Mrz
04
2010
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Mad Men

Momentan kommt man an ihnen einfach nicht vorbei und allein die Tatsache, dass sie sich allmählich in den Feuilletons breitmachen zeigt, dass sie bei der Masse angekommen sind. Gut so, sage ich. Denn Mad Men verdienen den Hype absolut.

http://images.eonline.com/eol_images/Entire_Site/20080113/425.madmen.011308.jpg

Der bloginterne Serienalgorythmus sagt:  Wenn The Wire, die Sopranos und Breaking Bad deinen filmgeschmacklichen Speichelfluss anregen, dann könntest du auf Mad Men ähnlich reagieren.

Warum? Ganz einfach: Diese US-Serie rund um die fiktive Werbeagentur Sterling Cooper im Manhattan der 60er Jahre, weckt nach jeder Folge den akuten Drang nach Nachschlag. Vielleicht weil die Werbemänner der Mad(ison) Avenue scheinbar nur aus Whiskey, Nikotin und Testosteron bestehen und ihre spitzbusigen Sekretärinnen als Spaß- und Schreibkraft fungieren. Vielleicht, weil sie nicht wirklich auf der guten Seite sitzen: Schon in der ersten Folge wird Lucky Strike beworben. Vielleicht wegen der geschickten Einbindung politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Umstände oder einfach aus unerlebter Retronostalgie.

http://www.tvweek.com/blogs/marianne-paskowski/2008/09/24/27MadMenWomenMed.jpg

Sicher auch weil die Hauptfigur Don Draper (Jon Hamm), der Kreative von Sterling Cooper und Personifikation von Konsumklimaindex, bereits in der ersten Staffel so rasant die Karriereleiter hochfällt, dass man ihn mit einer Mischung aus Wehmut und Genugtuung stolpern und stürzen sehen will, wie den Mann im Vorspann.

Oder auch weil die Figuren geheimnisvoll bleiben, und aus ihren anfänglich so bequemen Rollen fallen ohne in die Lächerlichkeit einer Desparate Houswifes- Mystik abzudriften. Besonders aber, weil Gründer Matthew Weiner vielschichtigen Konflikten zwar Brutstätten zuteilt, sie aber zu Gunsten eines entschleunigten Erzählstils nicht (sofort) schlüpfen lässt.

Mad Men ist dramaturgisch ausgefeilt, mit körnigen Charakteren beseelt und gehört der raffinierten Ausarbeitung halber eigentlich auf die große Leinwand. Sexismusvorwürfen wird an dieser Stelle gestrotzt, schließlich befinden wir uns am Vorabend der sexuellen Revolution und wer sowas nicht mit Humor und Reflexionsvermögen sehen kann, sollte lieber Tofu naschen gehen.

Der Rest bleibt schön bei mir und darf gerne ein bauchiges Glas mit Hochprozentigem füllen. Denn political corectness sucht man in den Büro- und Alltagssituationen vergebens, subtil und implizit schwingt hier die Gesellschaftskritik mit, ist aber deswegen nicht weniger suggestiv. Genug, probiert mal, ob euch das schmeckt:

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Faktenfutter zu den einzelnen Folgen und bepriesenen Konsumgütern bietet das Blog zur Serie, The Footnotes of Mad Men. Hier kann man sehen, mit welcher Akribie James Weiner die 60er rekonstruiert, Chapeau!

Die erste Staffel läuft momentan montags beim Pay-TV Sender FOX-Serie, die deutschsprachige DVD-Box gibt’s seit dem 4. Februar 2010 im Handel.

Wer bei mäßiger Qualität und koreanischen Untertiteln keinen Migräneanfall bekommt, kann sich natürlich beim virtuellen Serienprovider des Vertrauens alle drei Staffeln genehmigen. Sie werden immer besser.

Written by dontpanicitsorganic in: Filmfreak | Tags:, ,
Feb
24
2010
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Die Fundgrube

Ja, in den Weiten des Netzes lauert allerhand Nebensächliches. Aber wühlen lohnt sich! Denn manchmal findet man wahre Schätze ganz tief unten! So auch hier:

Vor der genüsslichen Humorversion starten wir mit dem Original, das Oma vielleicht schon für euch auf QVC bestellt hat! Wer schon immer eine sexy Ganzkörperdecke besitzen wollte, ist hier also absolut richtig.

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Betriebstemperatur schon erreicht? Wer jetzt lieber Gallenblase statt Geldbeutel entleeren will, sollte kurz innehalten und folgenden Beitrag genießen:

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Noch nicht genug? Hier kommt Nachschlag:

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Zurücklehnen und Mundwinkel sachte nach oben biegen:

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Schonmal was von Dynamic Inertia gehört? Großartig. Ähnlichkeiten mit anderen organischen Bewegungsabläufen bitte nicht ignorieren:

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Bereit? Und ab:

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Genug gestöbert. Wie das Ganze bei Frauen aussieht und wozu es dienen soll, könnt ihr euch sicher lebhaft vorstellen.

Written by dontpanicitsorganic in: Kopfgeburten, Schlaumacher |
Feb
21
2010
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Synecdoche, New York

Ab geht’s mit neuem und wiederentdecktem Filmfutter, heute mit einem besonders delikaten Prachthappen von Charlie Kaufman.

http://thecia.com.au/reviews/s/images/synecdoche-new-york-0.jpg

Synecdoche, New York (2008) ist irgendwo jenseits von Massengeschmack und Multiplex anzusiedeln, musste daher leider die deutschen Leinwände auslassen und ist seit dem 26. November 2009 auf DVD erhältlich.

Was passiert, wenn sich der Drehbuchautor von Being John Malkowich und Eternal Sunshine of the Spotless Mind nun in den Regiestuhl wagt?

Flirrende, tieftraurige und hochtrabend amüsante Bilder; und das 24 Mal pro Sekunde. Ab in den Trailer:

http://www.dailymotion.com/videox6soiq

Zum Plot: An dieser Stelle bitte ich, das Wort Cotard durch die Suchmaschiene eurer Wahl zu jagen. Fertig?

Was kommt dabei raus, wenn Caden Cotard (Philip Seymour Hoffmann), ein krankhaft kranker Theaterregisseur, Vater einer 4 -Jährigen, Ehemann einer Künstlerin (Catherine Keener) und wohnhaft in New Yorks Suburbia seinen Beruf zur Berufung macht? Entweder grandioses Scheitern oder groteskte Genialität. Vielleicht auch beides.

http://thumbs.filmstarts.de/image/SynecdocheNewYork_scene_25.jpg

Wir begleiten Caden Cotard ab seinem 40. Lebensjahr. Seine Frau Adele ist Künstlerin, folgt einem vielversprechenden Ruf nach Berlin, wird berühmt und unerreichbar. Caden wird seine Tochter Olive (Sadie Goldstein) erst  wiedersehen, wenn sie erwachsen geworden, am ganzen Körper tätowiert auf dem Sterbebett liegt. Er wird sich in seine Mitarbeiterin Hazel (Samantha Morton) verlieben, und es erst merken, wenn sie bereits fremdverheiratet ist. Er wird verpustelt und verwarzt sein, mal blau und mal braun urinieren, postkoitale Heulattacken und permanente Todesangst haben. Trotz organischer Exzentrik wird er viele Frauen anziehen.

Er wird erneut eine 4-jährige Tochter haben, diesmal mit Claire (Michelle Williams), einer der Schauspielerinnen seines Ensembles. Er wird auch diese neue Familie verlassen, um irgendwann zurückzukehren und selbst verlassen zu werden. Irgendwo dazwischen wird er ein Theaterstipendium bekommen, um etwas Großes zu erschaffen.

Caden Cotard wird in einer New Yorker Lagerhalle New York nachbauen, um sein Leben von tausenden Schauspielern nachstellen, variieren und reflektieren zu lassen. Die Grenzen von Realität und Theater werden überschritten und überschrieben werden. Es wird das größte Stück seines Lebens werden. Ob es jemals aufgeführt wird?

Wahrscheinlich nicht. Aber wenn wir Synecdoche, New York sehen und uns fragen, wo dieses große Ganze uns hineinzieht, können wir ein kleines Stück von Charlie Kaufmans Welt sehen. Und die ist verdammt faszinierend.

http://www.student-direct.co.uk/wp-content/uploads/2009/05/synecdoche_new_york21-small.jpg

Fazit: Synecdoche, New York ist ein Film, bei dem loderndes Feuer zur Einrichtung gehört und Zeit sich jeglicher Messbarkeit entzieht. Ein Film, den man beim ersten Mal nicht vollends begreift, um beim zweiten Mal noch immer einige Fragezeichen in der Hirnrinde zu beherbergen. Er bringt einen zum Lachen, wenn man eigentlich weinen will und kratzt an der Patina unserer Sehgewohnheiten, um eine schillernde Schicht wahren Filmgenusses zu enthüllen. Sättigung nicht in Sicht.

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Feb
12
2010
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“Am Anfang steht der Juckreiz”

50 Jahre Malerei von Ed Ruscha

Hier wird der fein überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt und Schmackhaftes sinngerecht portioniert. Also Mund zu und Augen auf!

http://jetztimg.sueddeutsche.de/upl/images/user/bl/blocbuster/752916.jpg

Ed Ruscha, I don’t want no retro spective, 1979,
© Ed Ruscha, 2010
Foto: Paul Ruscha

Vitamin C für ästhetische Geschmacksknospen: In einer umfangreichen Retrospektive präsentiert das Haus der Kunst vom 12. Februar bis zum 02. Mai 2010 visuelle Delikatessen von Ed Ruscha.

Ed Ruscha, large trademark with eight spotlights, 1962,

Ed Ruscha, Large Trademark with Eight Spotlights, 1962, Courtesy Whitney Museum of
American Art, New York
© Ed Ruscha, 2010
Foto: Paul Ruscha

Wenn Ed Ruscha (geb. 1937) seine Bildsprache erklärt, fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Buchstaben und Wörter vor dem Hintergrund einer Panoramalandschaft erinnern an lange Autofahrten, auf denen sich Orte mit Wortfetzen von Plakaten mischen und eine ganz eigene, spontane Wirkung entfalten.

Ed Ruscha,OOF (1962-1963) Photograph: Courtesy of the artist, the Hayward Gallery and the Museum of Modern Art, New York

Ed Ruscha, OOF (1962-1963)
Photograph: Courtesy of the artist, the Hayward Gallery and the Museum of Modern Art, New York,
© Ed Ruscha, 2010
Foto: Paul Ruscha

Hier gib’t einen kleinen Hörbrocken zum Bild.

Ed Ruscha, The back of Hollywood, 1977

Ed Ruscha, The Back of Hollywood, 1977, Courtesy Collection Musée d’art contemporain de Lyon
© Ed Ruscha, 2009
Photography: Paul Ruscha

Wo scheinbare Oberflächlichkeit so plakativ unterwandert, mit kruder Leichtigkeit aus dem Kontext gerissen wird, entsteht Lärm, den zu sehen es sich lohnt.

The visual noise of words crammed into commercial magazines and newspapers cried out to have art made of it. I just obliged.

Ed Ruscha

Den Nährboden für die nüchterne Highwayromantik, die in vielen seiner Werke nachhallt, bildeten zahlreiche Roadtrips und Trampingtouren queer durch die Staaten. Einige führten von Oklahoma nach Los Angeles. Andere nach Mexico City und über die Route 66 der 50er und 60er Jahre. Vor seiner Künstlerkarriere war Ed Ruscha Comic- und Werbezeichner.  Doch abseits von Pop-Art, strahlen viele seiner Bilder dunkle, fast prophetische Mystik aus. Wieder andere sprühen vor bissigem Humor. Folgendes Bild zeigt das lodernde Los Angeles County Museum of Art.

Ed Ruscha, Los Angeles County Museum on Fire, 1965-1968

Ed Ruscha, Los Angeles County Museum on Fire, 1965-1968, Courtesy Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution
© Ed Ruscha, 2009
Photography: Paul Ruscha

Und manchmal, so der Künstler auf einem Vortrag in München, enstünden Bilder auch einfach nur aus dem Wunsch heraus, irgendwann einen Buchrücken damit zu schmücken, so wie dieses hier:

Ed Ruscha,An Exhibition of Gasoline Powered Engines, 1993

Ed Ruscha, An Exhibition of Gasoline Powered Engines, 1993
© Ed Ruscha
Foto: Paul Ruscha

Innerhalb der fünf Jahrzehnte seines Schaffens experimentierte Ruscha auch mit organischer Materie, nutzte u.a. Eidotter, Blut, Moiré und Schellack auf Satin, wie hier:

Ed Ruscha, It's Only Vanishing Cream, 1973

Ed Ruscha
it’s only vanishing cream, 1973
Collection of the artist
© Ed Ruscha, 2010
Foto: Paul Ruscha

Die Werkschau zeigt auch Ruschas Silhouettenbilder, durch die er Mitter der 80er Jahre seine kreative Bandbreite erweiterte und Arbeiten aus seinem “Course of Empire”-  Zyklus, die erstmals 2005 auf der 51. Biennale von Venedig zu sehen waren.

Wer webstöbern will, klicke bitte hier, Hörenswertes auf die Ohren stellt Bayern2 zur Verfügung.

Akute Lust, dem Echo des Meisters offline nachzugehen?

Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1, 80538 München
Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag 10-20 Uhr
Donnerstag 10-22 Uhr
Eintritt 10/ erm. 7 €
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Jan
29
2010
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Triptych

Hier wird der überladene Kunstmarkt semi-säuberlich durchwühlt und sinngerecht portioniert. Also Mund zu und Augen auf !

Magdalena Hutter, Triptych

Magdalena Hutter, Triptych Magdalena Hutter 2010

Mit Grenzen und Migration beschäftigt sich Magdalena Hutter in ihrer dokumentarischen 3-Kanal-Videoinstallation Triptych, hier ein kleiner Einblick:

http://www.vimeo.com/7997278

Ursprünglich, so erzählt die HFF-Studentin, sei die Wüste als Metapher gedacht gewesen. Bis die Realität passierte. Denn nicht nur in der Odysee  der fünf Protagonisten wirkt die Wüste als Transitraum, desparater Lebensraum oder auch als das Ende einer unerfüllten Hoffnung. Viele der Migranten müssen wirklich irgenwann zu Fuß durch die Wüste.

“…Nigeria – Niger, Niger – désert d’Algérie, Algérie – Maroc, Maroc á l’Europe.”

Wir bewegen uns vorwärts, immer in dieselbe Richtung. Gleichmäßige Schritte. Stimmen. Menschen auf der Flucht.

Triptych. Eine dokumentarische Videoinstallation, Magdalena Hutter 2010

Trocken, karg und hoffnungslos. Triptych will bewegen. Und es kann.

Wann und wo?

Vernissage am Freitag, 29. 01. 2010 ab 18.00 Uhr
Öffnungszeiten Mo-Fr 14-20 Uhr
Samsatg und Sonntag 12-19 Uhr
Finissage am Sonntag, 07.02.2010 ab 17.00 Uhr

Atelier für Medienkunst, Bavariastr.6a, 80336 München

In ihrem nächsten Filmprojekt beschäftigt sich Magdalena Hutter erneut mit Migration und Grenzen. Dann geht es nach Los Angeles, wieder in die Wüste. Wir sind gespannt.

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Jan
28
2010
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HFF-Filmschau

Ab geht’s mit brandheißen Kurzfilmtipps frisch aus der Nachwuchsfabrik!


HFF

Was ein Filmstudent der HFF schon im ersten Jahr auf die Leinwand werfen kann, seht ihr dort am Freitag, 29. Januar. Drei Drehtage und drei Rollen Film standen zur Verfügung, dokumentarisch und schwarz-weiß sollte das Ergebnis sein. Doch aus diesen einheitlichen Vorgaben ist viel Unterschiedliches auf 16mm entstanden.

Nicht nur monochrom, sondern auch ziemlich amüsant: “Jetzt bin ich mal dran” von Thomas Kren und Claudia Schröter, vorgekostet und für absolut magen- und hirnfreundlich befunden! Die beiden prorträitieren in ihrem gemeinsamen Erstlingswerk den Alltag eines charmanten, homosexuellen 80- jährigen. Wie gelungen diese 13 Minuten geworden sind und was die anderen Jungregisseure zu bieten haben, könnt ihr im Kino der HFF ab 19:30 Uhr in der Frankenthaler Straße 23 beurteilen.

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Jan
22
2010
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A Serious Man

A Serious Man

Ab geht’s mit koscherer Filmkost von den Coen Brüdern: A Serious Man (2009) handelt von einem Mann, dessen Welt ohne sein Zutun einfach so und Stück für Stück zusammenbricht.

Darf trotzdem gelacht werden? Ja, denn gerade in der Ambivalenz von Tragik und Komik blüht der subversive Humor der Coens auf und entfaltet seine Pracht innerhalb unseres Zwerchfells, köstlich! Und jetzt ab in den Trailer:

http://www.dailymotion.com/videoxa0n24

Zum Plot: 1967, Larry Gropniks (Michael Stuhlbarg) Leben geht langsam aber beständig in die Brüche. Kurz vor seiner Verbeamtung als Physikprofessor kursieren Schmähbriefe am Lehrstuhl. Sohn Danny (Aaron Wolff) hört Radio und kifft, statt im Hebräischunterricht aufzupassen. Tochter Sarah (Jessica McManus) bedient sich an seinem Geldbeutel, um sich eine Nasenkorrektur finanzieren zu können. Ehefrau Judith (Sari Lennick) betrügt ihn mit einem Freund der Familie und der geistig verwirrte Bruder Arthur (Richard Kind) wohnt in seinem Badezimmer. Zum Glück gibt es einige Rabbis in der jüdischen Gemeinde seines Heimatstädtchens in Minnesota, die er um Lebenshilfe bitten kann. Na dann, Masseltoff!

A Serious Man

Während Larry also seinen Studenten die Ungewissheitstheorie näherbringen will, rüttelt Hashem, der jüdische Gott,  gewaltig an seinem kleinbürgerlichem Alltag. Aus dem fürsorglichen Familienvater und korrekten Physikprofessor wird ein Wrack, dessen berufliches und privates Leben wie durch Knopfdruck aus den Bahnen des Erfolgs gehebelt wird. Ob das ungerecht ist?  Naja, Larry sagt es selbst, als er beim Aushilfsrabbi seine geistliche Therapierungsodysse startet: The boss isn’t always right, but he’s always the boss. In diesem Fall also die Coen Brüder. Und die scheinen mächtigen Spass am tiefen Fall ihres Protagonisten zu haben.

A Serious Man

Mehr Tragik? Bitteschön: Seine Frau will die Scheidung, außerdem soll Larry in ein Motel ziehen. Ein paar Tage später verunglückt der Nebenbuhler jedoch tödlich. Wer muss für die Beerdigungskosten aufkommen? Richtig. In seiner Hilflosigkeit sucht Larry einen weiteren Rabbi auf, der ihm helfen soll, den anschwellenden Lebensballast aufzufieseln. Der Rabbi erzählt ihm die Geschichte eines Kieferorthopäden, der im Gebiss eines Mannes hebräische Zeichen findet, die übersetzt “Hilf mir” bedeuten. Das beschert besagtem Arzt schlaflose Nächte, sodass er verzweifelt eben jenen Rabbi aufsucht, um ihn um Rat zu bitten. Ob er nun den Menschen helfen solle, möchte er wissen. Na, kann sicher nicht schaden, meint der Rabbi. Danach geht’s dem Kieferorthopäden wieder prächtig. Was diese Parabel soll? Man könnte sie als eine Liebeserklärung an die Sinnfreiheit sehen.

Manche Fragen sind wie Zahnschmerzen, eine Weile beschäftigen sie uns und irgendwann hören sie auf.

Rabbi Nachtner

Die Fragen, die der Film uns beschert, können wir ebenfalls mit Zahnschmerzen vergleichen. Oder wir halten uns an die Worte des Vaters eines versetzungsgefährdeten, asiatischen Studenten. Dieser steht eines Tages auf dem- nicht mehr ganz so ordentlich getrimmten- Rasen des Einfamilienhauses, um den Physikdozenten seines Sohnes zu erpressen. Hat er nun das Kuvert mit Bestechungsgeld auf Larrys Schreibtisch deponiert oder nicht? Please, accept the Mystery.

A Serious Man

Das scheint überhaupt das Mantra des Films zu sein. Oder die Botschaft der Coens, die es satt haben, nach jedem Filmwurf mit hochtrabenden Interpretationsergüssen und Analyseentwürfen beklebt zu werden. In etwa wie der Rabbi, der sich mit den vom Leben gequälten Bittstellern beschäftigen muss und gelegentlich lieber zu den Liedern von Jefferson Airplane summen würde.

Dann eben alles so nehmen wie es ist. Das erfahren wir schon zu Beginn des Films, noch vor dem Prolog, dessen Essenz wir ebenso verzweifelt in irgendeiner Folgesequenz zu verankern suchen:

Receive with simplycity everything that happens to you.

Rashi

Fazit: Was diesen Film so sehenswert macht, ist neben der großartigen Besetzung sicherlich der latente Humor, den die Brüder uns hier vorführen. Er ist selbst in die tragischten Szenen eingeflochten, sitzt hinter den haarigen Ohrläppchen und schwingt mit jedem Schritt der behäbigen Matronen mit, die A Serious Man, trotz aller Ernsthaftigkeit und dem fehlen eines Happy Ends zu einem köstlichen Filmgenuss machen. Denn:

Es ist ein großes Missverständnis nicht nur des amerikanischen Kinos, zu glauben, dass Menschen, die lieben, das Recht auf ein Happy End haben.Niemand hat ein Recht auf ein Happy End.

Interview mit Joel und Ethan Coen , DIE ZEIT, 25.09.2008 Nr. 40
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