Funkyzeit!

Kürzlich angetestet und jetzt im Rahmen des Mongay gesichtet- Brüno. Wer sich fragt, was der kontroverse Streifen bei Betroffenen auslöste: Rings um mich herum wurden Tränen geheult und Schenkel bis zum Zerbersten geklopft. Brüno treibt seine kalkulierte Provokation bis auf den bitteren Seitenstreifen der Geschmacklosigkeit, wie in Borat ist Fremdschämen erwünscht. Dass Sasha Baron Cohen ungelyncht davonkommen konnte, verwundert. Chapeau und ein Blick in den Trailer:
http://www.vimeo.com/4897378Zum Plot: Nach mehrfachem Scheitern, versucht die österreichische Fashionista, Brüno, in den USA seinem Herzenswunsch näherzukommen: Er will der “größte homosexuelle Filmstar seit Arnold Schwarzenegger” und mindestens der “berühmteste Österreicher seit Adolf Hitler” werden. Begleitet wird er von seinem masochistisch veranlagten, rothaarigen Diener Lutz. Brünos eigenwilliger Entwurf für eine Fernsehshow mit Clelebrities wird von Testsehern für “schlimmer als Krebs” eingestuft, einen republikanischen Ex-Präsidentschaftsanwärter kann er auch nicht zu einem Sex-Video überreden, so bleibt ihm nur eine Charity-Aktion.
Als seine Bemühungen um die Friedensstiftung im nahen Osten scheitern, beschließt er ein afrikanisches Baby zu erwerben- im Tausch gegen einen IPod geht das klar, auch hier kommt der halbdokumentarische Charakter des Streifens rein. Zurück in den Staaten wird ihm das Baby beim ersten Talkshowauftritt vom Jugendamt weggenommen. Zuvor veranstaltet er folgendes Baby-Casting:
Es folgt die bittere Einsicht, dass er nur als Hete Ruhm erlangen kann. Doch, wird ihm psychologische Hilfe zweier Gay-Converter einen enthomoisierten Lebenswandel bescheren?
Man weiß nicht, ob man in stetigem Kopfschütteln verharren, oder in akute Lachanfälle miteinstimmen soll. Letztere lassen sich oft nicht vermeiden, gründen aber auf extrem trivialen Ursachen, die mit viel Nacktheit im Schleudergang zu tun haben, einige Szenen sind einfach nur dämlich.
Klar, man riecht die aus allen Poren des Films strömende Übertreibung, Überladung und Übertuntelung. Dennoch kommt die Botschaft rüber: Wer homosexuell ist, ethnischen oder religiösen Minderheiten angehört, hat oft mit hartnäckigen, absurden Vorurteilen und Ressentiments zu kämpfen. Dass diese Einsicht an authentischen Beispielen festgemacht werden kann, verfehlt ihre subversive Wirkung nicht und die USA bieten erneut mehr oder weniger ertragreichen Nährboden dafür. Zwar scheinen einige Szenen überdreht und wenig innovativ, der Kinosaal bleibt dennoch keine Minute kicherfrei. An in- your- face-Gags wird hier also nicht gespart. Die knarzende Mischung aus Deutsch und Englisch wölbt außerdem die Mundwinkel nach oben.
Wer das komplettrasierte, belipglosste Konterfei erleben will, Kinostart ist der 9. Juli.
Und wer schon immer wissen wollte, wie man gehörlosen Kindern pantomimisch die Gefahren von Promiskuität erläutert, hier ein Ausschnitt, taucht zwar nicht im Film auf, bringt aber die Lachmuskeln zum Zucken:
Ach ja, hier kommt die Blasendruckentlastungsprognose
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