Filme wurde mit Mini-Budget und in einem Zeitraum von zwei Tagen abgedreht. Von vielen verlacht von einigen belächelt und mit dem B für B-Movies beklebt, kann man in Cormans World das Werk und Schaffen eines der beeindruckendsten Independent-Filmemacher verfolgen. Der kurzweilige Film gibt nicht nur Einblicke in Cormans filmische Umwelt, sondern auch in seine politische, die in den 60ern und 70ern besonders stark brodelte.

Auch die weniger schmackhaften Seiten der Filmwelt werden nicht ausgelassen. So erfährt man, dass Corman, als er es wagte 1962 mit seinem Film The Intruder klar Stellung gegen Rassismus und Segregation zu beziehen, prompt von der reaktionären Filmwirtschaft gerügt und wieder zurück in die Trash-Nische gedrängt wurde. Der Meister des Low-Budget wird von Stapleton und einigen aussagekräftigen Talking Heads wie David Carradine, Peter Bogdanovich und einem zuweilen sogar rührseligen Jack Nicholson facetten- und anekdotenreich portraitiert. Dass Trash und Arthausfilm durchaus eine Freundschaft eingehen können, bewies Corman als einer der ersten, die in den USA die Distribution von Bergmann und Fellini in die Wege leiteten.

Von den trashigen Anfängen bis zur nicht minder trashigen Gegenwart zieht uns Alex Stepleton mit in die Welt eines Filmemachers, durch dessen Schule Martin Scorsese, Robert De Niro, Francis Ford Coppola, Ron Howard und viele weitere gegangen sind. In dieser Schule lernten sie, wie mit wenig Geld, Zeit und meistens ohne Drehgenehmigung inspirierende Ikonen wie beispielsweise Attack of the Crab Monsters (1957) oder Man with the X-Ray Eyes (1963) entstehen konnten. Erst 2010 wurde Roger Corman mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet und somit an die stiefmütterliche Brust von Mutter Hollywood zurückgeholt. Für den Trailer bitte hier entlang.

Arirang (2011)

Als ein weiteres enfant perdu könnte man Kim Ki-Duk bezeichnen. Nach einer schweren Depression und drei Jahren Regieabstinenz kehrt der einst enorm gefeierte, südkoreanische Vorzeigefilmer mit Arirang (2011) – einem schonungslosen Selbstportrait – zurück auf die große Leinwand. Zurückgezogen in einem Zelt, das sich in einer Hütte auf einem Berg befindet, lebt er in völliger Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Ausschlaggebend für seinen Rückzug war ein einschneidendes Erlebnis am Filmset seines letzten Films Dream (2008),wo eine Selbstmord-Szene für die Hauptdarstellerin beinahe tödlich endete. Die ersten 15 Minuten des Films widmen sich seinem monotonen Tagesaublauf, der aus Aufstehen, Essen und Schlafen besteht. Dann beginnt Kim Ki-Duk zu sprechen und aus der anfänglichen Anamnese wird – im Angesicht der Kamera – eine Form der Therapie. Diese mündet in eine kompromisslose Abrechnung mit der Welt des Films und allen, die an ihr beteiligt sind. Dabei spielt der Filmemacher mit unterschiedlichen Mitteln: Er nimmt verschiedene Perspektiven ein, spielt mit den Genres, interviewt sich selbst oder lässt sich von seinem Schatten beraten. Eindringliche Bilder verweisen auf die Konflikte eine Menschen, der nach 15 Filmen einfach so aufhörte das zu machen, wofür ihn sein Publikum liebte: Filme. Und immer wieder singt Kim Ki-Duk mit einer Larmoyanz, die man ihm irgendwie verzeiht, das koreanische Volkslied Arirang. Den Trailer gibt es hier.

Dieser Beitrag ist auch auf independentfilme.com erschienen.

Festival der verlorenen Kinder

Das zweitgrößte Filmfestival Deutschlands bespielte zwischen dem 25. Juni und dem 02. Juli 2011 die Münchner Isarmeilen. Hier findet ihr einen Überblick zu ausgewählten Filmen und könnt euch die ein oder andere Festivalperle für den nächsten Filmabend vormerken.

Gamin au vélo

Das diesjährige Festival scheint sich in vielerlei Hinsicht dem verlorenen Kind verschrieben zu haben. Da wäre sogleich der Eröffnungsfilm Le gamin au vélo/Der Junge mit dem Fahrrad (2011) bei dem uns die Gebrüder Dardenne einen zähen Jungen vorstellen, der von seinem Vater ins Heim gesteckt wird und sich scheinbar nur auf dem Sattel seines Fahrrads wohlfühlen kann. Wo sein Platz in der Gesellschaft ist, wird zum streitbaren Knotenpunkt des Films. Dieser beeindruckt zwar durch die angenehm offen angelegte Struktur und den aufgeweckten Jungschauspieler Thomas Dorét, verliert jedoch zuweilen aufgrund dubios motivierter Figuren an Fahrt. Denn obwohl Cyril im Heim ist, findet er überraschend rapide Anschluss: Die Friseurin Samantha (Cécile de France) entflammt überaus schnell für den elfjährigen Fahrradnarren und ist sogleich bereit, den Jungen bei sich wohnen zu lassen und die Mutterrolle anzulegen. Auch die ein oder andere unangenehme Parallele zwischen virtueller und realer Gewalt wird aufgeschlagen, wenn Cyril von einem Stadtteilgangster erst zu Killerspielen und hierauf zu einem realen Überfall motiviert wird. Einen offiziellen Starttermin hat der Film noch nicht für die deutschen Kinos. Hier geht’s zum Trailer.

Nächster Film, nächstes Kind.

Hesher

Wer nach Black Swan Natalie Portman gerne als abolute Loserin sehen möchte, sollte genau jetzt aufmerken. In Hesher (2011) spielt sie mit Sicherheit nicht die Rolle ihres Lebens, eigentlich hat sie nicht einmal eine Hauptrolle. Die nämlich gebührt ihrem Kollegen Joseph Gordon-Lewitt (Inception, 500 Days of Summer), der hier eine absolute One-Man-Show abliefert. Und das macht er nicht schlecht. Der Film zeigt uns, wie eine dysfunktionale Famile bestehend aus einem lethargischen Witwer, seinem stetig gemobbten 13- jährigen Sohn T.J. (Devin Brochu) und der herzensguten, backwütigen Oma durch den Einfluss eines pyromanischen Wildwuchses namens Hesher wieder eingermaßen ins Lot gerüttelt werden kann. Gewalt wir hier zum ultimativen Kommunikationsmittel. Der anarchische Pornofan und Heavy-Metal Liebhaber nistet sich nämlich in T.J.s Garage ein und bringt nicht nur Dynamik in das deprimierende Leben des Jungen, der sowohl mit dem Verlust seiner Mutter als auch mit Schulfeinden zu kämpfen hat; er bringt auch die nötige Dynamik in den gesamten Handlungsablauf. Natalie Portman darf eine Kassiererin in Existenznot aber mit Hornbrille spielen, die T.J.s pubertierendes Herz erobert, indem sie ihn vor einer Prügelei bewahrt. Schade nur, dass die Momente, die den Film am Leben halten, fast ausschließlich an Gordon-Lewitt hängen. Denn die Sprechanteile von Devin Brochu bestehen größtenteils aus “I don’t know.” und “What are you doing?”. So bietet Hesher zwar durchaus amüsante Augenblicke – besonders wenn er undurchsichtige Sex-Metaphern zum Besten gibt– ist aber leider zu oft vorhersehbar und drückt gegen Ende noch einmal fest auf die Pathosdrüse. Für den Trailer, bitte hier entlang.

SeptienWas würde passieren, wenn Sofia Coppola mit einem Drehbuch von Wes Anderson The Exorzist neu interpretieren würde? Wahrscheinlich etwas ähnliches wie Septien (2011) von Michael Tully, nur besser. Der seit 18 Jahren verschwundene Footballprofi in spe, Cornelius Rawlings (Michael Tully), kehrt aus ungenannten Gründen zu seinen schrägen Brüdern zurück, die – alle mit zahlreichen Ticks und Neurosen ausgestattet– nach dem Tod der Eltern auf ihrer unbefarmbaren Farm leben. Während der älteste Bruder Ezra (Robert Longstreet) sich als putzwütige Übermutter gibt, hat Amos (Onur Turkel) die obszöne Malerei für sich entdeckt. Als eines Tages der Dorf-Klempner gerufen wird, um den ausufernden Sanitäranlagen Einhalt zu gebieten, tut sich ein dunkles Geheimnis in Cornelius Vergangenheit auf. Bald darauf erscheint ein mysteriöser Prediger mit einer Lösung für Cornelius’ düsteres Vorleben. Michael Tully, der sowohl als Regiesseur, Produzent und Schauspieler fungiert, zeigt in Septien wie man trotz atmosphärischer Dichte und pikanter Figuren an einem dürftig umgesetzten Plot scheitern kann. Hier geht’s zum Trailer.

Weg von der Reihe American Independents hin zu Visones Latinas und zu einem weiteren verlorenen Kind.

Gatos Viejos

Die Regisseure Sebastián Silva und Pedro Peirano geben mit Gatos viejos (2010) ein nicht humorfrei inszeniertes Familiendrama zum Besten. Die 80-jährige Isadora (Belgica Castro), deren Hüftprobleme dafür sorgen, dass sie bei defektem Aufzug das eigene Haus nicht verlassen kann, bekommt Besuch von der mehrfach beruflich gescheiterten Tochter. Das kann, so der diligente Lebensgefährte, nichts Gutes bedeuten: Denn üblicherweise sind es immer die leidigen Finanzen, die das verkrachte und koksverliebte Töchterchen in das verkatzte Haus der alten Mutter führen. So auch dieses Mal. Die leicht senile Frau soll ihr Heim verkaufen, damit die Tochter zusammen mit ihrer Partnerin peruanische Heilseifen verkaufen kann. Doch hier geht es bald nicht um Geld, sondern um Liebe, Vergänglichkeit und gegenseitige Anerkennung. Gatos viejos ist ein wahrhaftes Schmuckstück und beeindruckt mit schonungslosen Dialogen,schwarzem Humor und brillianten Schauspielern, hier der Trailer.

Weitere Kurzkritiken folgen in Kürze.

Dieser Beitrag ist auch auf independentfilme.com erschienen.

Filmfest München 2011

Das Filmfest München 2011 ruft und www.dontpanicitsorganic.de wird seine Leser mit frischem Filmfutter versorgen. Das nach der Berlinale zweitgrößte Festival Deutschlands bespielt in diesem Jahr zwischen dem 24. Juni und dem 2. Juli ausgewählte Münchener Lichtspielhäuser rund um die Isar.

Was im letzten Jahr zu sehen war, könnt ihr hier nachlesen. Zwischen dem Eröffnungsfilm Le gamin au vélo und dem diesjährigen Abschlussfilm Le Havre von Altmeister Aki Kaurismäki liegt einiges an Filminput vor uns.

Außer den für München üblichen Reihen Internationales Programm, Visiones Latinas, Nouveau Cinéma Français, Fokus Fernost, American Independents, Neue Deutsche Kino bzw. Fernsehfilme und dem Kinderfilmfest gibt es auch in diesem Jahr einige Spezialreihen: Neben den Independentgrößen Tom DiCillo und John Malkovich gibt es einen Schwedenschwerpunkt und eine Reihe zu Ehren von Roy Andersson, einem Meister des skurrilen nordischen Films. Das kostenlose Open-Air Programm widmet sich der Katze. Alle, die schon immer Russ Meyers Faster Pussycat! Kill, Kill! (bzw. Die Satansweiber von Tittyfeld) auf Großleinwand sehen wollten, sollten also aufmerken, hier der Trailer:

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via

Und natürlich kann man einige der über 200 Premieren nicht nur rezipieren, sondern auch diskutieren. Zum Beispiel bei den täglich stattfindenden Filmmakers Live-Sessions im Gasteig. Mehr zum Programm findet ihr auf der Homepage des Festivals sowie auf dem Festival-Blog.

Das Filmfest- Magazin gibt es hier als PDF. Reviews zu den einzelnen Filmen folgen in Kürze.

David Wants to Fly auf ARTE+7

Der Berliner Filmemacher David Sieveking hat eine Obsession: David Lynch. Um seinem Idol näher zu kommen, besucht er einen Workshop für Transzendentale Meditation (TM). Nach einer kurzen Tuchfühlung findet David bald mehr heraus, als er eigentlich soll. Sein Film David Wants to Fly (2010) feierte auf der 60. Berlinale Premiere. Warum David Lynch das eigentlich verhindern wollte, lässt sich erahnen. Auf ARTE +7 kann man den zwei Davids noch ein paar Tage auf ihrer Sinnsuche zuschauen.

via arte.tv

Die Wiederholung gibt’s am 23. Juni um 10:10 Uhr.

Surf Nazis Must Die

In den Tiefen des Internetz findet man ab und an wahre B-Movie Perlen: Surf Nazis Must Die ist eine davon. Die Low-Budget Produktion aus dem Jahre 1987 entstammt den begnadeten Regiehänden von Peter George aus dem Hause Troma und ist ein Fest für Liebhaber von plotarmen Trash-Filmen und miesen Schauspielern. Und weil sogar Meister Roger Ebert den Kinosaal nach einer halben Stunde verlassen haben soll, sollten wir ganz dringend in den Trailer spähen– Voilà:
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via
Eine Review gibt es hier und dort.

Das Meer- Eine Ausstellung des Masterstudiengangs „Europäische Medienwissenschaft”

Alle, die schon länger einen Ausflug nach Potsdam geplant, aber bisher keinen triftigen Grund dafür gefunden haben, bekommen nun einen:

 

Masterstudenten des ersten Semesters EMW zeigen in einer zweitägigen Werkschau ihre Projekte rund um das Meer.

Vernissage: Mittwoch, 27. April, 18 Uhr

Weiter: Donnerstag, 28. April 11 bis 18 Uhr sowie Freitag, 29. April 11 bis 14 Uhr

Ort: Galerie der Fachhochschule Potsdam, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

Sarah Palin hat so wunderschöne Augen

Steve Buscemis Augen sind etwas ganz Besonderes. Dieses tumblr-Blog beschäftigt sich mit der Aufwertung weiblicher Stars durch Steve Buscemis organische Schmuckstücke:

Chicks with Steve Buscemi’s eyes gesehen bei nerdcore via Dangerous Minds

Mehr davon gibt es hier.

Aargh– Kurzfilm von Philip Hillers

Es ist mal wieder Zeit für einen knackigen Kurzfilm. Und weil hier in der Region rund um Berlin und Potsdam die filmische Ernte über’s gesamte Jahr hinweg üppig ist, muss man nicht lange suchen.

Ein besonders schmackhaftes Filmhäppchen kredenzt uns HFF-Absolvent Philip Hiller mit Aargh (2010).


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Der Regisseur zeigt uns den ersten Arbeitstag von Aargh, einem ehemals erfolgreichen Schauspieler, der nach einem semi-tragischen Vorfall die gefeierte Schauspielkarriere aufgeben muss und sich nun im Berliner Zoo als Tierpfleger versucht. Was genau passiert ist und warum Aargh mit einigen Anlaufschwierigkeiten konfrontiert wird, erfährt man mit einem Klick in den Trailer!

vimeo direktaargh gesehen bei nerdcore

Wer jetzt Appetit auf den ganzen Film bekommen hat, kann sich Aargh in voller Länge schmecken lassen, nämlich hier.