Monthly Archives: Juni 2009

Fashionterrorismus

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten Filmerzeugnissen!

Schraubt eure P.C.-Latte sachte runter und verabschiedet euch von idealistischen Wertevorstellungen, es wird subversiv!

Drei Jahre lang haben wir auf ihn gewartet und wurden regelmäßig von Filmfetzten aufgestachelt, jetzt kommt Borats alter ego endlich auf die Leinwand. Von Sasha Baron Cohen als österreichische Fashonista Brüno kann man sich ab dem 9. Juli in gleichnahmiger Satire mit Schlagseite bezaubern lassen. Regie führte auch diesmal Larry Charles, der u.a. für die Sitcom Seinfeld mitverantwortlich war. Randgruppen nach vorn, Fremdschämen war selten so genussvoll. Hier der Trailer-for mature audiences only- na dann:

Ein Mann, zwei Dildos und eine ausgeklügelte Choreografie machen Lust auf Restegucken. Der Verleih Universal hat indes weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung von Filmkritiken vor offiziellem Filmstart unternommen. Eventuell ein Hinweis auf einen extrem gehypten, aber desperaten Flop? An öffentlichen Popup-Einlagen wurde nicht gespart. Ich warte jedenfalls gespannt auf die ersten Fashion Victims mit den extrem attraktiven Nacktanzügen in rosé, oder wie die SZ sagt rosafarbener Ganzkörperstrickanzug mit mehr oder weniger expliziten Details, enorm organisch:

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Unter all den virtuell umhergeisterneden Szenen, hier ein spirituelles Highlight:

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Konträr und denkwürdig  geht es weiter mit einem Beitrag vom  Evilfest, Ohren auf es wir nuschlig:

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Dass nett nur eine Euphemisierung von scheiße ist, wussten wir. Und wie nice es hinter den Kulissen von Entertainmentformaten zu geht, sehen wir hier:

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Das lässt einige Fragen in der postbrünalen Hirnspalte aufleuchten:

Wie viele Prozesse wird der 83- minütige Spass entfachen? Schmerzfrei kam Cohen jedenfalls nicht davon: Für seine Rolle ließ sich der Ästhet nicht nur Brust und Beine rasieren, sondern auch die Haare rund um seinen Anus bleichen. Danach ging’s ab ins Krankenhaus und der Gute konnte einige Tage nicht sitzen, von Reue aber keine Spur: I’m bleached and I’m proud.” Ein Spruch, der sitzt.

Wann wird das unentbehrliche Wort Spunk als Germanismus in britische Wörterbücher aufgenommen? Darf sich Österreich auf einen warmen Tourismusschauer freuen?

Und viel wichtiger: Wird die Dildochoreographie ihren Weg in die ästhetisch orientierten Schlafzimmer dieser Welt finden oder in Selbstverteidigungskursen enden?

Ab 9. Jüli wissen wir mehr!

Bergwolf

Für ein paar Tage werde ich die heißgeliebte Tastatur nicht drücken können. Zuvor muss die Kietzstammstrecke noch um ein weiteres Imbisserlebnis erweitert werden.

Es folgt die äußerst einladende und nicht minder organische Speisekarte aus dem Münchner Szenewurstladen Bergwolf :

Bergwolf-Speisekarte

Appetitliche Speisekartensemantik, wenn der Gedanke an Drüsenflüssigkeit für feuchte Mundwinkel sorgt:

Bergwolf

Jetzt etwas versöhnlicher und vegan:

Bergwolf-vegane Currywurst

Fotos: dontpanicitsorganic

Wie kommt man hin?

Fraunhoferstr. 17

80469 München

Tel.: 089 23259858

Zurück zum Thema, natürlich verschwinde ich nicht, ohne für ebenbürtige Vertretung gesorgt zu haben. Eventuell kennt ihr sie bereits, umso besser. Ich wünsche bon amusement mit folgenden Gesellen:

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via hamsteronapiano.net

Im Grunde sind wir ja alle kleine Wesen, rücklings auf der Suche nach ein wenig Harmonie und Popcorn. Es geht intellektuell und höchst philosophisch weiter:

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via

Zuletzt verfolgen wir die sardonischen Machtspiele dieser drei Wichte- und  Einwurf!

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Anspruch unten? Bis bald!

Er, Sie, Fetishism

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semisäuberlich druchwühlt und sinngerecht portioniert.

Mund zu, Augen auf für folgende fetischhaltige Erzeugnisse zweier Künstler, die man sich vom 30. Mai bis 16. August 2009  im Münchner Kunstbau/Lenbachhaus genehmigen kann: Tom Burr (*1963) und Monica Bonvicini (*1965) .

Ab jetzt im Kunstbau

Ab jetzt im Kunstbau

Zwei klangvolle Namen der internationalen Gegenwartskunst, die zum gemeinsamen Sujet die funktionale Bestimmung sozialer Räume hinsichtlich psychologischer, gesellschaftlicher und geschlechtsspezifischer Konventionen haben. Beide Vertreter der Minimal Art, setzten sich auf jeweils unterschiedliche Art mit der Thematik auseinander, doch zunächst eine visuelle Orientierung:

Foto: blocbuster

Tom Burr Put Down I, 2003 (Foto: blocbuster)

Monica Bonvicini Leather Hammer 2004/2005 mit Leder überzogener Hammer Verschiedene Größen Foto: Roberto Marossi Courtesy of the artist & Galleria Emi Fontana, Milan, West of Rome, Los Angeles © Monica Bonvicini, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Monica Bonvicini Foto: Roberto Marossi Courtesy of the artist & Galleria Emi Fontana, Milan, West of Rome, Los Angeles © Monica Bonvicini, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Materialien der S/M Szene, wie Leder, Riemen und Stahlketten sind Bestandteil einiger Werke beider Künstler. Hierbei werden scheinbar gewöhnliche Werkzeuge (Zaumzeug, Hammer) durch ihre Verbindung mit anders konnotierten Materialien in einen Kontext von Herrschaft und Macht gerückt, Fetishism.

MONICA BONVICINI / TOM BURR KUNSTBAU DER STÄDTISCHEN GALERIE IM LENBACHHAUS MÜNCHEN 30. MAI BIS 16 AUG 2009 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus München Arbeiten von Tom Burr © Tom Burr

MONICA BONVICINI / TOM BURR Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus München Arbeiten von Tom Burr © Tom Burr

Wir beleuchten zunächst Monica Bonvicini mit ihrer Videoinstallation Destroy She said, 1999:  Es geht um die mediale Darstellung von Geschlechterrollen. Genauer um die Konstruktion von Weiblichkeit im Film, wobei die männliche Komponente mittels Architektur repräsentiert wird. Will heißen: Filmschnipsel von ängstlichen, wohlgeföhnten 60er Jahre- Ikonen, die sich hilfesuchend an Wände, Türen und Mauern lehnen, auf der Flucht vor dem ungenannten Unbekannten. Das “Destroy”- Element befindet sich räumlich vor den Leinwänden, aber seht selbst:

Monica Bonvicini Destroy She said, 2005 (Foto: blocbuster)

Monica Bonvicini Destroy She said, 1999 (Foto: blocbuster)

Wenn das bekannt vorkommt: Die gebürtige Italienerin und Wahlberlinerin konnte man mit eben dieser beeindruckenden Videoinstallation bereits 2008  in der Münchner Pinakothek der Moderne im Rahmen der Ausstellung Female Trouble besichtigen. Angeprangert wird also das medial inszenierte Rollenverständnis, gefordert wird radikales Umdenken. Metaphorisch gesehen: Aufruf zur Dekonstruktion der architektonischen Männlichkeitskonstruktion, anders gesagt: Eine ordentliche Portion Kastrationsdrohung.

Gemütlich geht es weiter, folgendes Werk sieht nach einer Mischung aus Hochseilgarten und S/M- Spielplatz aus und hört auf den wegweisenden Namen Never Again, 2005, reinsetzten und wohlfühlen erlaubt!

 	 MONICA BONVICINI / TOM BURR  30. Mai 2009 – 16. August 2009   Monica Bonvicini (*1965 in Venedig, lebt in Berlin) und Tom Burr (*1963 in New Haven, Connecticut, lebt in New York) gehören zu den bedeutendsten Vertretern der internationalen Gegenwartskunst. Beider Interesse gilt den funktionalen Bestimmungen sozialer Räume, den jeweils spezifischen psychologischen, gesellschaftlichen wie geschlechtsspezifischen Konventionen. Dieses verbindende Interesse manifestiert sich jedoch in ganz unterschiedlichen Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Immer jedoch stellt sich im Werk beider die Frage nach den Herrschaftsverhältnissen, die sich in Architektur, Verhalten und Handeln spiegelt. Auch ist die Begeisterung für geradezu libidinös besetzte Oberflächen und Materialen eine Klammer, welche die künstlerische Produktion von Monica Bonvicini und Tom Burr zusammenbringt. Erstmals widmet sich eine Ausstellung dieser Kombination der beiden Künstler. Im Gegenüber der Arbeiten werden ihre teils ähnliche, teils widerstreitenden ästhetischen Strategien sichtbar.  Im Zentrum der Ausstellung steht der Gebrauch von öffentlichen und privaten Räumen als eine vom menschlichen Körper abgeleitete Vorstellung. Hier begegnen sich die Arbeiten im gemeinsamen Bezugspunkt zur Minimal Art und hier trennen sich die Werke durch ihre je andere formale Umsetzung. Die Verknüpfung der Arbeiten im gemeinsamen Ausstellungsraum wird den institutionskritischen Reflexionshorizont beider Künstler herausarbeiten. Darüber hinaus wird deutlich, dass Orte und Objekte nicht einfach als neutrale Werte verstanden werden können, sondern als gesellschaftliche Konstruktionen, an denen sich Machtverhältnisse manifestieren.  Kurator: Matthias Mühling  Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Gegenwartskunst in Basel und wird dort in verändert Form vom 05.09.2009 bis zum 03.01.2010 zu sehen sein.     Bildunterschriften:  1 Ausstellungsansicht Monica Bonvicini Never Again 2005 Leder, verzinkte Ketten, Gerüst © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Monica Bonvicini Never Again 2005 Leder, verzinkte Ketten, Gerüst © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Hier 2 Tonnen Alte Nationalgalerie, 1998:

2 Tonnen Alte Nationalgalerie, 1998 (Foto: Kerry Ryan McFate/Courtesy PaceWildenstein, New York)

"2 Tonnen Alte Nationalgalerie", 1998 (Foto: Kerry Ryan McFate/Courtesy PaceWildenstein, New York)

Auch der New Yorker Tom Burr beschäftigt sich mit der wechselseitigen Beziehung von räumlichen Konstrukten, ihrer politischen und sexuellen Prägung/ Identifikation. Und auch hier sieht man die Leerstellen, die durch ihre Abwesenheit auf Körperliches schließen lassen:

Tom Burr (Foto: blocbuster)

Tom Burr (Foto: blocbuster)

Worn out, 2005 Sperrholz, Zinkscharniere, Farbe, Teppich 101 x 60 x 259 cm Courtesy of Galerie Kamm, Berlin

Worn out, 2005 Sperrholz, Zinkscharniere, Farbe, Teppich 101 x 60 x 259 cm Courtesy of Galerie Kamm, Berlin

Hier zwar nicht, aber vor Ort zu sehen ist seine Fotoserie von öffentlichen Toiletten in New York: Die Reflexion der räumlichen Prägung unserer genderspezifischen Wahrnehmung. Manchmal kann man seine Ausstellungen sogar in eben solchen Notdurftanstalten, oder in Zoos und Parks besichtigen, denn Burr versteht den konventionellen Kunstraum lediglich als eine Möglichkeit unter vielen. Seine Werkschauen finden oft im öffentlichen Raum, nicht selten in Zwischenräumen statt.  Wer libidinösen Hardcore erwartet, findet ihn hier nur bedingt und wenn, dann jedenfalls in sozial verträglichem Rahmen. Organischer Kunstgenuss stellt sich besonders bei Vorkenntnissen ein, virtuelles Künstlerstalken lohnt sich!

  • Preis: 2€/ermäßigt 1€

Die Macht der Macke

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Wir widmen uns erneut der aufgewärmten Komponente dieser bescheidenen Cinemathek, genauer gesagt einem Regisseur, den ich gerne Monsieur Atmosphère nenne- Wes Anderson. Seine filmischen Kennzeichen: Bezaubernde Mise en Scène, verschroben makelhafte Figuren mit Hang zur Regression und ordentlich Unkonventionelles unterspielt mit klimpernden Indiemelodien, die synästhetische Wirkung entfalten. Er bedient sich oft eines festen Ensembles aus der schlagseitigen Humor- und Charakterecke wie Luke und Owen Wilson, Anjelica Huston, Bill Murray und natürlich dem putzigen Jason Schwartzman. Seine Kamera bestückt er stets mit dem famosen Robert D. Yeoman, der absolut verzückende Aufnahmen einfängt.  Bevor sein neuer (animierter) Auswurf, Der fantastische Mister Fox, basierend auf einer Roald Dahl Novelle,  im November 2009 unsere Lichtspielhäuser beziehen darf, gibt’s hier eine kleine Filmographie. Es geht direkt ins Jahr 1998, wir blinzeln Rushmore und Jason Schwartzman als nerdigen Schmock zu:

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Weiter mit einem Haufen bizarrer Figuren in The Royal Tenenbaums (2001). Man achte auf die schnittigen Adidas deux-pièces en rouge, aufgetragen von Ben Stiller und Anhang, magnifique!

Mein Favorit: The Darjeeling Limited (2007): Die Wunderbar tragische Reise der drei exzentrischen Brüder (Jason Schwarztman, Owen Wilson, Adrien Brody) quer durch Indien zu ihrer Mutter (Anjelica Huston) und- kein Schmalz- zu sich selbst, traumhaft:

Es folgt eine Wohltat für trashgeschädigte Augen hochgelobt und heißgeliebt, hier also die vollen 13 Minuten Hôtel Chevalier mit Natalie Portman, köstlich:

Zum Schluss noch ein wenig Triviales: Die Familie Coppola mischt auch öfter bei Andersons Filmen mit, beim letzten war Roman Coppola (Cousin von Schwartzman, Bruder von Sofia, Sohn von Francis Ford) als Co-Regisseur und Produzent beteiligt. Das erhabene Muttermal von Jason Schwartzman ist konstant erbsengroß geblieben, Respekt!

Flight of the Conchords

Organisches aus dem Serienkosmos, zurücklehnen und Mundwinkel sachte nach oben wölben:

Seit HBO, CBS und FOX  mit einer Ladung von unkonventionellen Serien das Reich der Fortsetzungsformate aufgemischt haben, weiß man kaum noch, welche man sich als nächste Übersprungshandlung rauspicken soll. Es folgt kein Geheimtip, aber eine sinnfreie und suchtträchtige Erweiterung eurer Stammserien.

Ich spiele ein bisschen Amazonseitenleiste und sage: Wenn du  How I met your Mother, Arrested Development, Scrubs oder 30Rock magst, wirst du vielleicht auch Flight of the Conchords in den Kreis deiner virtuellen Zeitinvestitionen einreihen: Zwei schmucke Neuseeländer, die in New York City ihre gleichnamige Band und ihr dürftiges Liebesleben vorwärtsbringen wollen, konstant nur einen Fan haben und sich mit einem eher destruktiven Agenten rumschlagen müssen.

Man nehme also diese Zutaten und füge einen Sack absurden Humors und Skurilität hinzu, alles gut vermixen und sich auf zwickende Lachkrämpfe gefasst machen! Genug, hier eine der ersten Folgen zum beschnuppern:

http://www.spike.com/video/2873442

Aber es geht noch weiter, hier kommen verclipte Klangerzeugnisse der schrägen Kerls- Achtung trashhaltig:YouTube Preview Image

Und weil’s so schön war, noch einer, sexytime!

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Ohrwürmer und mehr Faktenfutter findet ihr auf myspace und die Episoden gibt’s beim gutsortierten Serienprovider eures Vertrauens!

Alt und (k)nackig

Mund zu Augen auf für schmackhafte Fotokunst:

Gegenwartskunst lebt vom Remix. Elemente des bereits Dagewesenen werden mithilfe neuer Impulse inszeniert und uminterpretiert. Obiges Beispiel zeigt das Sujet “Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern” der Schule von Fountainebleue, 1595 in aktueller Neuinterpretation durch Fotostudenten der Hochschule Furtwangen. Hier das Original, nicht erschrecken:

Fairerweise gibt’s auch pure Weiblichkeit auf den Sehnerv, hier die Darstellung einer prickelnden Szene aus Ovids Metamorphosen:

Und die Originalvorlage von Sebastiano Ricci, “Venus und Satyr”, 1720. Dass dieses Fotoprojekt ziemlich ansehnlich ist, kann man hier weiterverfolgen und die Hintergründe dazu gibt’s da. Die Bilder gibt es auch als Bildband: »Kunst erneuern« (Prestel Verlag; 48 Seiten, 9,95 Euro) Außerordentlich organisch, wie ich finde!

Fleischlutschen in der Pommesboutique

Erweitere deine Kietzstammstrecke: Pommesboutique und Blue Nile

Foto: http://www.pommesboutique.de/minigolf/bilder.html

Foto: http://www.pommesboutique.de/minigolf/bilder.html

Wer kennt das nicht: Man kommt ermattet aus Vorlesung oder sonstwoher, hat immenses Magengrummeln nach deftiger Currywurst und verspürt gleichzeitig den Drang, sein Handicap zu verbessern? Nun hat man die Gelegenheit, beide Triebe, quasi synchron und in grün auszuleben. In der Pommesboutique, Amalienstraße 46,  findet man die lang herbeigesehnte Synthese aus  Minigolf- und Bio- Currywurstgenuss, belgische Pommes gibt’s obendrauf, das wurde auch Zeit! Ebenfalls auf der wohlbestückten Speisekarte: Bio-Cevapcici-Lollies mit Ajvar. Fleisch zum Lutschen, hmm!

Pommesboutique, Foto: blocbuster

Pommesboutique, Foto: blocbuster

Pommesboutique

Foto: blocbuster

Haptisch geht’s weiter mit dem potenziellen Gegenpol: Euch ist nach einem Hauch Exotik zumute und euer favorisiertes Besteck besteht aus wohlgekrümmten Fingerkuppen? Unbedingt ausprobieren: Das äthiopische Restaurant Blue Nile, wahlweise in der Schwabinger Viktor Scheffler-Str. 22 oder Siegesstr. 22a. Die Speisung sieht gewöhnugsbedürftig und ansatzweise vorverdaut aus, schmeckt aber großartig und bedient den Drang nach infantilem Handgemenge, absolut organisch. Wer will, kann seiner Lust nach bodenhafter Sitzfleischpflanzung nachgehen, pure, unbestuhlte Anarchie!

Mund auf, Augen zu

Mund auf, Augen zu

Le premier jour du reste de ta vie

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Wir packen süffisanten Rotwein, milden Comté und ordentlich Appetit ein und widmen uns dem noch aktuellen, französischen Kinogenuss von Regisseur und Drehbuchautor Rémi Bezançon: Le premier jour du reste de ta vie (2008) – C’est la vie- So sind wir, so ist das Leben.

Worum geht’s?  Um das Lieben und Leben der 5- köpfigen Familie Duval. Hört sich nicht besonders verlockend an? Abwarten und Trailer beschnuppern:

und auf deutsch:YouTube Preview Image

Hier werden beflügelnde Dialoge mit knackigem Witz, und charismatischen Charakteren zu einem amüsanten Filmmenü verwoben, das einem ein Lächeln auf’s beflimmerte Gesicht zaubern kann.

En Gros: Im ersten Drittel nimmt der Film rasanten Anlauf und legt mit spritzigen Inhalten, gekonnten Schnitten und gezielten Rückblenden immens vor, um auf halbem Weg an einer Pathospfütze abzurutschen, aber dennoch gediegen und größtenteils trocken im Ziel einzulaufen. Will heißen: Dass sich Bezançon raffiniert und sensibel zunächst der Perspektive der drei “Kinder” widmet, um dann einen konsequenten Übergang zu den Eltern zu legen, wirkt sich auch auf Tempo, Rythmus und Inhalt aus. Er selbst nennt diese Erählstrategie “sternförmig”, der filmische Zeitraum umfasst die Jahre 1988 bis 2000.

Angefangen beim Auszug des Ältesten, Albert (Pio Marmaï), über zur liebeskummrigen Rebellin Fleur (Déborah François) bis zum dritten, prokrastinierenden Luftgitarristen und Weinliebhaber Raphaël (Marc-André Grondin), werden hier amüsante und brisante Ereignisse einfühl- und unterhaltsam durchdekliniert. Da das Erwachsenwerden in den 90ern lokalisiert ist, gibt’s zudem ne ordentliche Portion Grunge, Hommagen an Jim Morrison, Kurt Cobain und Westernheld Steve McQueen sind Programm.

Im Übergang zur Elternperspektive wird an Leichtigkeit runtergefahren und eine Prise Melancholie und Tiefsinn zugefügt, der jedoch mit einer Ladung Lebenslust rechtzeitig gegengesteuert wird. Der Inhalt schrammt an der Konfliktlinie zwischen Alter, Attraktivität und Anerkennung entlang und bezieht Probleme innerhalb der Generationen mit ein. Marie-Jeanne (Zabou Breitman) wirkt als gluckende Mutter authentisch und Vater Robert (Jacques Gamblin) erfrischt mit Charme und Impulsivität.

Ein Film mit viel krispem Esprit, der es schafft, Momente genuiner Schönheit einzufangen, ohne in lauernde Kitschgräben abzudriften. Die bemerkenswert appetitlichen Charaktere machen einem die 114 Minuten zum sinnigen Vergnügen und wer kann, der sollte sich unbedingt die französiche Fassung genehmigen, der Prickelfaktor erhöht sich allemal![rating=4]

Welche Tüte stülpst du?

Und nun zum Wetter.

München auf Pedalen zu durchforsten ist eine feine Sache. Bei schlechter Witterung beschert das großartige Gefährt aber meistens feuchtes Sitzfleisch. Schlau, wenn man was zum Überstülpen parat hat. Doch welches Plastikhäubchen wählt der mondäne Münchener?  Hier eine kleine Typologie:

Modell: Knallrot und Indie

Modell Posh: Tom Ford

Modell Intellektuell: Staatsbibliothek

Discount

Modell Discount (inkognito): ALDI auf links

Modell Fleischeslust: Plastisches vom Wurstfachverkauf

Modell Fleischeslust: Plastisches vom Wurstfachverkauf

Modell Naturbursche: Rasenmimikry

Modell Naturbursche: Rasenmimikry

Modell Blaumann: Ganzkörpertüte

Modell Blaumann: Ganzkörpertüte

Kinoklammer

Die Kinosaison ist hochschwanger und bereit auszuwerfen. Ab mitte Juni ist’s soweit: Freiluft, Filmfest und freakige Cineasten drängen und quengeln um die Aufmerksamkeit des cinephilen Publikums. Wissen, was demnächst wo läuft und warum man es mitnehmen sollte, erfahrt ihr hier.

In München gibt es viele Open-Air Kinos, aber das charmanteste ist mit Sicherheit das Kino, Mond und Sterne- eingebettet in ein Amphitheater und im Westpark. Zum 15. Mal gibt’s hier an der Seebühne vom 10. Juni bis zum 18. August Großes, Massentaugliches und manchmal auch Randgruppiges auf die Augen. All jene, die beim Gedanken an Picknickkörbe, Schlafsäcke und erwartungsfrohe Menschen ein Schauer des Widerwillens die Rückenpartie belastet,  können sich hier Verstärkung holen. Alle anderen: Schonmal Picknickkörbe rauskramen für:

  • 11.06. Willkommen bei den Sch’tis -leider nicht OV
  • 26.06. City of God- keine Angst vor brasilianischen Kindern!
  • 29.6. Burn after Reading – George Clooney sollte Ingenieur werden
  • 02.07. Gran Torino -Eastwood, groß
  • 03.07. Guy Ritchie Double Feature: Bube, Dame, König, GrAs/Snatch
  • 07.07. Fight Club -geht immer/ aktuell
  • 09.07. Milk- CSD Pride mit Sean Penn
  • 29.07. The Wrestler- Mikey Rouke abgewrackt

mehr Programm gibt’s hier und fairerweise hier und da zu den übrigen Oben- ohne Lichtspielen.

Das Filmfest München feiert sich und den Film vom 26. Juni bis zum 4. Juli. Highlight: Michael Haneke, der in Cannes für Das weiße Band geehrt wurde mit eben diesem Film. Lowlight: Steven Frears’ Cheri. Tut euch einen Gefallen, verwehrt euch diesem Leinwandprunk. Besser:  High Fidelity in der Retrospektive anschauen. Mehr zum gesamten Programm ab 10. Juni hier.

Absoluter und fast schon krimineller Trash, der vor Kult zu triefen droht kommt an dieser Stelle, bzw. ende Juni. Wer nicht in München ist, muss leider für William Castle wahlweise nach Brüssel oder Paris reisen. Denn, die Kombination aus Kino und Geisterbahn brennt geradezu danach, ausprobiert zu werden! Vom 23.-.26. Juni im Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum  (St.-Jakobs-Platz 1  80331 München Tel. 089/233 96450) bietes sich diese seltene Gelegenheit.

Eine kurze Einführung inklusive pretraumatischer Meditation gibt’s vom Gimmickinstallateur, Bruce Goldstein, persönlich am ersten Vorstellungsabend. Worum geht es also bei William Castle, was macht seine Filme so exzentrisch? Dieser Regisseur fungierte als lebendes Gimmick, um Leute in seine Horrorschmankerl zu locken, wartete er-eingepackt in einen Sarg- vor dem Kino auf potenzielle Besucher, um sie im richtigen Moment mit Adrenalinschocks zu versorgen.  YouTube Preview Image

Auch die Kinosäle wurden mit verschiedensten technischen Gadgets ausgestattet, leichte Elektroschocks  und ähnlich harmlose Irritationen sorgten für Spannung. Hier zeigt Castle, wie man den legendären ghost- viewer zu bedienen hat:YouTube Preview Image

Während der Vorstellung liefen damals Krankenschwestern durch die Reihen, schließlich sollte das Publikum noch halbwegs lebendig aus der Sache rausgehen, so wurde auch während der Vorführung zugunsten Herzschwacher Horrorfans Verschnaufpause eingelegt, wie hier:YouTube Preview Image

Seit seinem Tod, 1977, sorgen Verrichtungsgehilfen, wie der New Yorker Bruce Goldstein, für Gimmickinstallation und Schockeffekte.

  • Di, 23.06. 18.30 SCREAM FOR YOUR LIVES! (1999) / BATTLE-AXE (2002) / PSYCHETTE (2002) Einführung: Bruce Goldstein

  • Mi, 24.6. 18.30 ROSEMARY’S BABY – ROSEMARIES BABY (1968)
  • Do, 25.6. 19.00 MR. SARDONICUS – DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS(1961) / HOUSE ON HAUNTED HILL – DAS HAUS AUF DEMGEISTERHÜGEL (1959) / HOMICIDAL – MÖRDERISCH (1961)
  • Fr, 26.6. 19.00  STRAIT-JACKET – DIE  ZWANGSJACKE (1964)/ THE TINGLER– SCHREI, WENN DER TINGLER KOMIMT (1959) / THE NIGHT WALKER – ER KAM NUR NACHTS (1964)

Auf den Gruselgeschmack gekommen? Hier geht’s zur Hintergrundspeisung!

Coffee and Cigarettes

Ab geht’s mit neuen und wiederentdeckten cinematographischen Auswüchsen.

Heute im Visier: Ein Regisseur, der unser Verlangen nach Koffeein/Nikotin mit seinem Kultfilm Coffee and Cigarettes (2003) subtil und nonchalant verbildlichte.

Jim Jarmuschs kontemporäres Stilleben aus schachbrettbemustertem Tisch, Zigarettenschachteln und gefüllten Kaffeetassen aus der Vogelperspektive, lässt mit Sicherheit einige Areale eurer Hirnrinde farbig aufleuchten. Der Film setzt sich aus mehreren Kurzfilmen zusammen, Drehbeginn war Mitte der 80er (kein Hauch von Rauchverbot) und zog sich bis in die nuller Jahre.

Die Variablen:  Sich mit koffeinhaltiger Brühe zuschüttende und nach Nikotin schnappende Kommunikanten. Dialog steht im Vordergrund und wird mit mürbem Humor, knarzigen Pointen und exzentrischen Typen angereichert: Von Roberto Begnigi über Iggy Pop und Tom Waits, bis hin zu Cate Blanchett, Renée French, Meg und Jack White.

Zwei der mysteriösen Charaktere seines neuen Auswurfs The Limits Of Control, Isaach de Bankolé und Bill Murray gehören ebenfalls zum Inventar. Erschlagen von den vielen Namen?

Hier ein kleiner Stimulant: Weiter mit Nachschlag, diese Episode ist absolut selbsterklärend:

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Inhaltlich geht’s neben den belebenden Lastern um das Leben, Popularität und Beziehungen. Viel wichtiger ist hier die Frage: Gibt es einen bösen Zwilling? Wenn ja, welcher?

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Klar, ist sich Jarmusch seiner Vorbildfunktion bewusst, na jedenfalls formal.  Dass der Titel programmatisch verteufelt wird versteht sich, zugeprostet wird immerhin analkoholisch.

Folgende Episode kann als skurriler Aufklärungsbeitrag gesehen werden und wem von euch brennt beim Anblick von Bill Murray nicht eine ganz bestimmte Refernz im Gaumenraum? Richtig:YouTube Preview Image

Um die Synthese aus Musik und Medizin geht es auch bei Iggy Pop und Tom Waits:YouTube Preview Image

Lust bekommen, Lunge und Blutkreislauf mit Schadstoffen zu belasten? Wenn die filmische Inszenierung genügt, Restegucken auf youtube![rating=4]

Abschied vom Toy-Boy

Der Genderknarz um unglückliche Frauen bebt noch nach, da kommt schon der nächste, grobkörnige Brocken aus der SZ, angenehmes Verdauen:

http://www.stockpicksexpert.com/Data/Sites/1/Stock%20Picks%20Expert/The%20Leader%20In%20You/Hugh%20Hefner/Hugh-Hefner-Playboy-girls.jpg

Junge Partnerinnen verlängern das Leben, heißt es durchaus ermutigend. Dort wird propagiert, dass das Prinzip Runzel und Pfirsich bei Männern die Lebenserwartung positiv beeinflusst: “Männer, die zwischen sieben und neun Jahre älter sind als ihre Partnerinnen, haben demnach ein um elf Prozent geringeres Sterberisiko als Männer mit Partnerinnen in etwa dem gleichen Alter.” Die Konstellation soll aber auf Frauen umgekehrte Wirkung haben, denn diese leben Laut Studie mit Toy-Boy wesentlich kürzer und am längsten mit maskulinen Peer-Group Subjekten, “sind die Männer älter als sie selbst, steigt für die Damen das Sterberisiko.” Die Frage nach der Gleichgeschlechtlichkeit wird hierbei außer Acht gelassen und erwähnenswert ist die Begrenzung auf “Daten von etwa zwei Millionen verheirateten Menschen aus Dänemark, die älter als 50 Jahre waren.”

So, was bedeutet das nun konkret? Wenn ich gütig bin, geh ich folglich in den Seniorenstift auf  Männerschau und schenke Prostata-Paule paar Prozentpunkte Lebenszeit? Oder anders: Müssen Frauen, die in gleichaltriger Liaison leben nun ein schlechtes Gewissen haben? Sollte sich Madonna aus organischen Gründen von Jesus trennen? Müssen wir uns jetzt Sorgen um Barack Obama machen, weil Michelle nur drei Jahre jünger ist? Folgt nun die Brautschau in der Grundschule? Und, viel wichtiger: Was passiert mit der Lebenszeit? Wartet sie im Land der verlorenen Singlesocken?