Un Prophète – Ein Prophet (F/I 2009. Jacques Audiard)
Wir ihr vielleicht schon gemerkt habt, haben wir einen feinen Bogen um die Goldmännchenverleihung vom vergangenen Sonntag gemacht.
Am Donnerstag läuft nun ein Film an, der neben Michael Hanekes Kindergeschichte, in der Kategorie bester ausländischer Film nominiert war. Gewonnen hat zwar der argentinische El secreto de sus ojos von Juan José Campanella, wir wenden den Blick aber dennoch Richtung Frankreich.
Also Mund zu und Augen auf für Un Prophète, Jacques Audiards gesunder Mischung aus Coming of Age- Story, Gefängnisdrama und Gangsterstreifen. Trailer? Bitteschön:
Zum Plot:
Als der 18- jährige, marokkanisch-stämmige Malik (Tahar Rahim) wegen Tätlichkeiten gegenüber Polizisten zu sechs Jahren Haft verurteilt wird, kann er weder lesen noch schreiben und wirkt auf den ersten Blick eher so, als würden zwei Affen in seinem Kopf Ball spielen. Als er nach dem “Bildungsurlaub” wieder rauskommt, hat hat er mehrere Menschen auf dem Gewissen, sowas wie einen Schnurrbart im Gesicht und kann sogar korsisch.
Alles fängt damit an, dass er sich entscheiden muss. Will er überleben, muss er der Korsenmafia zuarbeiten, die sich wie ein Pilzgeflecht durch die gesamte Gefängnisstruktur zu ziehen scheint. Das bedeutet zunächst, dass er seinen arabischen Knastnachbarn mit einer Rasierklinge aus dem Weg räumen muss, weil dieser den korsischen Gefängnispaten César Luciani (Niels Arestrup) verärgert hat. Die passende Mordchoreographie ist Lektion Nummer eins. Dass die Wächter mitspielen, Lektion Nummer zwei.

Nach seiner Feuertaufe wird er Césars Laufbursche. Er arbeitet sich langsam hoch und lernt die Regeln des komplexen Machtgefüges kennen, nach denen er funktionieren kann. Für die Araber ist er der übergelaufene Korse, für die Korsen der ewige Araber. Er selbst sieht sich auf keiner der beiden Seiten. Für uns bleibt er ein Fremder.
Martin Scorseses The Departed oder Goodfellas zwinkern uns zu und Coppolas Pate ist sowieso allgegenwärtig, allerdings in einer abgekühlten und entromantisierten Form. Dennoch bleibt Audiard bei seiner Geschichte. Er reichert sie mit ein wenig Mystik und exzellenten Schauspielern an und serviert uns brutale, sozialkritische und vielschichtige Filmkost.

Fazit:
Un Prophète liefert 150 Minuten dichte Einblicke in den Aufstieg eines Mannes, der sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet und alles irgendwie richtig macht. Ab 11.03. im Kino.
[rating=4]

