Monthly Archives: Juli 2009

Organisches aus der Akademie

Um das Kunsthappensortiment etwas aufzufüllen geht’s für ein paar Tage nach Venedig, genauer auf die 53. Biennale. Zuvor kommt hier heimische Kost, Impressionen von der Jahresaustellung der Akademie der Bildenden Künste. Also Mund zu, Augen auf. Und das bitte ganz fest, denn den Geruch von gemächlicher Verwesung will ich euch ersparen, seht selbst:

Jahresausstellung der AdbK

Jahresausstellung der AdbK

Nicht weniger organisch, dafür weniger blutig geht es weiter mit dem Lustwandel (2009) von Constanze Stumpf:

Lustwandel 2009, Constanze Stumpf

Lustwandel 2009, Constanze Stumpf

Mehr davon findet ihr hier. Wir bleiben beim Fleischlichen und werfen einen Blick auf Chloé Esme Suttons eher klinisches Werk.

Chloe Esme Sutton

Chloe Esme Sutton

Bei Asja Schubert wird es merkwürdig, abwegig und grün. Schmeckt nach Jahrmarkt und wirkt verstörend:

Mehr davon gibt’s hier. Seltsam geht es weiter:

Leo Lencses

Zuletzt noch ein bizarrer Kurzfilm aus dem Juliprogramm der futureShorts:

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Schaurig geht es weiter mit dem neusten Kurzfilm des Horrormeisters Guillermo del Toro:

http://www.dailymotion.com/videoxaxhns

Und jetzt schnell ablenken mit diesem zauberhaften Musikvideo namens Sentimental Journey von Nagi Noda, besungen von der japanischen Pop-Queen Yuki:

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Nicht sentimental werden, bis bald!

Filmkunstwochen

Unglaublich, wie die Atmosphäre flimmert! Wohin der Augapfel späht, sprießt und gedeiht die Frucht des Kinobaums. Hier gibts Naschanweisung für die Erntezeit!

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Wir steigen groß ein: Wer sich ärgert, dass er bei einigen Filmköstlichkeiten nicht mitreden kann, darf sich auf die Filmkunstwochen freuen, die vom 29. Juli bis zum 26. August mit 84 Filmen und 200 Vorstellungen in 7 Münchner Kinos Wurzeln schlagen. Genuss für alle Cinephilen: The Pervert’s Guide to Cinema (2006).

Cinema is the ultimate pervert art: It doesn’t give you what you desire, it tells you how to desire.

Der Psychologe und Philosoph Slavoj Zizek scheint als Kind in den Kinotopf gefallen zu sein und demonstriert uns unter der Regie von Sophie Fiennes das Kino als Sehnsuchtsmaschinerie:

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Auf dem Programm stehen Arthausperlen, thematische Reihen und einige abseitige Neustarts, wie Almodovars neuster Wurf Zerissene Umarmungen/Los abrazos rotos (2008) am 3. 8. im Atelier, Vorgeschmack kommt hier, Penélope Cruz, wie immer hinreißend:

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Ebenfalls im Atelier: Eine Wohltat für alle, die gut und gern ihrer Originalpedanterie fröhnen, Die besten Originale, z. B. jeweils ab 21 Uhr:

  • 1.8. Into the Wild (Sean Penn)
  • 14.8.There will be Blood (P.T. Anderson)
  • 16.8. Le Mepris (Jean-Luc Godard)
  • 18.8.Amores Perros (A.G. Iñárritu)
  • 26.8.Milk (Gus Van Sant)

Unter die Wunschfilme, die in allen sieben Kinos zu sehen sein werden, hat’s auch Brügge sehen…und sterben? geschafft, den ihr hier vorkosten könnt.

Ihr wisst, seit einiger Zeit geht der Langzahnwahn um: Mit Twilight scheint Stephenie Meyer bei Teens und dem rührseeligen Rest voll ins Schmachtnäpfchen getroffen zu haben, aber das sollte ein -und ausgefleischte Vampirfilmlinge nicht von folgendem Schmecktakel abhalten:

Am 2.08.  startet die Vamprifilmreihe im Monopol mit der Horrorsatire Shadow of the Vampire (2000), einer Hommage des Regisseurs Elias E. Merhige an Friedrich Wilhelm Murnaus Kultuntoten Nosferatu, um 20 Uhr. Mit dabei ist Prof. Dr. Begemann von der LMU-München, der zum Vampirismus in Literatur und Film forscht. Außerdem in dieser Reihe und einer meiner Favoriten: Der Tanz der Vampire von Roman Polanski (1967). Das schwedische Twilight-Pendant stellt Tomas Alfredson mit seinem Coming of Age-Film So finster die Nacht (2008). Um den Gruselfaktor zu erhöhen, hier der Trailer im Original:

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Sehens- und vor allem hörenswert: Berlin Calling (Hannes Stöhr 2008). Wenn der Gute nach München kommt, folgen wir seinem Ruf und drängen uns ins Clubgetümmel. Paul ist klasse und am 14. 08. im Monopol (2D, versteht sich).

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Wer schon immer Shazaam! auf Leinwandformat bewundern wollte, bekommt im Rahmen der Schnüfflerfilmreihe die ultimative Gelegenheit dazu:

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Shaft (Gordon Parks, 1971) am 11. 08 und gleich darauf die filmische Anthithese mit The Big Lebowski (Joeal u. Ethan Coen, 1998) am 12.08, beide im Neuen Arena.YouTube Preview Image

Das waren nur einige besonders reife Filmfrüchte, es geht weiter mit Frischgepflücktem, wir spähen Richtung HFF. Die präsentiert nämlich vom 27. bis zum 31. Juli mehr als 50 ihrer neuesten Werke im Rahmen der 5. Filmschau. Eintritt ist frei, Filmemacher vor Ort und hier geht’s zum Programm.Veranstaltungsort ist die HFF:

Hochschule für Fernsehen und Film München,
Frankenthalerstr. 23, U/S-Bahn Haltestelle „S-Bahnhof Giesing“

Für Pragmatiker: Am Freitag, 31. 07., kann man ab 20 Uhr Der rote Punkt von HFF- Absolventin Marie Miyayama anschauen, gleich da bleiben, um ab 22.30 Uhr  die Preisverleihung mit anschließender Party mitzunehmen. Ab in den Trailer:

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Mund zu, Augen auf und bon amusement!

Brügge sehen…und sterben?

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten filmischen Auswüchsen. Bitte nicht vom bescheuerten Filmtitel abschrecken lassen!


In Bruges

Manche Städte haben etwas Magisches, Geheimnisvolles und unbeschreiblich Schönes an sich, sodass man am liebsten für alle Ewigkeit dort bleiben würde. So auch Brügge. Brügge? Was für den einen ein kulturelles Prachtstück, ist für den anderen ein Scheißloch. Brügge polarisiert:  Für den misepetrigen Nachwuchskiller Ray (Colin Farell) ist die belgische Kleinstadt mit den nebligen Gassen, pittoresken Kanälen und mittelalterlichen Kirchen jedenfalls der letzte Ort zum Leben. Dennoch soll er dort mit seinem väterlichen Kollegen Ken (Brendan Gleeson) zwei Wochen lang untertauchen und auf den nächsten Auftrag warten. Während Ken also fasziniert Kunst und Kultur in sich aufsaugt, findet Ray erst Gefallen an der Stadt, als er die charmante Belgierin Chloë (Clémence Poésie) kennenlernt.

In Bruges

Aber halt, zurück, da war noch was: Untertauchen müssen die beiden nämlich, weil Ray’s letzte Kugel daneben ging und versehentlich einem kleinen Jungen das Leben kostete. Und weil der mürbe Ire nicht gänzlich skrupelfrei ist, plagt ihn ein ziemlich schlechtes Gewissen, Suizid nicht ausgeschlossen. Das findet sein prinzipientreuer Chef Harry (Ralph Finnes) auch gerechtfertigt und setzt einen Auftragskiller auf ihn an. Wer kann das wohl sein? Ab in den Trailer:YouTube Preview Image

Zugegeben, der tiefschwarze Humor dürfte einigen so schwer im Magen liegen, wie Omas Bohneneintopf mit Würstchen. Schließlich sieht man nicht in jedem Film einen Kleinwüchsigen, der mit amateurhaften Karateschlägen kampfunfähig gemacht wird, kurz nachdem er unter Koksundnutteneinfluss haufenweise rassistische Hypothesen aufstellen durfte. Neugier geweckt? Hier besagter Ausschnitt:

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Mit seinem 103-minütigen Regiedebut kann sich der frühere Theaterautor Martin McDonagh mit Gangsterfilmkoryphäen wie Guy Richie und Tarantino messen. Er schafft es nicht nur, brisante Moralkonflikte zwischen ansonsten wertetechnisch fragwürdigen Ganoven zu inszenieren und diese problemlos neben bitteren Pointen existieren zu lassen, sondern auch die Publikumserwartung mit intelligent konstruierten Wendungen zu brechen. Zusätzlich zur gelungenen Dramatrugie besticht die Gangsterkomödie besonders durch die schauspielerische Leistung ihrer gutgewählten Darsteller. Ansonsten eher für Coolness und tiefsitzende Augenbrauen bekannt, beseelt Colin Farell den schrulligen Brüggebanausen Ray mit einem feinen Charaktercocktail aus lebenshungrigem Temperament, nagender Reue und bissigem Witz. Auch Ralph Finnes überzeugt als etwas kauziger, aber wortgewandter Gangsterboss und sorgt mit dem ausgezeichneten Brendan Gleeson für einen spannenden Showdown.

Hier ein Dialogausschnitt der beiden:

Ken: Harry, let’s face it. And I’m not being funny. I mean no disrespect, but you’re a cunt. You’re a cunt now, and you’ve always been a cunt. And the only thing that’s going to change is that you’re going to be an even bigger cunt. Maybe have some more cunt kids.
Harry: [furious] Leave my kids fucking out of it! What have they done? You fucking retract that bit about my cunt fucking kids!
Ken: I retract that bit about your cunt fucking kids.
Harry: Insult my fucking kids? That’s going overboard, mate!
Ken: I retracted it, didn’t I?

So zum Schluss noch was Sterbenswertes auf die Augen:

Aufgepasst, nach Filmgenuss kann akutes Brüggefernweh eintreten.

[rating=5]

Favorit Bar

Wir erweitern unsere Kietzstammstrecke und bezwinkern Münchens Sehnsucht nach Subkultur.


Favorit Bar

via muenchenblogger

Graffiti an den Wänden, trashige Sanitäranlagen, Abwrack-Flair mit scheinbar provisorischen Sitzmöbeln, umgeben von unebener Bodenbeschaffenheit. So gewollt es auch klingt: Ein Stück Berlin in München, das ist die Favorit Bar. Fernab von Schicksen und Schlipsen, bietet die kantige Schummerbude (von der SZ durchweg positiv als Negation von Style bezeichnet) im Münchner Hackenviertel unangestrengten Nachtvertreib umhüllt von feinsten Elektroklängen und ohne Kindergartenatmosphäre.

Mit der eigenen Homepage verhält es sich ähnlich wie mit einem ausgeschilderten Eingang, beides existiert nicht. Allenfalls an der Rauchertraube kann man die Barhaftigkeit erahnen. Dennoch wird die Bar massenhaft favorisiert, 200 Ausgehwütige quetschen sich an guten Tagen hinein, was bei der offiziellen Anzahl von 30 Sitzplätzen im Winter für geringe Energie- und im Sommer für hohe Deokosten sorgen dürfte.

Wer mitquetschen will, hier kommen die Fakten:

Damenstiftstr. 12,

80331 München,

Öffnungszeiten:  So-Do 20.30-2, Fr/Sa 20.30-3

Mit Uschi im Sommerloch

Von wegen Politikverdrossenheit: Nach anspruchsvollen, ja fast schon Arte-würdigen Reality- Formaten wie BigBrother, die Alm und die Burg soll’s also nun die Politik sein.

Erst “Das perfekte Promi Dinner”, jetzt die Weltherrschaft!, dachte sich wohl “Alm-Königin” Kader Loth, 36,  in einem ihrer häufigen Geistesblitze. Neben Parteigründerin und “Ex- CSU-Rebellin” Gabriele Pauli, mischt sie also nun in der Freien Union (FU) mit.

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Mit so nachdenklichen Phrasen wie “Jeder hat mal einen Werdegang.” schaffte es die ansonsten luderliche Busenuschi also, Pauli von ihrer Eignung zur parteieigenen Frauenbeauftragten zu überzeugen. “Ihr Wahlprogramm hat mich auch irgendwo beeindruckt”, bestätigt sie dem Focus Online in einem ihrer zahlreichen Interviews. Das Ideenpapier der FU besticht jedenfalls mit dem genialen, aber dennoch dezent gehaltenen Leitmotto  “Für wahre Werte” – “Friede, Liebe, Freude, Geduld”.

Ob sie den Absprung von Seite 3 in den Politikteil schaffen wird? Einst löste sie jedenfalls das SPD- Parteikürzel als Politische Soziale Demokratie auf, aber wieso nicht? “Ich werde versuchen, mich politikgerecht zu kleiden und nicht mehr auffällig durch die Gegend zu rennen. Kader Loth war gestern.”  Nachgelegt wird mit einem entschlossenen “Ich bin bereit, da mitzumischen.” Riecht man da die Hoffnung auf vermehrt männliche Wählerstimmen? Wie absurd: Sie wolle natürlich insbesondere auf die Frauen zugehen, erzählt sie in Spiegel Online. Klar, schließlich muss auch im Frauenhaus gelernt werden, welcher Selbstbräuner streifenfrei funktioniert und mit welcher Methode man am einfachsten lästige Härchen an schwererreichbaren Stellen loswird.

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“Ich habe natürlich meine Partei und Frau Pauli im Rücken, und der erste Stein ist erstmal geworfen worden”, meint das halbsynthetische und selten ganzgekleidete Mischwesen. Auch hier rate ich zur Helmpflicht, absolut anorganisch!

Wir erinnern uns: Zuletzt sorgte Gabriele Pauli, die 51-jährige Gründerin und Bundesvorsitzende der Freien Union, mit ihrem Postulat nach einer Ehe auf Zeit nicht nur bei Romantikern für vehementes Schädelzucken, jetzt steht der Gedanke auch im Wahlprogramm der Fürtherin.

Während die aufreizenden Damen also wahrscheinlich die nächste Mottoparty auf Parteikosten organisieren, fragen wir uns, ob das stetige Tragen von Lack- und Lederkorsagen auch die Blutzufuhr zum Gehrin beeinträchtigt und wie lange es wohl noch dauert, bis die CDU endlich ihr eigenes Busenwunder, z.B. Rainer Calmund, einspannt?

Wer da ungläubig den krisengesättigten Kopf zu schütteln wagt, kann sich bei der SPD gleich mal in die Ecke stellen und reflektieren. Denn SPD- Generalsekretär, Hubertus Heil, nimmt „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank auf seiner Deutschlandtour an die Hand und hofft somit, eine Lanze für die sozialdemokratischen Werte zu brechen.

Apropos Nanny: Die hätte wohl auch bei den morbiden Erziehungsmaßnahmen einer “angespannten” Berliner Mutter gebraucht werden können. Diese hielt es für pädagogisch einwandfrei, ihrem 19 Monate alten Sohn die eigenen Fäkalien zu spritzen. Mehr davon gibt’s hier. Soviel zum Sommerloch.

futureShorts

Die Registratur macht ernst, die Blumenstraße 28 wird in naher Zukunft nicht mehr Hort für den extasehungrigen Nachtschwärmer spielen.

Ein Grund mehr, sich am kommenden Mittwoch, den 22. Juli ab 21.30 Uhr nochmal in das nostalgiebeladene Stück zu begeben.

Was geboten wird? Ca. 7 Filme und im Anschluss Feines auf die Ohren. Genauer: Das futureShorts-Festival befeiert die Regi und bringt neben The Loneliness of the short-order cook (Marcel Sawicki,USA/2008) auf 35mm auch Live-Musik mit. Wir werfen einen Blick auf den Trailer:

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Das 2003 in London gegründete Label, futureShorts, versteht sich als weltweit innovativste Alternative zu üblichen Filmfestivitäten, da neben Film auch Kunst und Literatur in ein abwechslungsreiches Sinnvergnügen verwachsen. Gerade sind also die true pioneers of petit cinema (Guardian) auf Tour, da und dort gibt’s Faktenfutter zu den monatlichen Screenings und zum youtube channel gehts hier entlang.

Multikulti ist gescheitert, sprach sich einst la Merkel in grenzüberschreitendem Optimismus in Sachen Integration aus. Inspirierend für Pepe Danquart, Regisseur des folgenden, u.a. oscarprämierten, deutschen Kurzfilms mit dem programmatischen Titel “Schwarzfahrer”, den man ebenfalls am Donnerstag in Leinwandformat genießen kann:

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Die Delicious Groove Gourmets sorgen im Anschluss mit Funk und Soul für organische Töne. Bei schönem Wetter im Innenhof, bei Regen geht’s ins Clubgewölbe, Eintritt 8 €.

Reservierung unter urs@futureshorts.de oder henrik@futureshorts.de

Brüno

Kürzlich angetestet und jetzt im Rahmen des Mongay gesichtet- Brüno. Wer sich fragt, was der kontroverse Streifen bei Betroffenen auslöste: Rings um mich herum wurden Tränen geheult und Schenkel bis zum Zerbersten geklopft. Brüno treibt seine kalkulierte Provokation bis auf den bitteren Seitenstreifen der Geschmacklosigkeit, wie in Borat ist Fremdschämen erwünscht. Dass Sasha Baron Cohen ungelyncht davonkommen konnte, verwundert. Chapeau und ein Blick in den Trailer:

Zum Plot: Nach mehrfachem Scheitern, versucht die österreichische Fashionista, Brüno, in den USA seinem Herzenswunsch näherzukommen: Er will der “größte homosexuelle Filmstar seit Arnold Schwarzenegger” und mindestens der “berühmteste Österreicher seit Adolf Hitler” werden. Begleitet wird er von seinem masochistisch veranlagten, rothaarigen Diener Lutz. Brünos eigenwilliger Entwurf für eine Fernsehshow mit Clelebrities wird von Testsehern für “schlimmer als Krebs” eingestuft, einen republikanischen Ex-Präsidentschaftsanwärter kann er auch nicht zu einem Sex-Video überreden, so bleibt ihm nur eine Charity-Aktion.

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Als seine Bemühungen um die Friedensstiftung im nahen Osten scheitern, beschließt er ein afrikanisches Baby zu erwerben- im Tausch gegen einen IPod geht das klar, auch hier kommt der halbdokumentarische Charakter des Streifens rein. Zurück in den Staaten wird ihm das Baby beim ersten Talkshowauftritt vom Jugendamt weggenommen. Zuvor veranstaltet er folgendes Baby-Casting:

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Es folgt die bittere Einsicht, dass er nur als Hete Ruhm erlangen kann. Doch, wird ihm psychologische Hilfe zweier Gay-Converter einen enthomoisierten Lebenswandel bescheren?

Man weiß nicht, ob man in stetigem Kopfschütteln verharren, oder in akute Lachanfälle miteinstimmen soll. Letztere lassen sich oft nicht vermeiden, gründen aber auf extrem trivialen Ursachen, die mit viel Nacktheit im Schleudergang zu tun haben, einige Szenen sind einfach nur dämlich.

Klar, man riecht die aus allen Poren des Films strömende Übertreibung, Überladung und Übertuntelung. Dennoch kommt die Botschaft rüber: Wer homosexuell ist, ethnischen oder religiösen Minderheiten angehört, hat oft mit hartnäckigen, absurden Vorurteilen und Ressentiments zu kämpfen. Dass diese Einsicht an authentischen Beispielen festgemacht werden kann, verfehlt ihre subversive Wirkung nicht und die USA bieten erneut mehr oder weniger ertragreichen Nährboden dafür. Zwar scheinen einige Szenen überdreht und wenig innovativ, der Kinosaal bleibt dennoch keine Minute kicherfrei. An in- your- face-Gags wird hier also nicht gespart. Die knarzende Mischung aus Deutsch und Englisch wölbt außerdem die Mundwinkel nach oben.

Wer das komplettrasierte, belipglosste Konterfei erleben will,  Kinostart ist der 9. Juli.

Und wer schon immer wissen wollte, wie man gehörlosen Kindern pantomimisch die Gefahren von Promiskuität erläutert, hier ein Ausschnitt, taucht zwar nicht im Film auf, bringt aber die Lachmuskeln zum Zucken:

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Ach ja, hier kommt die Blasendruckentlastungsprognose

Das weiße Band

Ab geht’s mit neuem Filmstoff frisch aus der Filmfestpresse!

Wenn die Kinder des Priesters Unfug und Unzucht trieben, bekamen sie früher von ihrer Frau Mama ein weißes Band umgebunden, es sollte sie an Demut, Unschuld und Integrität erinnern und ihnen gewisse moralische Werte vermitteln. Dass solch autoritäre Erziehungsmethoden gerne fehlschlagen, sieht man nicht nur hervorblitzen, als eines jener Kinder den niedlichen Kanarienvogel des Herrn Papa mit einer Bastelschere einen tödlichen Hieb verpasst und zur Ansicht sorgsam auf den Schreibtisch des Vaters platziert. 

Michael Haneke führt uns in seinem in Cannes mit der goldenen Palme beehrten Gesellschaftskonstrukt Das weiße Band- Eine deutsche Kindergeschichte in die Abgründe einer protestantischen Dorfgemeinschaft im idyllischen Vorkriegsdeutschland. Dort erwarten den Zuschauer 144 Minuten düstere Filmkunst vom Feinsten. Linear und doch vielschichtig erzählt der Dorflehrer (Christian Friedel) wie alles anfing, doch vorher werfen wir einen verstohlenen Blick in den Trailer:

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Der Dorfarzt (Rainer Bock) hat einen Reitunfall, kein Zufall, sondern bitterböse Intention. Sein Pferd stolpert mit ihm über ein gutverstecktes Drahtseil auf hauseigenem Grundstück. Wer begeht solche Taten? Zwei Kinder des Dorfpriesters (Burghart Klaußner) laufen jedenfalls nach dem Vorfall weißbändig umher. Eine Frau stirbt bei einem Arbeitsunfall, der Baron (Ulrich Tukur) wird dafür verantwortlich gemacht. Sein engelsgleicher Sohn wird eines Tages bäuchlings, striemenbedeckt und völlig verstört aufgefunden. Auch Karli, den behinderten Sohn der Hebamme, findet man mit zerkratzten Augen im Wald wieder.

Rohe Gewalt wird angedeutet, ihr Ergebnis flüchtig präsentiert, die Ursachen scheinen mehrfach ungesättigt, die Atmosphäre ist vergiftet. Hinter der Kamera sorgt Christian Berger für präzise, einprägsame Mise en Scène, das Monochrome entfaltet bergmaneske Wirkung und besprießt die idyllische Dorflandschaft mit einer bemerkenswerten Beklommenheit. Ein ästhetischer Genuss! Hier ein eher harmloser Ausschnitt:

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Die Ausgeburt dieser feudalgeprägten Gesellschaft ist nur Spiegel ihrer selbst. Deutlich wird die strukturelle Perversion besonders in der Person des Dorfarztes, für den man eben noch voreiliges Mitleid zusammenkratzen wollte, als er vom Pferde fiel. Eben jenen erlebt man später im wohl erbarmungslosesten Dialog des Films, einem Gespräch mit der Hebamme (Susanne Lothar), seiner ausgedienten Langzeitgeliebten, hier eine unvollständige Rekonstruktion:

Arzt: Du bist nicht nur alt, hässlich und ausgeleiert, sondern stinkst auch noch aus dem Mund. Hast du denn gar kein Ehrgefühl?

Hebamme: Neben dir kann man sich sowas gar nicht leisten. Ich habe zwei behinderte Kinder, du bist das Schwierigere von beiden.

Arzt: Warum stirbst du nicht einfach?

Wesentlich fruchtbarer gedeiht indes die Beziehung des Droflehrers zu seiner scheuen Verlobten Eva (Leonie Benesch, großartig), hier ein Ausschnitt aus zeitgenössischem Datingverhalten:

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Überhaupt, scheint der Lehrer als Einziger auf der karg bevölkerten, moralisch gefestigten Seite zu leben. Das als Drama eingestufte Werk, lässt sich meiner Meinung nach eher einem subtilen Horrorgenre zuordnen. Trotz der Darstellung faschistoider Handlungen, versucht Haneke keinen zwangsläufigen Bezug zu Deutschland und dessen Weg in den ersten und zweiten Weltkrieg herzustellen. Vielmehr soll das Konstrukt ortsungebundene, gesellschaftliche Abgründe aufzeigen.

Zwar wirken die Dialoge durch die zeitliche Verortung teilweise streng und unnatürlich, zudem mangelt es einigen Laiendarstellern an schauspielerischer Überzeugungskraft, jedoch entrückt das nicht die abgründige Faszination des einnehmend-unangenehmen Lichtspiels. Wer den Verstörungsfaktor möglichst gering halten will, sollte diesen Film bei schönem Wetter und tagsüber anschauen. Ab 15. Oktober im Kino. [rating=5]

The Girlfriend Experience

Ab geht’s mit brandheißem Filmstoff:

Zu allererst: Ja Sasha Grey macht Porno, und das nicht zu soft. Doch wer in solcher Erwartung in den Film geht, wird zwangsläufig enttäuscht. Den stinknormalen (bitte Geruchskomponente wegdenken) Arbeitsalltag von Grey im kalifornischen San Fernando Valley kann man sich in 9 to 5 days in porn (Jens Hoffmann) seit dem 2. Juli schmecken lassen.

Zurück zu The Girlfriend Experience. Steven Soderbergh, der Regisseur von Filmen wie Sex, Lies and Videotape, Erin Brockovich, Syriana, Traffic und jüngst Che I/II will hier Porno auf Politik loslassen und sorgt für das Mainstreamdebut der 21- Jährigen, eher bekannt aus Filmen wie Lord of Asses 13 oder Swallow my Children.

Der Plot: Die New Yorkerin Christine/Chelsey wohnt mit ihrem Freund Chris (Chris Santos), einem motivationsfähigen Personal Trainer in einjähriger Beziehung und loftartigem Appartement in Manhattan. Beide verdienen ihr Geld im Verkauf von Waren:

Er mit Fitnesspaketen, Sie- nennen wir es mit organischen Paketen, respektive sich selbst, denn sie ist freiberufliche Escortdame. Man könnte sagen: Er macht Schlaffes stramm, sie bringt Strammes zum Erschlaffen. Aber kann so eine Beziehung funktionieren? Fünf Tage Auf und Ab werden uns präsentiert. Hier erstmal der Trailer zum Warmwerden:

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Soderbergh will ein bisschen Gesellschaftsspiegel spielen, denn fast keine Sequenz der 77 minütigen Low-Budget Produktion kommt an der lauernden, bellenden, beißenden Wirtschaftskrise vorbei. Wie diese sich aus warmer Luft nährte, so scheint der gesamte Film fassbare Substanz zu entbeehren, bleibt paradoxerweise ohne Höhepunkt.

Doch gerade das macht den Film aus. Es wird viel geredet, ohne viel auszusagen. Fragen werden gestellt, wenige davon beantwortet. Viele Kerle werden getroffen, doch der Hauptgang fehlt. Das Drumherum macht die Erfahrung aus. Hier ein kommentiertes Hintergrundschmankerl:YouTube Preview Image

Gegessen wird dafür aber in Soderbergh Manier (Brad Pitt in Ocean’s 11/12/13) umso häufiger, was sich natürlich tief und breit metaphorisch ausklopfen ließe. In einem der zahlreichen Handlungsstränge lässt sich Christine (beim Essen) von einem Journalisten interviewen, der ihr Leben für alle Unberotlichteten ein wenig zu beleuchten versucht.

Was beschäftigt die Gute nun also? Neben Konkurrenz und Selbstvermarktungsstrategien eigentlich eine Frage, die uns alle irgendwo betrifft:

Wer interessiert sich genuin für die Person und nicht für die körperhafte Projektionsfläche subjektiver Wunschvorstellungen? Wenn die Darstellerin kühl und charakterlos wirkt, nur hin und wieder einige Anzeichen von Emotion zulässt, so kann das zwar als authentische Charakterstudie verziehen werden, dennoch sehnt sich der Film streckenweise nach mehr Persönlichkeit. Wirklich gut ist die ausschließlich digitale Kamera, hinter der ebenfalls Soderbergh zu finden ist.

Einige Szenen sieht man durch amateurhafte Handkameraaufnahmen, andere durch raffinierte Überwachsungskameras. Mit der Tiefenschärfe wird gespielt und viele Nahaufnahmen sorgen für die richtige Prise Voyeurismus.

Wann der Film hier offiziell startet ist noch ungewiss, September wird gemunkelt. Soderbergh ließ ihn indes bereits im US-Fernsehen, Internet und Kino gleichzeitig auf die filmhungrige Meute los. Hier kann man auf Filmfestpräsens hoffen und derweil einen Blick auf Sasha Grey in Anal Acrobats und dergleichen werfen…

Unterleibsgeflüster

Zeit, sich mit der dunklen Seite menschlicher Hygienebedingungen zu befassen.

Jeden Tag müssen wir uns mit der peinlichen Säuberung postexkrementaler Unterleibsöffnungen herumschlagen, endlich gibt es eine glorreiche Erfindung, die diesen beschämenden Vorgang um eine ca 30 cm lange Vorrichtung entschämbar macht. Schluss mit archaischen Faltmethoden! Distanzgewinn und Mittelbarkeit versprechen nicht nur Versöhnung mit der Putzhand, sondern könnten gar eine Revolution für die Linke in arabischsprachigen Ländern bedeuten! Aber seht selbst:

YouTube Preview Image Zuerst gesehen auf jetzt.de

Plastik ist nix für Euch? Hier die organische Variante:

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Wir bleiben unten und beschäftigen und mit organischen Tönen im Kontext därmlicher Unkontrollierbarkeit. Endlich kommt die Verbindung von Business und Blähung, zückt eure Telefone in ergebener Dankbarkeit:YouTube Preview Image

Weiterhin untenrum, jedoch ein paar Zentimeter versetzt- Achtung es wird heiß. Wir wissen, lange Ketten mit diversen Anhängseln sind an vielen Mädchenhälsen vorzufinden. Meist sind das kleine Herzchen, Pferdchen, Sternchen oder Schleifchen. Wäre es nicht absolut organisch, zur Abwechslung ein gutverstecktes, primäres Geschlechtsorgan kettentauglich zu machen?

http://www.etsy.com

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Sorgt sicher in engen Clubgemäuern für ordentlich Gesprächsstoff! Für die moderne Individualistin: Einfach den persönlichen Intimabdruck einsenden und sich auf authentische Maßanfertigung freuen! Erinnert an Michel Houellbecqs Roman Plateform, in dem u.a. von einer (fiktiven) Künstlerin die Rede ist, die sich mit klitoralen Eigenabdrücken aus Gummi beschäftigt. Entdeckt bei youknowwhatidontknoweither.blogspot.com und erwerblich unter http://www.etsy.com . Wer lieber pure Weiblichkeit unterm Kopf statt am Hals haben will, knautschige Kissen in Uterus- und Vulvaform gibt’s natürlich auch.

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Alles in liebevoller Handarbeit, natürlich. Wem bei soviel Vulvatalk jegliche Lippen trocknen, der kann sich gleich mit einem veganen Prachtstück namens Large Vegan Vulva beschmieren, wahlweise in Sweet Cherry, Lemon Tart und Honey Pot.

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Gibt’s sowas auch in der Kerlsversion? Ja, zwar weniger kuschelig und anatomisch fragwürdig, dafür absolut reisetauglich und in Plastik!

Sade for Sade's Sake

Hier folgt die semisäuberliche Durchforstung des fein überladenen Kunstmarkts.

Paul Chan, Sade for Sades Sake, 2009

Paul Chan, Sade for Sade's Sake, 2009

Heute mit einem ästhetisch-erotischen Schattenspiel von Paul Chan (*1973). Sade for Sade’s Sake heißt die vielsagende Videoinstallation des US-amerikanischen Künstlers, die derzeit auf der 53. Biennale in Venedig zum Voyeurismus reizt. Darüber gestolpert bin ich beim Durchblättern der prachtvollen francophonen Kunstzeitschrift Beaux Arts Magazine. Nach dem Marquis de Sade steht Erotik für den grundlegenden Modus menschlicher Kommunikation, dessen allegorische Verarbeitung man hier in organischer Bewegtheit sehen kann:

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Nachschlag des fast sechsstündigen Sextakels:

YouTube Preview Image Verstörend ist die Mischung aus abstrakten Elementen und sexuell triebhaften/aggressiven Menschenfiguren, im Kontext eines kindlich anmutenden Schattenspiels. Sadismus pur, politische Konnotation ist gewollt. Für Aufsehen sorgte der Künstler zuletzt in New Orleans mit seiner Inszenierung von Samuel Becketts Warten auf Godot. Als Aktivist im Irak machte er durch experimentelle Großreportagen auf sich aufmerksam und ist Bestandteil einer neuen radikal politischen Künstlergeneration. Mehr von Chan, u.a. auch eigens gestaltete Schriftarten zur Komplettierung des Paul Chan Tastengefühls findet man hier. Wer das schaurige Lustspiel sehen will, hat noch bis 22. November Zeit.

Paul Chan, Sade for Sades Sake, 2009

Paul Chan, Sade for Sade's Sake, 2009