Monthly Archives: April 2010

Les herbes folles

Ab geht’s mit saftigem Filmfutter aus der Presse des Altmeisters Alain Resnais: Les herbes folles -Vorsicht Sehnsucht (2009). Drückt also bitte den frankophilen Schalter sachte runter und folgt mir in einen Film, der sich mit einer Portion Charme und einer Gallone Absurdität gegen jede Erwartungshaltung wehrt!

Les  herbes folles

via orangedoe.wordpress.com

Zum Plot: Zahnärztin Marguerite Muir (Sabine Azéma) kann aufgrund ihrer leicht deformierten Füße nur in einem bestimmten Geschäft in Paris Schuhe kaufen. Doch nach erfolgreicher Fußversorgung wird ihre Handtasche gestohlen. Georges Palet (André Dussolier) findet Marguerites Portemonnaie in einer Tiefgarage.

Er beginnt, sich eine Welt rund um ihre Existenz zu spinnen, betrachtet ihre Fotos, begutachtet ihren Pilotenschein und ruft sie vergeblich an. Schließlich gibt er das kostbare Fundstück wehmütig auf dem Polizeirevier ab.

Als sich Marguerite unverbindlich bei Georges meldet, um ihm zu danken, beginnt ein bizarrer Stalk-Wettbewerb zwischen den beiden. Dabei werden sie von Georges Frau, der Polizei und Marguerites Kollegin  mal ausgebremst, dann wieder angetrieben. Neugierig? Ab in den Trailer:

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Dieser Film fängt irgendwo vor dem Anfang an und hört definitiv nach dem Ende auf. Voller Verve inszeniert Resnais seine Charaktere. Mit ihrer Präsens schaffen sie es, uns zu vereinnahmen. Wir bleiben bei ihnen, selbst wenn die Erzählstruktur uns Fragezeichen in die Hirnrinde wirft.

Uns eröffnet sich ein ästhetischer Wildwuchs an hochgezüchteten Erwartungen, unhaltbaren Projektionen und großen Enttäuschungen. Es geht um verlebte Möglichkeiten und mögliche Illusionen, die sich all in ein großes “Was wäre, wenn…?” verknoten.

Les herbes folles

via lesherbesfolles-lefilm.com

Fazit: Les herbes folles ist ein cinéastischer Zaubergarten und mit Sicherheit kein filmisches Unkraut. Hier wuchert die Fantasie eines Meisters. Anschauen und überraschen lassen!

Ab 22.04. im Kino.

[rating=5]

Von Bloggern und Internet-Freaks

Evolution

via dailydesignmag

Googelst du dich manchmal selbst? Und, wenn ja, würdest du es mit ‘intellectual mastrubation’ gleichsetzen?

Sind alle Blogger verkappte Egozentriker und dienen Blogs nur der eigenen Selbstdarstellung? Leben wir in einer Netokratie?

Benjamin Rassat hat sich in seinem Dokumentarfilm Von Bloggern und Internet-Freaks (Frankreich, 2009) diese und ähnliche Fragen auf den Rücken geschnallt und ist damit bei Bloggern, Mediengurus und Freaks wie The Compulsive Confessor, Andrew Keen oder Loïc le Meur hausieren gegangen. Wo Bloggen aufhört und Wahnsinn anfängt ist dabei manchmal nicht ganz klar:

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via makemebad35

Rassat will unsere medial durchwachsene Lebensgestaltung behandeln, schwenkt dann zeitweise eher auf den vermeintlichen Narzissmus der Blogger, um gegen Ende noch die Kurve zu einem gelungenen Meta-Beitrag über unser virtuelles Geblubber zu kriegen. Der Filmkonsum lohnt sich jedenfalls -auch für alle Nichtblogger.

Von Bloggern und Internet-Freaks lief  am 21. April auf ARTE und ist noch ein paar Tage auf ARTE+7 verfügbar.

Wie anal darf es sein?

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich durchwühlt, einige beachtenswerte Prachstücke werden aufgegriffen und sinngerecht portioniert. Also Mund zu, Augen auf!

Wie anal darf Kunst eigentlich sein? Das niederländische Künstlerkollektiv Atelier van Lieshout bewegt sich an der Bruchlinie zwischen Ästhetik und Nützlichkeit. Bis zum 2. Mai kann man die organischen Skulpuren der Künstler auf dem Außengelände des MUMOK in Wien begehen. Nebst der obigen BarRectum (2005), kann man sich dort auch in einen großzügig dimensionierten Damentorso namens Bikinibar (2006) und Darwin (2008), ein dunkelblaues Spermium, hineinfühlen. Hier eine kleine Einführung:

BarRectum, Arsch Bar, Asshole Bar, Bar Anus. While the translations sound different, the form is universally recognizable. The bar takes its shape from the human digestive system: starting with the tongue, continuing to the stomach, moving through the small and the large intestines and exiting through the anus. While BarRectum is anatomically correct, the last part of the large intestine has been inflated to a humongous size to hold as many drinking customers at the bar as possible. The anus itself is part of a large door that doubles as an emergency exit.

via ateliervanlieshout.com


Also, wer die Kombination aus Alkohol und Anus anregend findet, weiß wohin er gehen muss! Zum Rahmenprogramm gehört außerdem
die Installation

„Anal Reactions 2.0.: Man vs. Woman“ von Jana Herwig a.k.a. digiom, BIKUM/quartier21:

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Die Installation bewegt sich im Windschatten eines Internetphänomens: Ein
unaussprechlicher Trailer gerät in die Social Web-Zirkulation und taucht invisibilisiert
in Formvon Reaktionsvideos und somatischen Experimentalsituationen
wieder auf, in die Freundinnen ihre Freundinnen, Freunde ihre Freunde
versetzen und immer live mitfilmen.

via MUMOk


Zum Abschluss entzückt uns Devendra Banhart mit dem melodischen Baby aus den Tiefen von Analistan:

via jetzt.de