Monthly Archives: März 2010

A Single Man +++ The Blind Side +++ Legion

Filmisch ist heut so ziemlich alles dabei. Wir beginnen mit Tom Fords Designerstück A Single Man, im zweiten Gang folgt das Bullock-haltige Rührstück The Blinde Side und verfeinert wird das Menü von Legion, einem abgetrashten SF-Miststück. Filmhunger? Na dann Mund zu und Augen auf!


A Single Man

Wer glaubt, dass A Single Man (2009) Tom Fords Adaptation einer Novelle von Christopher Isherwood, lediglich aus 101 Minuten Dauerwerbung für seine neuste Kollektion besteht, der hat zwar nicht ganz unrecht (Firth trägt natürlich Ford), wird aber sehen, dass der gute Tom sich mit seinem ersten Filmversuch durchaus sehen lassen kann, sehr sogar. Zurück in die 60er und ab in den Trailer:

Zum Plot:

Wir sehen einen Tag im Leben eines Mannes, dessen Herz bitter am Tod seines Lebensgefährten zerbrochen ist. Zutiefst tragisch, oft tiefgründig aber immer exzellent gekleidet wandelt George (Colin Firth) durch diesen Tag, der vielleicht sein letzter sein wird. Er steht auf, geht an die Universität um zu unterrichten, leert später sein Bankschließfach und holt sich Munition für die Waffe, mit der er sich aus seinem Elend schießen will.

Kann seine beste Freundin und ehemalige Geliebte Charley (Juliane Moore) ihn von einer gemeinsamen Zukunft überzeugen? Oder wird Kenny (Nicholas Hoult), ein penetranter und lebenshungriger Student mit häßlichem rosa Mohairpullover ihn zurück in die Gegenwart holen? Ab 8. April wissen wir mehr. Bis dahin kann man sich hier Appetit holen.

Fazit: Ein ästhetisches und gehaltvolles Zuckerschlecken.[rating=4]

Wie versprochen, kommt hier Nachschlag aus einer anderen Ecke, The Blind Side (2009) ist ab 25. März im Kino und John Lee Hancocks Verfilmung einer realen Geschichte.

The Blind Side

via filmstarts.de

Sie handelt von Michael Oher (Quinton Aaron), einem afroamerikanischen Jungen, der aus elenden Verhältnissen in den Schoß einer großzügigen weißen Vielverdienerfamilie aufgenommen wird, um sich vom tumben Sorgenkind zum Profi-Footballspieler zu entwickeln. Insgesamt läuft die Erfolgsstory linear vor sich hin, stolpert an einem kleinen Twist und bleibt sowohl inhaltlich als auch filmisch auf der konservativen Seite. Rein in den Trailer:

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Fazit: Der Geruch von Kitsch liegt in der Luft. Besonders hübsch ist eine Szene, in der Übermutti-Bullock dem bulligen Pflegeobjekt aus einem Kinderbuch vorliest, dass einem der Magen rumort. Selbst wenn sich das Ganze an eine wahre Geschichte anlehnt, fragt man sich, wieso sämtliche Klischees bis zum Zerbersten bedient werden müssen. Wer nach einem ordentlichen Verriss giert, kann sich bei den fünf Filmfreunden bedienen.[rating=2]

Was jetzt kommt ist absolut nicht arthausig, sondern eine ordentliche Ladung trashiger SF-Endzeitstimmung. Manchmal kann ein übler Film unglaublich amüsant sein, so auch Legion (2010) von Scott Stewart, seit 18. März im Kino.

Legion

via moviepilot

Zum Plot: Gott glaubt nicht mehr an die Menschheit und schickt seine Engel aus, um die Welt zu bereinigen. Erzengel Michael (Paul Bettany) ist der einzige, der noch Hoffnung sieht. Großzügig bewaffnet macht er sich auf, um eine kleine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Opfer an einer Tankstelle inmitten der Mohave Wüste vor der Apokalypse zu bewahren.

Unter ihnen ist auch die hochschwangere Charlie (Adrianne Palicki), deren Kind die Rettung der Menschheit darstellt. Ziel ist es nun, dass dem Ungeborenen nichts geschieht. Doch das erweist sich als reichlich schwierig, denn die zum Bösen mutierten Engel haben Hunger und gieren nach Menschenfleisch.

Schnell in den Trailer:

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Fazit: Spätestens nachdem die fleischlustige Oma die Szenierie betritt, kann man das Zucken im Zwerchfell nicht zurückhalten, will man ja auch nicht. Erwartet also dämliche Dialoge, ungeplante Homoerotik, Löcher in der Logik und ein gelungenes Miststück von einem schlechten Film![rating=2]

Untenrum abgefüllt

Am besten ihr lehnt euch schonmal schön zurück, denn was jetzt folgt, ist harte Kost.

Also Mund zu und Augen auf für den äußerst organischen Nasenschmeichler eines deutschen Parfumkreateurs: Vulva.

http://www.viceland.com/blogs/de/files/2010/03/picture-91-635x327.png

Via Vice

Was steckt drin? “Urin, Schweiß und weibliche Erregung.” So formuliert das jedenfalls Guido Lenssen, Chef der Firma rund um das Geschäft mit dem Muschiduft.

Beim Vice Magazine gibt’s ein nettes Interview mit dem Duftgenie. Die genaue Quelle der olfaktorischen Reizüberflutung wird uns aber auch dort vorenthalten.

Wer mit dem Zeug seine Geruchsknospen befruchten will, kann sich auf die vielsagende Homepage schleichen: smellmeand.com

Dort sollte man sich unbedingt das geschmacklich einwandfreie Werbevideo genehmigen: Zu sehen gibt’s einen verzückten Kerl, dessen Nase am nassgeradelten Sattel einer nicht weniger nassen Blondine kleben bleibt. Das Ganze sprudelt natürlich vor ästhetischer Raffinesse. Männer wollen ihn und Frauen so sein wie er! Vielleicht auch andersrum.

Riecht jedenfalls nach Erfolg und bestimmt ist das nächste Wässerchen aus Urin, Schweiß und Penissaft auch schon in Planung. Ideal gegen Reiseübelkeit wären auch Duftbäumchen mit der Essenz eines gebrauchten Tampons. Aphrodisierende Momente auf romantischen Autobahnraststätten sind quasi vorprogrammiert!

Genug davon, an einer Kaffeebohne zu schnüffeln, könnte jetzt helfen.

Übrigens, wer von der duften Website aus beschließt, auf Ausgang zu klicken, wir direkt zu Benjamin Blümchen weitergeleitet.

Filmtage in München

Wer beim Anblick der weißen Pest draußen winterschläfrig wird, darf nun zumindest cinéastischem Eskapismus fröhnen: Der Filmfrühling ist ausgeborchen.

https://auteursnotebook.s3.amazonaws.com/daily/113009cineaste718.jpg

In den nächsten Tagen jedenfalls lohnt es sich, wach zu bleiben! Denn neben den Jüdischen Filmtagen, die vom 14.-17. März im Neuen Gabriel und unter Anwesenheit einiger Regisseure stattfinden, bespukt das Fantasy Filmfest im Rahmen einer deutschlandweiten Tour vom 13.-14. März das Münchner Cinema.

Auf den gegenwärtigen 3D-Zug ist man natürlich auch in Japan aufgesprungen. Wie sich der Effekt im Horrorfilm macht, kann man in Takashi Shimizus neustem Nervenmassaker The Shock Labyrinth (2009) erleben. Wer also pubertierenden Teenies beim Verirren und Verbluten zusehen will, hier ein Vorgeschmack:

http://www.veoh.com/videos/v18919788pWwYKDzK

Auf die Lateinamerikanischen Filmtage, die momentan noch im Gasteig laufen, folgen vom 20.-28. März die 21. Türkischen Filmtage. Den Auftakt macht Üc Maymun-Drei Affen (2008) von Nuri Bilge Ceylan. Das Programm bietet jedenfalls mehr als den hierzulande gerngeförderten Problemfilm mit Opferweibchen und Identitätspatchworkthematik!

Wer da noch filmhungrig ist, dem empfehle ich, ins Filmmuseum zu gehen, wo gerade Gus Van Sant retrospektiert wird. Lust auf einen charmanten Kurzfilm? Voilà:

http://www.dailymotion.com/videox3mihp
Le Marais, Gus Van Sant, 2003

Leben und sterben lassen

Un Prophète – Ein Prophet (F/I 2009. Jacques Audiard)

Wir ihr vielleicht schon gemerkt habt, haben wir einen feinen Bogen um die Goldmännchenverleihung vom vergangenen Sonntag gemacht.

Am Donnerstag läuft nun ein Film an, der neben Michael Hanekes Kindergeschichte, in der Kategorie bester ausländischer Film nominiert war. Gewonnen hat zwar der argentinische El secreto de sus ojos von Juan José Campanella, wir wenden den Blick aber dennoch Richtung Frankreich.

Also Mund zu und Augen auf für Un Prophète, Jacques Audiards gesunder Mischung aus Coming of Age- Story, Gefängnisdrama und Gangsterstreifen. Trailer? Bitteschön:

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Zum Plot:

Als der 18- jährige, marokkanisch-stämmige Malik (Tahar Rahim) wegen Tätlichkeiten gegenüber Polizisten zu sechs Jahren Haft verurteilt wird, kann er weder lesen noch schreiben und wirkt auf den ersten Blick eher so, als würden zwei Affen in seinem Kopf Ball spielen. Als er nach dem “Bildungsurlaub” wieder rauskommt, hat hat er mehrere Menschen auf dem Gewissen, sowas wie einen Schnurrbart im Gesicht und kann sogar korsisch.

Alles fängt damit an, dass er sich entscheiden muss. Will er überleben, muss er der Korsenmafia zuarbeiten, die sich wie ein Pilzgeflecht durch die gesamte Gefängnisstruktur zu ziehen scheint. Das bedeutet zunächst, dass er seinen arabischen Knastnachbarn mit einer Rasierklinge aus dem Weg räumen muss, weil dieser den korsischen Gefängnispaten César Luciani (Niels Arestrup) verärgert hat. Die passende Mordchoreographie ist Lektion Nummer eins. Dass die Wächter mitspielen, Lektion Nummer zwei.

http://www.kultur-online.net/files/architecture/Un%20Prophete%20-%20Foto.jpg

Nach seiner Feuertaufe wird er Césars Laufbursche. Er arbeitet sich langsam hoch und lernt die Regeln des komplexen Machtgefüges kennen, nach denen er funktionieren kann. Für die Araber ist er der übergelaufene Korse, für die Korsen der ewige Araber. Er selbst sieht sich auf keiner der beiden Seiten. Für uns bleibt er ein Fremder.

Martin Scorseses The Departed oder Goodfellas zwinkern uns zu und Coppolas Pate ist sowieso allgegenwärtig, allerdings in einer abgekühlten und entromantisierten Form. Dennoch bleibt Audiard bei seiner Geschichte. Er reichert sie mit ein wenig Mystik und exzellenten Schauspielern an und serviert uns brutale, sozialkritische und vielschichtige Filmkost.

http://www.lobo-prod.com/web/lobographik/wp/wp-content/uploads/2009/11/UnProphete.jpg

Fazit:

Un Prophète liefert 150 Minuten dichte Einblicke in den Aufstieg eines Mannes, der sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet und alles irgendwie richtig macht. Ab 11.03. im Kino.

[rating=4]

Mad Men

Momentan kommt man an ihnen einfach nicht vorbei und allein die Tatsache, dass sie sich allmählich in den Feuilletons breitmachen zeigt, dass sie bei der Masse angekommen sind. Gut so, sage ich. Denn Mad Men verdienen den Hype absolut.

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Der bloginterne Serienalgorythmus sagt:  Wenn The Wire, die Sopranos und Breaking Bad deinen filmgeschmacklichen Speichelfluss anregen, dann könntest du auf Mad Men ähnlich reagieren.

Warum? Ganz einfach: Diese US-Serie rund um die fiktive Werbeagentur Sterling Cooper im Manhattan der 60er Jahre, weckt nach jeder Folge den akuten Drang nach Nachschlag. Vielleicht weil die Werbemänner der Mad(ison) Avenue scheinbar nur aus Whiskey, Nikotin und Testosteron bestehen und ihre spitzbusigen Sekretärinnen als Spaß- und Schreibkraft fungieren. Vielleicht, weil sie nicht wirklich auf der guten Seite sitzen: Schon in der ersten Folge wird Lucky Strike beworben. Vielleicht wegen der geschickten Einbindung politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Umstände oder einfach aus unerlebter Retronostalgie.

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Sicher auch weil die Hauptfigur Don Draper (Jon Hamm), der Kreative von Sterling Cooper und Personifikation von Konsumklimaindex, bereits in der ersten Staffel so rasant die Karriereleiter hochfällt, dass man ihn mit einer Mischung aus Wehmut und Genugtuung stolpern und stürzen sehen will, wie den Mann im Vorspann.

Oder auch weil die Figuren geheimnisvoll bleiben, und aus ihren anfänglich so bequemen Rollen fallen ohne in die Lächerlichkeit einer Desparate Houswifes- Mystik abzudriften. Besonders aber, weil Gründer Matthew Weiner vielschichtigen Konflikten zwar Brutstätten zuteilt, sie aber zu Gunsten eines entschleunigten Erzählstils nicht (sofort) schlüpfen lässt.

Mad Men ist dramaturgisch ausgefeilt, mit körnigen Charakteren beseelt und gehört der raffinierten Ausarbeitung halber eigentlich auf die große Leinwand. Sexismusvorwürfen wird an dieser Stelle gestrotzt, schließlich befinden wir uns am Vorabend der sexuellen Revolution und wer sowas nicht mit Humor und Reflexionsvermögen sehen kann, sollte lieber Tofu naschen gehen.

Der Rest bleibt schön bei mir und darf gerne ein bauchiges Glas mit Hochprozentigem füllen. Denn PC sucht man in den Büro- und Alltagssituationen noch vergebens, subtil und implizit schwingt hier die Gesellschaftskritik mit, ist aber deswegen nicht weniger suggestiv. Genug, probiert mal, ob euch das schmeckt:

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Faktenfutter zu den einzelnen Folgen und bepriesenen Konsumgütern bietet das Blog zur Serie, The Footnotes of Mad Men. Hier kann man sehen, mit welcher Akribie James Weiner die 60er rekonstruiert, Chapeau!

Die erste Staffel läuft momentan montags beim Pay-TV Sender FOX-Serie, die deutschsprachige DVD-Box gibt’s seit dem 4. Februar 2010 im Handel.

Wer bei mäßiger Qualität und koreanischen Untertiteln keinen Migräneanfall bekommt, kann sich natürlich beim virtuellen Serienprovider des Vertrauens alle drei Staffeln genehmigen. Sie werden immer besser.