Monthly Archives: Mai 2010

STROKE.02- Impressionen

Achtung, es wird wieder urban und artsy in München- Stroke.02 geht in die nächste Runde, also Mund zu und Augen auf!

Live-Painting_herakut@Stroke.02

herakut via flickr

Vom 27. bis zum 30. Mai bespielen mehr als 55 internationale Künstler mit über 1 000 Werken das Gelände der Ex-Landeszentralbank am Tucherpark. Von Filmvorführung, Live- Painting und Graffiti, über analoge Fotografie und Tortenmalerei bis hin zu gestrikten Geschlechtsteilen, aufgespießtem Geflügel und LEGO – die Berliner Veranstalter Marco und Raiko Schwalbe (INTOXICATED DEMONS) haben das alte Bankgebäude zusammen mit dem Münchner Team From Hell zu einer bunten Kunst-und Partyanlage gepimpt.

Ich hab mich durch den 10.000 qm- Dschungel der Urban Art gekämpft und ein paar Impressionen mitgenommen.

Wir fangen sozialkritisch an und werfen einen Blick auf die ATM Gallery:

Emess, ATM Galery

Emess, ATM Gallery 2010 via flickr

Ziel der ATM Gallery ist es, ihre Künstler aus der Peripherie des Außenraums ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. Die Eingliederung ins Ausstellungssystem ist für einige Urban Artists eine Grenze, die sie nicht überschreiten wollen. Andererseits können Botschaften, die im öffentlichen Raum sonst undekodiert blieben, durch räumliche Verortung fruchtbar gemacht werden.

Wie auf der Stroke.01, kommt man beim Stichwort “Gesellschaftskritik” an der Münchner Street-Art-Größe Skore 183 nicht vorbei- will man ja auch nicht:

Skore 183, Wallstreet Suite, 2010

Skore 183, “Wallstreet Suite” 2010 via flickr

Nachschlag kann man sich in ganz München und bis zum 10. Juni in der Galerie artThiess holen. Ebenso beeindruckend sind die Materialarbeiten von Torsten Mühlbach, zusammengetackert aus internationalen Mülltüten:

Torsten Mühlbach, Superdeath, Materialbild, Internationale Mülltüten, 2009

Torsten Mühlbach”Superdeath”2009 via flickr

Was dem Kind sein Spinat ist dem urbanen Künstler seine Stroke. Sie soll den vermeintlich marktfernen Ausfluss der Subkultur fit für den großen Kunstmarkt machen. Und wie Spinat, polarisiert auch die Stroke. Einige genießen die Plattform zur lukrativen Selbstdarstellung, andere ziehen eher widerwillig mit und murren gegen die kommerzielle Polung der Messe. Trotzdem: Wenn zu Feierabend ein paar Werke verkauft sind, freut sich jeder. In einem Bild:

Die Straße ist auch morgen noch meine Galerie, ATM Galery

via flickr

oder auch ganz pragmatisch:

Shirts 20 €

via flickr

Die Hot Cheese Crew gibt allen Fernsehkindern und Zöglingen der Masters of the Universe ein zeitgenössisches Stilleben:


Hot Cheese Crew


via flickr

Faszinierend sind die Arbeiten der Künstler Maximilian Geuter und Rafael Gerlach, vertreten von firstlines. Sie haben der Natur organische Fremdkörper eingesetzt- wie harmonisch das wirkt, seht ihr hier:

GerlachGeuter Waldinszenierungen

GerlachGeuter

GerlachGeuter 01, 2010

GerlachGeuter aus der Serie “Waldinszenierungen”, 2010 via flickr

Sex schreit nach wie vor aus vielen Ecken, vielleicht nicht ganz so schrill wie sonst: Während einige Künstler immer noch Gefallen an orgiastischen Motiven mit viel prallem Fleisch finden, schieben die wenigen Künstlerinnen oft Geschlechterdifferenzen in den Bildmittelpunkt.

Ebenfalls organisch und fleischlustig zerrt Ben Wittner von xhoch4 mit seinem City Chicken an den Grenzen der Tierliebe. “Kunst zur Verbesserung der Menschheit” kann so aussehen:

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken, xhoch4

Ben Wittner, City Chicken 2010 via flickr

Seit der Stroke.01 im Oktober 2009 hat sich einiges geändert. Alles ist größer, der Mietpreis pro Ausstellungsquadratmeter um ein Vielfaches teurer geworden und Sicherheitsleute stehen an jeder Ecke. Das trieft vor Ironie, wenn man bedenkt, dass viele Urban Artists nur zögerlich aus dem Schatten der Illegalität hervortreten und ihre Pseudonyme fallen lassen.

Passend geht es weiter mit den sympathischen Jungs der Galeria Autonomica aus Wetzlar und einem larmoyanten Zwinkern Richtung Kunstmarkt:

Christian Minke, Safety First, 2009

Christian Minke, Safety First, 2009 via flickr

Galeria Autonomica

Galeria Autonomica, via flickr

Wenn Lebensmittelfarbe und Dekadenz sich vereinen, sieht das ein wenig nach Chemielabor aus. Das neue Café Kubitscheck hat sich mit dem wohlklingenden Motto “Fuck the Backmischung” per Online-Aufruf einen Tortendesigner gesucht- und natürlich gefunden. Das Ergebnis? Bitteschön:

A Torten T by Café Kubitscheck

A Torten T by Café Kubitscheck

via flickr

An Stroke.01 konnte man sich schon wund sehen. Das aktuelle Areal ist um einige Stockwerke und Nebenschauplätze größer, was sich dementsprechend auf  Zeitplanung und Bindehaut auswirkt. Zwar stehen sich Qualität und Quantität hier wenig im Weg, doch gelegentlich zwickt einen das Gefühl, Zeuge redundanter Reproduktionen zu sein. Weichgespülte Gesellschaftskritik, die sich dem Markt anbiedert, ist aber nicht nur ein Problem der Urban Art.


Mongomania

Stroke.02

Stroke.02

Stroke.02

LEGO PLAYGROUND

Wir schweifen kurz ab, weil ich beim Thema LEGO noch dringend Christoph Niemann erwähnen muss, der aus den beliebten Plastikklötzchen inspirierend minimalistische Gedankengerüste baut, nämlich hier.

Und über Brasilien geht’s zurück nach München, wo wir einen Blick auf die Arbeit von Graffitigröße Claudio Ethos werfen, der für die Stroke.02 eingeflogen wurde:

via stroke.02

Zum Schluss noch zwei Bonbons: Wie im letzten Jahr waren auch diesmal die Künstler vom Castle Magazine vor Ort, mehr dazu gibt’s hier.

Während alle anderen ins Internetz abwandern, schalten die Jungs und Mädels vom Fotomagazin Der Greif auf analog und feiern die ästhetische Vereinigung von Fotografie, Literatur und Design. Das Ganze klingt so regressiv und ist dabei so charmant, dass es schon wieder Zukunft haben könnte!

Der Greif

via Der Greif

Und wie geht es für die weltweit erste Messe für Urban Art weiter? Die Stroke.03 verlässt München und findet vom 7. – 10. Oktober 2010 in Berlin statt. In diesem Sinne:

Orgasm Fight Club

gesehen bei luis de dios

Der fantastische Mr. Fox

Der fantastische Mr. Fox

via filmofilia.com

Endlich wieder Filmfutter vom Meister der Macke, also Mund zu und Augen auf für Wes Andersons Der fantastische Mr. Fox (2009).

Nach der ewigen Rechtebettelei bei Roald Dahls Witwe, konnte Wes Anderson nun endlich mit Co-Autor Noah Baumbach die Stop-Motion Adaption des gleichnamigen Kinderbuchs in die Kinosäle schleusen. Seit dem 13. Mai nun auch hier zu sehen, Zeit für uns in den Trailer zu schnuppern:

via

Zum Plot: Obwohl Mr. Fox (George Clooney) seiner Frau (Meryl Streep) versprochen hatte, die Pfoten vom Hühnerstehlen zu lassen, ist er nach 12 Jahren und einem Sohn wieder dabei, die familiäre Speisekammer mit stibitztem Federvieh zu füllen. Irgendwie muss das bürgerliche Fuchsleben ja finanziert werden, und seine Zeitungskolummne liest eh kein Schwein.

Der große Coup steht aber noch bevor: Die Fuchsfamilie zieht aus dem unterirdischen Bau in einen villenartigen Baum- mit direktem Blick auf drei Geflügelfabriken. Ein leichtes Spiel für den gerissenen Mr. Fox, wären die drei Fabrikbesitzer nicht ebenso gemein, wie sie dick, klein und mager sind. Hier kommt noch ein Filmfetzen:

via

Mr. Fox bringt also nicht nur die stacheldrahtige Welt der Menschen durcheinander, sondern auch die gesamte Tierwelt in Gefahr. Denn die drei Bauern vom Geflügelfach gieren nach Rache und scheuen weder Geld noch Skrupel.

Aber Wes Anderson wäre nicht er selbst, würde er der Fuchsfamilie nicht seinen gewohnten Touch Exzentrik verleihen. So kämpft der andersgeratene Fuchssohn Ash (Jason Schwartzman), nicht nur um die Anerkennung seines Alphavaters, sondern konkurriert auch mit Cousin Kristofferson (gesprochen von Andersons Bruder Eric), der die Fuchsfamilie durch allgemeine Exzellenz bereichert. Mrs. Fox ist es währenddessen leid, ihren Mann mit dessen Hang zur Gesetzlosigkeit zu teilen.

Zugegeben, trotz des Stop-Motion Charmes wirken die Charaktere manchmal ein wenig flach, auch wenn sich Anderson neben dem gewohnten Ensemble (Owen Wilson als Sportcoach), prominete Sprecher wie Cloney und Streep ins Boot geholt hat.

Dennoch sind die 87 Minuten ein Vergnügen, und nach dem ganzen 3D- Hype, ist dieses Stück Retrofilmkunst allemal sehenswert. Wer anderer Meinung ist, kann sich bei den fünf Filmfreunden Verstärkung holen.

Fazit: Detailverliebtheit und philosophische Knusperchen würzen die formal kindgerechte Story so auf, dass sie auf jeden Fall auch faltigeren Existenzen audiovisuelle Bespaßung bietet. Und allein Willem Dafoes Stimme aus dem Maul einer versoffenen Ratte zu hören, macht den fantastischen Mr. Fox noch um eine Spur fantastischer! [rating=4]

Street Fighter, Werwölfe und Hirnmassenkarambolage

Ab und an ist es angebracht, das Nostalgieorgan zu füttern und in sanfte Regression zu verfallen.

Ja, diese Töne habe sich einigen tief in die Schädeldecke eingebrannt- Shoryuken und ab in die 90er!

YouTube Preview Image
via Buzzfeed

Wer sich jetzt fragt, was die Kids von heute so treiben, lehnt sich bitte zurück und genießt:

YouTube Preview Image

via theinternettoday.net

Wieso muss ich immernoch an Blanka denken? Da bleibt nur die Hoffnung, dass wenigstens die kommende Generation von Stephenie-Meyer-Ausfluss verschont wird!

Dann doch lieber nudelnde Hirnmasse, die uns -immerhin auf sehr organische Weise- zu einem Autokauf anregen soll:

YouTube Preview Image

via BuzzFeed

Fiat, WTF?

Kill Reifen, kill!

Rubber

via twitchfilm.net

Quentin Dupieux alias Mr. Oizo, kennen viele aus nächtlichem Beatzirkus und eher nicht vom Film. Dabei hat er sich schon mehrfach als Filmemacher versucht, 2001 bescherte er uns Nonfilm und 2007 tischte er Steak auf.

Jedenfalls hat der Gute mal wieder ordentlich in seiner Hirnmasse rumgewühlt, bis er auf eine bescheuerte Idee gestoßen ist, die wahrscheinlich jeder andere verworfen hätte. Gut, dass er es nicht getan hat.

Das Resultat ist nämlich ein fieses Roadmovie, mit einem aggressiven Autoreifen namens Robert in der Hauptrolle. Der wurde verstoßen und rollt wütend durch eine Wüstenlandschaft. Als er entdeckt, dass er telepathische Kräfte besitzt, lässt er zunächst Insekten und Kleinvieh zerplatzen- mit purer Willenskraft natürlich. Bald wendet er sich größeren Lebewesen zu…

Schmeckt nach Kult, mehr dazu gibt’s bei De:bug. Debütiert hat Rubber soeben in Cannes, hier findet ihr eine Review. Jetzt aber flott in den Teaser:

Vimeo DirectRubber

Weil das nicht reicht, hier noch ein Knusperchen:

Vimeo DirectRubber

Auch nicht schlecht: Den Soundtrack haben neben Mr. Oizo,  SebastiAN und Justice mitgestaltet.

Rubber rollt ab dem 15. September durch die französischen Kinos und ein US-Verleih hat scheinbar auch angebissen. Hoffen wir also, dass er hier ebenfalls unterkommt!

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Ab geht’s mit brandheißem Kinofutter und einer visuellen Delikatesse von Haim Tabakman: Einaym Pkuhot- Du sollst nicht lieben (2009).

Eyes wide open

via imdb

Die Titelgebung schmeckt zwar eher nach einem lauen Fernsehfilm mit Bettina Zimmermann, der Inhalt überzeugt aber und ich freue mich gerade wie ein zwiebelnaschender Pavian, dass dieser Film endlich auch deutsche Kinogefilde bespielt, nämlich ab dem 20. Mai!

Man erinnere sich Ang Lees Brokeback Mountain (2005), schiebe die Handlung nun nach Mea Shearim, also ins ultraorthodoxe Viertel von Jerusalem. Die Cowboys sind in dem Fall ein Fleischer und sein Lehrling. Neugierig? Dann ab in den Trailer:

YouTube Preview Image

Zum Plot:

Aaron Fleishman (Zohar Shtrauss) führt ein geregeltes Leben. Gerade hat er die Fleischerei seines verstorbenen Vaters wiedereröffnet, engagiert sich in der Gemeinde und sorgt für Frau und vier Kinder. Doch macht ihn sein Leben glücklich? Er funktioniert lediglich.

Erst durch den Studenten Ezri (Ran Danker), der während eines Unwetters in Aarons Laden nach Unterschlupf und Arbeit sucht, entkommt er der Lethargie seines Alltags.

Eyes wide open

via filmstarts.de


Ezris Andersartigkeit sickert schnell durch die Gemeinde, schneller als Aaron merkt, was in ihm vorgeht. Eine gewisse Spannung an der Fleischtheke ist nicht zu leugnen. Zunächst sieht er in der Versuchung eine Prüfung seines Glaubens.

Wird er widerstehen? Will er? Minimale Mimikdifferenzen in Aarons bärtigem Gesicht lassen erahnen, was in ihm vorgeht. Dass diese Liebelei in der Gemeinde und für Aarons Frau Rivka (Tinkerbell) eine Unmöglichkeit darstellt, ist klar. Wie sich Aaron entscheiden wird, nicht.

Du sollst nicht lieben

via stockholmfilmfestival.se


Im Gegensatz zu Filmen von Eytan Fox wie Yossi & Jagger (2002) oder The Bubble (2006), die sich Tel-Aviv als Kulisse nehmen, lassen die engen Gassen von Mea Shearim kaum Platz für queere Gedanken.

Tabakmans ästhetisierte Bildkompositionen erlauben eine Distanzierung, die den filmischen Realismus entschärft, und das Werk beispielsweise von Trembling before G-d (2001), einem ähnlich verorteten Dokumentarfilm abhebt. Zwar bietet sich der Einsatz von Melodramatik an, aber Tabakman entzieht sich- ohne dabei Nüchternheit zu vermitteln.

Er nimmt sich Zeit. Zeigt, ohne zu polemisieren. Die Bilder, die uns Kameramann Axel Schneppat auf die Augen wirft, wirken reduziert, kraftvoll und einnehmend. Um innere und äußere Konflikte authentisch zu gestalten, hat Tabakman sich von Homosexuellen und Ultraorthodoxen beraten lassen, dazu gibt’s hier ein interessantes Interview.

Fazit: Schöne Bilder, die auch lange nach Filmgenuss im Kopf bleiben und wohlplatzierter Konfliktstoff, der abseits der unmittelbaren Thematik universelle Werte behandelt, ergeben ein sehr sehenswertes Regiedebut, Chapeau! [rating=5]

64. Festival de Cannes

Vom 12. bis zum 23 Mai ist die Croisette mal wieder filmisch vollgepackt, das Festival de Cannes schmeißt zum 63. Mal Filmfutter auf den Präsentierteller, wir riechen mal rein!

Zwar haben Unwetter ein floppiger Robin Hood und gebrochene Filmversprechen (Somewhere von Sofia Coppola ist leider nicht dabei) schon für schlechte Laune gesorgt, weil aber Tim Burton dieses Jahr Jurypräsident ist, besteht noch Hoffnung. Auch sonst sind ein paar große Namen und Filme vertreten.

Außerhalb des Festivals läuft der neue Woody Allen. Wie immer geht’s um Paare, bisschen Sex und viel Gerede.  You will meet a tall dark stranger (2010) zieht erst am 2. Dezember in die deutschen Kinos ein, hier kommt dennoch ein Vorgeschmack:

YouTube Preview Image
Youtube Direktstranger


Möge er besser sein, als Whatever Works!

Seit Damien Odouls L’histoire de Richard O. (2007), bin ich großer Fan von Matthieu Almaric. In seinem Wettbewerbsfilm Tournée (2010) spielt er einen Pariser Produzenten, der seine Zelte in der Heimat abbricht, in den USA eine New Bourlesque Show heranzüchtet, um in Frankreich den erhofften Erfolg zu ernten. Seine Tänzerinnen wollen natürlich nicht nur fleischlich in die Show miteingebunden sein und ansonsten läuft auch nicht alles nach Plan. Ab in den Trailer:

YouTube Preview Image
Youtube Direkttournée


Auch der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul, der für seine eigenwillige Verbindung von Fiktion und Dokumentarfilm bekannt ist, mischt sich mit Uncle Boonmee, Who Can Recall His Past Lives (2010) in den Wettbewerb. Der Film ist Teil des Primitive-Projekts, das 2009 im Münchner Haus der Kunst zu sehen war. Hier kommt der Trailer:

YouTube Preview Image
Youtube Direktreincarnation


Abbas Kiarostami buhlt mit Copie Conforme (Certified Copie, 2010) ebenfalls um die Goldene Palme. Der Film spielt erstmals außerhalb seiner iranischen Heimat und zeigt uns ein Paar in der Toskana. Aber ist das Paar wirklich zusammen? Handelt es sich um eine Affäre, die auf eingebildeter Substanz aufbaut oder um eine Langzeitbeziehung, die sich frischen Wind vorspielt? Hier ein Teaser:

YouTube Preview Image
Youtube Direktaffaire


HFF-Absolvent Christoph Hochhäusler ist mit Unter dir die Stadt (2010) in der Sektion Un Certain Regard nominiert. Darin geht es um die heimliche Beziehung zwischen einem Bankmanager und der Frau eines seiner Angestellten. Machtspiele? Aber sicher! Den Trailer gibt’s hier.

In der Sektion Cannes Classics darf man sich auf Tristana (1970) von Louis Buñuel freuen. Dort spielt Catherine Deneuve ein unschuldiges Waisenkind, das von ihrem Adoptivvater kompromittiert wird und nicht mehr von ihm loskommt. Eine Amour fou vom Enfant Terrible des surrealistschen Films, hier der Trailer:

YouTube Preview Image
Youtube Direkttristana


Diverse Hintergrundinfos gibt’s auf arte.tv

Granteln 2.0

Absolut sinnfrei und frisch aus dem Netz kommen hier zwei gutgelaunte Kerle mit viel Dampf unter der Schädeldecke. Also Mund zu und Augen auf!

Wir alle kennen ihn. Anzutreffen im öffentlichen Nahverkehr, in der Supermarktschlange wahlweise auch in der Münchner Ludwigsvorstadt: Der gemeine Grantler. Das Gesicht zu einer Presswurst verzogen, die Stimme dumpf und polternd, quasi miese Laune auf zwei Beinen.

Klar, gelegentliche Aussetzer sind potenziell kathartisch, gesund und empfehlenswert. Doch bei regelmäßigem Training, wächst auch der Grantelmuskel und kann geradezu soziopathische Ausmaße annehmen.

Amüsant ist das Ganze aber durchaus -bei angemessenem Sicherheitsabstand jedenfalls:

YouTube Preview Image
via nomnomnom

Mehr davon gibt’s bei shitrandyhates. Ein gefrusteter Kerl aus Portland lästert dort ausgiebig über Popkultur, Hipsterzeug und alles, was du vielleicht magst. Selten war schriftliche Aggression so bissig. Sorgt mit Sicherheit für ein böses Grinsen, auch wenn Wes Anderson hier nicht gerade gut wegkommt!

Das reicht erstmal, zum Schluss gibt’s organischen Wildwuchs auf die Augen!

organischer Wildwuchs

via mrod.wordpress.com

Wo hört Baumpflege auf?

Synästhesie vs. Michel Gondry

Ab geht’s mit Filmhäppchen für’s Wochenende! Mund zu und Augen auf für einen großen Kurzfilm und visuelle Brause von Michel Gondry!


In  Synesthesia von Terri Timley werden Zeitungen gebraten und Tintenfische verkabelt. Die Future Shorts nehmen den Film übrigens im Mai mit auf Tour! Wer auf die große Leinwand verzichten kann, lehnt sich zurück:

Vimeo Directsynesthesia

Wenn ich an Michel Gondry denke, läuft folgende Assoziationskette durch meine Hirnrinde: Eternal Sunshine of a spotless Mind, gefolgt von bauchtanzenden Schimpansen, Käseautomaten und einen einsamen Shrimp, der in einem Toilettenschpülkasten Purzelbäume macht.  Wenn es euch ähnlich geht, bin ich erleichtert. Wenn nicht, schaut euch einfach folgenden Ausschnitt aus Michel Gondrys Gastregie bei Flight of the Conchords an, quasi als Ablenkung:

YouTube Preview Image
via

Nach Massive Attack, Daft Punk und The Chemical Brothers wird es bei folgendem Video unter Gondrys Regie wieder etwas ruhiger, dafür bunter:

via

Mehr zur Sängerin Mia Doi Todd gib’t hier!

<a href=”http://www.brainbliss.com” id=”MA43456107″>Blogging tools</a>

Dok.fest München 2010

Der Filmtran der letzten Wochen hat ein Ende. Vom 5. – 12. Mai durchleuchtet das 25. Internationale Dokumentarfilmfestival ausgewählte Münchner Lichtspielhäuser und hat außerdem noch das passende Kinowetter mitgebracht!

Alle Filmhungrigen dürfen sich dann 72 Filme aus 32 Ländern und ein stattliches Rahmenprogramm einverleiben. Bei Verdauungsbeschwerden können die Regisseure vielleicht persönlich helfen, die meisten werden jedenfalls anwesend sein. Es darf also sinniert werden, wie im Trailer:

YouTube Preview Image

Was es alles zu sehen gibt, erfahrt ihr hier und wer sich das Komplettpaket an Faktenfutter reinziehen will, der schmökert durch den Katalog zum Festival. Den Auftakt macht der Bergfürst von Philip Vogt am 5. Mai  im City 1 um 20 Uhr.

Ein prominentes Vorführobjekt ist sicherlich David wants to fly von David Sieveking. Der Film hatte auf der Berlinale 2010 Premiere- soweit zwar prima, aber nicht spektakulär. Interessant ist vielmehr, dass David Lynch, um den es im Film geht, den Festivalauftritt verhindern wollte. Warum? Vielleicht hilft ein Blick in den Trailer:

http://www.dailymotion.com/videoxcybnf

Jakob Stählin von Schnitt hat schonmal reingespäht und verrät uns, ob die Rechnung von David² + TM= Erkenntnis aufgeht. Übrigens geht David mit seinem Werk auf Deutschlandtour, die Koordinaten findet ihr hier.

Zum WM-Jahr steuert Afrika als Festivalgast eine eigene Filmreihe bei: Dok.guest Africa

Während Christoph Schlingensief noch an seiner Interpretation von Fitzcarraldo in Ouagadougou bastelt, reflektiert dort Regisseur Jean-Marie Teno in Lieux Saints (Sacred Places) über die identitätsstiftende Bedeutung von Kunst und Kultur in Afrika unter dem Einfluss der Globalisierung, da geht’s zum Trailer.

Eine zweite Chance für alle, die Triptych von Magdalena Hutter verpasst haben, bietet außerdem der Gasteig vom 5. bis 16. Mai.

Abseits von Kitsch und Elendstourismus eines Slumdog Millinonaire bewegt sich At my Doorstep von Nishtha Jain durch den Moloch Mumbay. Wer reinschnuppern will, kann das hier tun. Der Film hat kürzlich auf dem 8. Indian Film Festival in Los Angeles als Best Documentary überzeugt, wir können also gespannt sein!

At my Doorstep

via thehindu.com

Zum Abschluss werf’ ich euch eine -sagen wir mal fordernde -Mixtur aus Japan auf die Nerven. We Don’t Care About Music Anyway von Cédric Dupire und Gaspard Kuentz, aber seht selbst:

YouTube Preview Image

Karten gibt’s an den Kinokassen und unter www.muenchenticket.de

Der Blobfisch und andere Weichteile

Mund zu und Augen auf für die organischen Fundstücke der Woche!

Blobfish

via mnn.com

Der Blobfisch (Psychrolutes marcidus) gehört zur Familie der Dickkopf-Groppen und ist quasi der Reiner Calmund des Pazifischen Ozeans. Erster Ausruf: WTF! Zweiter: Das arme Ding! Klar, man stelle sich vor, wie der kleine, gallertartige Blobfisch-Junge täglich im Fischgarten von seinen Mitfischen gemobbt wird, weil er seinen Speichelfluss nicht unter Kontrolle hat und aussieht wie ein fleisch- bzw. fischgewordener Hubba Bubba.

Als ob das nicht doof genug wäre, ist er außerdem vom Aussterben bedroht. Wenn also jemand spontan den Drang verspürt, sein künftiges Buch, sagen wir mal Blobfisch-Roadkill zu betiteln, möge er sich bitte bei mir melden. Denn vielleicht kann man so dafür sorgen, dass dieses groteske Geschöpf noch ein paar Lenze weiter herumschwubbern darf. Beim Axolotl hat’s ja auch funktioniert, wie man hier nachlesen kann.

Wir bleiben schleimhaltig. Spätestens seit Isabella Rossellinis Green Porno, wissen wir mehr über das Untenrum von Weichtieren. Martin Püschel, ein deutscher Illustrator, hat sich ganz der akkuraten Wiedergabe von Schneckengenitalien verschrieben. So sieht das dann aus:

Martin Püschel

via vice

Ein Interview gibt’s hier.

Genug mit dem Tierkram, wir werden wieder anthropozentrisch. Was passiert, wenn man to eat pussy seiner metaphorischen Bedeutung entledigt und in den Ofen schiebt? Anatomisch korrektes Naschwerk, natürlich: Muschi-Cupcakes!

vagina cupcakes

via jetzt.de und buzzfeed.com

Hunger? Bitteschön: Das Rezept zum Nachbacken. Alle anderen dürfen sich bei so viel optischer Reizüberflutung gerne ein regressives Nickerchen gönnen, eingebettet in diese organischen Sofakissen:

organsiche KIssen

via etsy

So, und wann gibt’s endlich Blobfischkissen oder jemanden, der sich grafisch, vielleicht sogar kulinarisch mit dem Reproduktionsorgan von besagtem Meeresbewohner auseinandersetzt? Neuigkeiten bitte an mich weitergeben!